Verbale Entgleisung im Klimabeirat
Peter Eckhoff wirft Stadtwerke-Chef mangelndes Klima-Engagement vor

Peter Eckhoff (Buchholzer Liste) engagiert sich stark für den Klimaschutz. In der letzten Sitzung des Klimabeirats aber war seine Wortwahl unangemessen | Foto: Eckhoff
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  • Peter Eckhoff (Buchholzer Liste) engagiert sich stark für den Klimaschutz. In der letzten Sitzung des Klimabeirats aber war seine Wortwahl unangemessen
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In Zeiten des Wahlkampfes liegen bei dem Einen oder Anderen schon mal die Nerven blank. Aber auch außerhalb des direkten Wahlkampfes ist die Wortwahl Einzelner nicht akzeptabel.
Am Montag, 24. August, fand die Sitzung des Klimabeirates statt. Die Tagesordnung zeigte keine brisanten Themen. Dennoch demaskierte sich Peter Eckhoff (Vorstandsmitglied der Buchholzer Liste und tritt für diese aktuell zur Wahl für den Stadtrat an) im Anschluss an einen Impulsvortrag von Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Christian Kuhse, indem er anmerkte, dass, wenn man den Vortrag eben so gehört hätte, und Herr Dr. Kuhse das so meint, die Stadtwerke lieber Stricke und Pistolen verkaufen sollten. Außerdem bemerkte Peter Eckhoff, dass es schlimm sei, Dr. Kuhse zuzuhören, er sei wohl der falsche Mann an der Position. Das WOCHENBLATT bat Peter Eckhoff umgehend um eine Stellungnahme zu seinen irritierenden Aussagen:

Stellungnahme Peter Eckhoff

"Ich war gestern (am Montag, 24. August, Anm. d. R.) ein wenig verärgert über den Vortrag von Herrn Dr. Kuhse und ärgere mich nun selbst über die gewählten Worte. Das war unangemessen. Auch weil Herr Dr. Kuhse vom Vorsitzenden des Klimabeirats im Vorwege explizit darum gebeten wurde, über die Hindernisse und Herausforderungen der Energiewende zu berichten. Das hatte ich gestern Abend bei meinem Wortbeitrag nicht mehr auf dem Schirm. Ich bitte dafür um Entschuldigung. Gestern Abend nach der Veranstaltung habe ich mich daher mit Herrn Dr. Kuhse auch gleich dazu ausgetauscht. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass er mir meine unsachlichen und provokativen Worte nicht übel nimmt. Ich bitte Sie daher, diese nicht zu zitieren." so Peter Eckhoff auf Nachfrage des WOCHENBLATTES. Und weiter: "Wenn wir als Stadtgesellschaft die Klimakrise ernst nehmen und unsere Stromversorgung daher klimaneutral machen müssen, hilft es nicht, wenn der Geschäftsführer der Buchholzer Stadtwerke immer wieder gebetsmühlenartig betont, welche Herausforderungen und Hindernisse allein die zukunftsfähige Ertüchtigung des Stromnetzes mit sich bringt. Natürlich hat Herr Dr. Kuhse recht damit, dass die Kapazitäten im Stromnetz stark erweitert werden müssen, um PV- und Windkraftanlagen, Wärmepumpen, E-Mobilität etc. ins Netz integrieren und dabei gleichzeitig eine Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. Wie Herr Dr. Kuhse berichtete, sind dafür in den nächsten Jahren (spätestens bis 2045) Investitionen von ca. 120 Millionen Euro vonnöten. Investitionen in dieser Größenordnung können die Stadtwerke Buchholz jedoch aus eigener Kraft nicht finanzieren. Das ist neben den ganzen gesetzlichen Vorgaben und der sonstigen Regulatorik unbestritten eine echte Herausforderung. Von einem Geschäftsführer unserer Stadtwerke erwarte ich jedoch mehr.

Meine Erwartung ist, dass die Buchholzer Stadtwerke als Motor und Treiber der Energiewende (erneuerbarer Strom), der Wärmewende (Gasausstieg) und der Verkehrswende (E-Mobilität und ÖPNV) agieren. Unsere Stadtwerke sollten nicht nur die Netze ertüchtigen, sondern zusammen mit der Stadtverwaltung und gerne auch anderen Akteuren - aber als Treiber - Bürger und Gewerbetreibende an die Hand nehmen, beraten und bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Dekarbonisierung begleiten, also die Transformation in ein fossilfreies Buchholz gestalten und umsetzen.

Einen ernsthaften Willen, sich genau dahin als kommunaler Versorger zu entwickeln, habe ich zum wiederholten Male in dem gestrigen Vortrag und der sich anschließenden Diskussion seitens Herrn Dr. Kuhse vermisst. Ein Blick über den Buchholzer Tellerrand zeigt: Andere Stadtwerke sind da zusammen mit ihren Kommunen inzwischen ein Stück weiter und generieren mit ihrem Klimaschutzengagement echte Wertschöpfung für ihre Region, quasi im Sinne von Klimaschutz als Wirtschaftsfaktor. Ich finde es bedauerlich, dass diese Chance offenbar in Buchholz (noch?) nicht gesehen bzw. anderen überlassen wird. Darüber bin ich enttäuscht und verärgert zugleich."

