Wirtschaft Nordostniedersachsen
Breite konjunkturelle Erholung ist nicht erkennbar
- Die Bürokratie sehen viele Firmeninhaber als großes Hindernis für eine bessere Konjunktur an
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Die Stimmung in der Wirtschaft Nordostniedersachsens hellt sich zum Herbst leicht auf. Eine breite konjunkturelle Erholung ist jedoch noch nicht erkennbar. Der Konjunkturklimaindikator der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) steigt gegenüber dem Sommer um vier auf 86 Punkte, bleibt damit aber deutlich unter der neutralen Marke von 100 Punkten. Das zeigt die aktuelle IHKLW-Konjunkturumfrage, an der sich im September und Oktober 378 Unternehmen aus den Landkreisen Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Celle beteiligt haben.
„Die Konjunktur stabilisiert sich, aber der lang ersehnte Aufschwung aus eigener Kraft lässt weiter auf sich warten“, sagt IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert: „Staatliche Nachfrageimpulse stützen derzeit die wirtschaftliche Entwicklung. Für eine nachhaltige Erholung brauchen die Unternehmen bessere Standortbedingungen.“
Unterschiedliche Branche
Die Entwicklung fällt je nach Branche unterschiedlich aus. Höhere Auftragseingänge, staatliche Investitionen und zunehmende Exporte in die Europäische Union lassen den Konjunkturklimaindikator der Industrie um 20 auf 94 Punkte steigen. Auch der Großhandel legt um elf auf 84 Punkte zu. Dagegen trifft die Kaufzurückhaltung der Verbraucher den Einzelhandel: Sein Index fällt um 13 auf 70 Punkte. Der Index der Dienstleistungswirtschaft steigt um einen Punkt auf 88 Punkte.
Die Geschäftslage bleibt angespannt: 20 Prozent der Betriebe bewerten sie als gut, 50 Prozent als befriedigend und 30 Prozent als schlecht. Beim Blick nach vorn erwarten 57 Prozent der Unternehmen unveränderte Geschäfte. 31 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung und zwölf Prozent mit einer Verbesserung. Der Saldo der Geschäftserwartungen liegt damit bei minus 19 Punkten. Auch bei Investitionen und Personalplanungen überwiegt die Zurückhaltung.
Rahmenbedingungen sind Ursache für negative Entwicklung
Als größtes Risiko für ihre Geschäftsentwicklung nennen 63 Prozent der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Hohe Energie- und Rohstoffpreise bereiten 61 Prozent Sorgen, die schwache Inlandsnachfrage 56 Prozent. Es folgen steigende Arbeitskosten (45 Prozent) sowie der Fach- und Arbeitskräftemangel (36 Prozent). Exportierende Betriebe belasten zudem Lieferengpässe, US-Zölle und hoher Wettbewerbsdruck aus China.
„Die Unternehmen stehen von mehreren Seiten unter Druck. Umso wichtiger ist es, die hausgemachten Probleme endlich anzugehen“, fordert Zeinert: „Wir brauchen niedrigere Stromkosten für alle Branchen, weniger Bürokratie und Reformen der sozialen Sicherungssysteme, damit die Lohnnebenkosten nicht weiter steigen. Nur wenn die Standortbedingungen stimmen, fassen Unternehmen wieder Vertrauen und investieren.“
Regulatorische Handelshemmnisse
Eine weitere Chance sieht die IHKLW in der Vollendung des europäischen Binnenmarktes. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds entsprechen regulatorische Handelshemmnisse innerhalb der EU rechnerisch Zöllen von rund 44 Prozent bei Waren und 110 Prozent bei Dienstleistungen.
Gleichzeitig bringt die EU-Verpackungsverordnung neue Belastungen. „Europa muss ein gemeinsamer Markt sein, kein Flickenteppich aus Registrierungspflichten“, sagt Zeinert: „Wenn Betriebe für Direktlieferungen in verschiedene EU-Länder jeweils Bevollmächtigte bestellen müssen, ist das unverhältnismäßig. Die auf EU-Ebene vorgeschlagene Aussetzung dieser Pflichten für bestimmte Unternehmen muss zügig umgesetzt werden. Darüber hinaus brauchen wir dauerhaft einfachere Verfahren.“
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