Ein Berater für Patienten
Trotz Kehlkopf-Entfernung: Ralf Westmeier genießt sein Leben und hilft anderen mit Rat und Tat

Ralf Westmeier zeigt die kleine Kunststoffkappe, die er im Hals trägt und die seine Atemorgane schützt
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  • Ralf Westmeier zeigt die kleine Kunststoffkappe, die er im Hals trägt und die seine Atemorgane schützt
  • Foto: Krankenhaus Buchholz
  • hochgeladen von Tamara Westphal

(nw/tw). Strahlende Augen, Lachfältchen in der gebräunten Haut, ein gewinnendes Lächeln: Wenn Ralf Westmeier (58) von seinen Motorradtouren erzählt - "am liebsten fahre ich schnell" - von den Squash-Duellen mit seiner Frau Doris oder seinem großen Garten, wirkt er wie die personifizierte Lebenslust. Wäre da nicht die beige Kappe über einer Öffnung im Hals, dort, wo bei anderen Menschen der Kehlkopf sitzt. Ralf Westmeier hat keinen mehr. Doch er sagt: „Ich bin nicht krank. Ich habe nur eine kleine körperliche Einschränkung.“ Als Mitglied der Selbsthilfegruppe für Kehlkopfoperierte will er sein Wissen und seinen Optimismus weitergeben.
Hinter dem fröhlichen Mann liegen elf Krankenhausaufenthalte in fünf Jahren. Angefangen hatte alles mit anhaltend starken Halsschmerzen, „wie bei einer Erkältung“. Die Fachärztin, die ihn untersuchte, machte keine großen Worte, sondern fragte nur kurz: „Und in welches Krankenhaus wollen Sie?“ Schlagartig wurde dem aus Solingen gebürtigen Mann, der heute in Revenahe bei Buxtehude lebt, bewusst: „Das ist Krebs.“
Im Krankenhaus Buchholz wurde ihm 2014 ein Teil der Stimmbänder entfernt. Bei einer Kontrolle zwei Jahre später im November 2016 stellte sich heraus, dass der Krebs auf den Kehlkopf übergegriffen hatte. Dr. Jens Hummel, Chefarzt der HNO-Abteilung im Krankenhaus Buchholz, entfernte den Kehlkopf. Seither trägt Westmeier die Kappe mit Membran, um seine Atemorgane zu schützen. Eine Stimmprothese zwischen Luft- und Speiseröhre, die regelmäßig ausgetauscht werden muss, ermöglicht ihm, wieder zu sprechen: keine monotone Automatenstimme, sondern ein warmer Bariton mit leicht heiserem Timbre.
Obwohl das Operationsergebnis hervorragend ist: Seinen Beruf als Versicherungsfachmann musste Westmeier aufgeben. Den ganzen Tag Kundengespräche zu führen, wäre zu anstrengend für ihn. Doch seine Zeit weiß er auch anders zu füllen: Er betreut Demenzkranke, engagiert sich für das Bürgerbusprojekt in seiner Heimatgemeinde. Und vor allem: Ralf Westmeier ist Patientenbetreuer im niedersächsischen Landesverband der Kehlkopfoperierten. Mehrfach im Monat fährt Westmeier in das Krankenhaus Buchholz und besucht Betroffene und ihre Angehörigen. Sie bekommen von ihm ehrliche Aufklärung, praktikable Tipps und ein Lachen, das ansteckt.
Eine Kehlkopf-OP ist kein Spaziergang. Ganz ohne Änderungen im Lebensstil ging es auch für Ralf Westmeier nicht ab: Ins tiefe Wasser darf er nicht mehr. Sonst würde das Wasser durch den Hals in seine Lungen eindringen. Seine körperliche Leistungsfähigkeit hat abgenommen. Sein Geschmackssinn ist beeinträchtigt, weshalb der begeisterte Koch das Essen für seine Frau anfangs viel zu scharf würzte. Und sein Freundeskreis hat sich reduziert. „Ich falle auf“, weiß Westmeier. Wenn er mit einem winzigen Sprüher seinen Hals befeuchtet, wenn er husten oder den Hals von Schleim reinigen muss, ist das für Beobachter ungewohnt. Doch Westmeier steht dazu: „Ich verstecke mich nicht. Wer das nicht aushält, ist kein Freund.“ Für die Patienten, die er berät, ist er mit seinem heiteren Optimismus ein Vorbild. „Krebs ist nicht das Ende“, sagt er. "Ich will noch mindestens 30 Jahre leben und noch mindestens 20 davon Motorrad fahren.“

Krebs im Kehlkopf und seine Therapie
Der Kehlkopf stellt den Übergang des Rachens in die Luft- bzw. Speiseröhre dar. Er ist für die Stimmbildung verantwortlich, unterstützt die Atmung und verhindert, dass Nahrung in die Luftröhre gerät. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 3.200 Männer und knapp 500 Frauen neu an Kehlkopfkrebs, der vor allem Raucher betrifft. Symptome sind Heiserkeit, ins Ohr ziehende Schmerzen und Schluckbeschwerden, manchmal auch Atemnot. Mit seiner HNO-Abteilung und der Abteilung für Strahlentherapie ist das Krankenhaus Buchholz auf die Behandlung von Kehlkopfkrebs spezialisiert. HNO-Chefarzt Dr. Jens Hummel: „Wird der Krebs rechtzeitig durch eine Untersuchung beim HNO-Arzt erkannt, ist fast immer eine organerhaltende Therapie möglich.“ Werde die Entfernung des Kehlkopfes nötig, könne mit modernen Operationstechniken dafür Sorge getragen werden, „dass die Anbahnung einer gut verständlichen Stimme in fast allen Fällen gelingt“.

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