Statement Dr. Kuhse

Dr. Christian Kuhse, Geschäftsführer der Buchholzer Stadtwerke, nahm zu diesen Vorwürfen von Peter Eckhoff wie folgt Stellung: "Klimaschutz ist unerlässlich zum Schutz der Erde sowie künftiger Generationen und eine zentrale Herausforderung der heutigen Zeit. Auch volkswirtschaftlich rechnen sich Investitionen in Klimaschutz, weil deren Aufwendungen geringer sind als die Folgekosten des Klimawandels.
Als kommunale Unternehmensgruppe bekennen wir uns zum Klimaschutz und leisten mit der Infrastruktur unserer Stadtwerke einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende vor Ort. Dies ist jedoch nur im Rahmen unserer finanziellen Handlungsspielräume und unter Wahrung dauerhafter Profitabilität möglich. Und genau hier liegen die großen Herausforderungen: Nach dem Gesetz, genau genommen dem EnWG und dem EEG, sind wir verpflichtet, innerhalb der nächsten Jahre mindestens 120 Millionen Euro in unser Stromnetz zu investieren. Die Bilanzsumme der Stadtwerke lag im Jahr 2025 bei 50 Millionen Euro, jene der Gruppe bei rund 100 Millionen Euro. Diese verpflichtenden Investitionen in unser Stromnetz werden zu einer deutlichen Erhöhung der Bilanzsumme sowie der Verschlechterung unserer Eigenkapitalquote führen. Fraglich ist vor allem, ob Banken bzw. ggf. Dritte diese obligatorischen Investitionen finanzieren werden.
Dies gilt nicht nur bei uns, sondern in ganz Deutschland. Laut einer aktuellen Studie von PwC im Auftrag der KfW stellt die Umsetzung der Energie- und Wärmewende auf regionaler Ebene die Energieversorger deutschlandweit vor enorme finanzielle Herausforderungen, wobei 65 Prozent der notwendigen Investitionen durch neues Eigen- (und auf dieser Grundlage) Fremdkapital gedeckt werden müssen.

Erst nach diesen verpflichtenden Investitionen in unsere Netzinfrastruktur bliebe Raum für Investitionen in Wind- und Solarparks vor Ort. Das wir dies nicht getan haben, wird uns immer wieder vorgehalten. Dabei werden indes folgende Umstände verkannt:
Erstens haben wir – anders als die meisten anderen Stadtwerke –in einer frühen Phase engagiert und mit großem Erfolg und hohen Investitionen ein Glasfasernetz in unserer Kommune auf- und ausgebaut und sind damit seit mehreren Jahren profitabel. Dadurch konnten wir bisher den Rückgang der Gewinne bei den Stadtwerken kompensieren, der durch die Implikationen der Energiewende entstanden ist.

Mit diesen Investitionen bzw. Buchholz Digital haben wir nicht nur für eine zukunftsträchtige digitale Infrastruktur in unserer Kommune gesorgt, sondern auch für lokale Wertschöpfung und die Voraussetzungen geschaffen, Bus und Bad sowie Sport, Kultur und lokale Einrichtungen in unserer Kommune weiter unterstützen zu können.

Unser Glasfaserprojekt ist profitabler als die Investition in Wind- und Solarparks es gewesen wäre, sodass der daraus resultierende materielle und immaterielle Beitrag für unsere Kommune und ihre Bürger höher ist als bei einer Investition für Klimaprojekte vor Ort. Und in der jüngeren Vergangenheit haben sich die Renditeerwartungen für Wind- und Solarparks noch verschlechtert.

Nun mag man uns dafür kritisieren, nur die finanzielle Aspekte zu berücksichtigen.

Als Geschäftsführer aber habe ich nach dem GmbH-Gesetz eine Vermögensbetreuungspflicht für die Gesellschaften unserer Gruppe. Und für den Klimaschutz vor Ort ist es unerheblich, wer in Klimaschutzprojekte investiert.

Schließlich gibt es mit Blick auf die Partizipation von Bürgern an lokalen Projekten mit dem Bürger-Solarkraftwerke Rosengarten eG bereits eine Genossenschaft, die sich mit lokalen Projekten aktiv um die Energiewende vor Ort bemüht.

Zu guter Letzt möchte ich auf einige größeren Zusammenhänge hinweisen:

So wichtig und richtig Klimaschutz vor Ort auch ist: Klimaschutz ist ein globales Problem und wir sind Teil globaler Wirtschaftskreisläufe.

Die globalen Entwicklungen, etwa in den USA, China, Russland, stehen insgesamt im Widerspruch zu den Klimaschutzzielen, auch wenn es zum Teil erfreuliche Entwicklungen gibt. Gerade künstliche Intelligenz wird einen enormen zusätzlichen Energiebedarf verursachen, der bis auf Weiteres nur zum Teil aus Erneuerbaren Quellen gespeist wird. Die wesentlichen Klimaschutzregeln resultieren aus Normen der EU und des Bundes."

Peter Eckhoff (Buchholzer Liste) engagiert sich stark für den Klimaschutz. In der letzten Sitzung des Klimabeirats aber war seine Wortwahl unangemessen | Foto: Eckhoff
Dr. Christian Kuhse wurde von Peter Eckhoff scharf kritisiert | Foto: Helms
Redakteur:

Stefanie Hansen aus Buchholz

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