E-Scooter außer Kontrolle?
Immer mehr Verletzte: Warum E-Roller zum Sicherheitsproblem werden
- Mit Blick aufs Handy zu zweit auf dem E-Scooter - Verkehrsregeln werden missachtet
- Foto: jvp
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Sechs teils schwere Unfälle innerhalb weniger Tage, ein betrunkener Fahrer mit mehr als 1,5 Promille, Jugendliche mit Handy am Lenker und immer häufiger Berichte über manipulierte Roller mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit: E-Scooter sorgen in den Landkreisen Stade und Harburg zunehmend für Besorgnis.
Was einst als moderne und umweltfreundliche Mobilitätslösung gefeiert wurde, entwickelt sich vielerorts zum Sicherheitsproblem. Besonders alarmierend: Nach Informationen des WOCHENBLATTES ist das illegale Tuning von E-Scootern unter Jugendlichen längst kein Geheimwissen mehr.
Aus 20 werden 40 Stundenkilometer – und mehr
Ein 16-Jähriger aus dem Landkreis Harburg berichtet offen, dass in seinem Freundeskreis praktisch jeder wisse, wie sich die Geschwindigkeitsbegrenzung eines E-Scooters aushebeln lasse. Besonders verbreitet sei das sogenannte App-Tuning. Dabei wird die Software des Rollers verändert. Entsprechende Programme werden im Internet angeboten und können teilweise für wenige Euro heruntergeladen werden.
Daneben gibt es Tuning-Chips oder sogar Umbauten an der Hardware. Das Ziel ist immer dasselbe: mehr Geschwindigkeit. Statt der gesetzlich erlaubten 20 Stundenkilometer erreichen manche E-Scooter nach dem Umbau Geschwindigkeiten von 30, 40 oder sogar deutlich mehr Stundenkilometern.
Besonders brisant: Nach Angaben des Jugendlichen lassen sich die zusätzlichen Funktionen häufig über selbst festgelegte Tastenkombinationen aktivieren oder deaktivieren. Wird eine Polizeistreife entdeckt, kann der Roller innerhalb weniger Sekunden wieder in den legalen Modus zurückgeschaltet werden.
Auch der Polizei ist das Problem bekannt. „Offenbar lassen sich bei einigen Rollern die Begrenzungen auf die zulässigen 20 Kilometer pro Stunde umgehen. Das kommt im Landkreis öfter vor und wird bei Erkennen durch die Polizei geahndet“, sagt Polizeisprecher Rainer Bohmbach von der Polizeiinspektion Stade.
Wer mit einem getunten E-Scooter unterwegs ist, riskiert nicht nur Bußgelder. Durch die Manipulation kann die Betriebserlaubnis erlöschen, zudem drohen Probleme mit dem Versicherungsschutz.
Schwere Unfälle häufen sich
Wie schnell eine Fahrt mit dem E-Scooter im Krankenhaus enden kann, zeigen mehrere aktuelle Fälle aus der Region.
In Stade wurde eine 46-jährige Frau schwer verletzt neben ihrem umgestürzten E-Scooter in einem Gebüsch gefunden. Ein aufmerksamer Autofahrer entdeckte die Verunglückte und alarmierte sofort die Rettungskräfte.
In Fleestedt erlitt ein 22-jähriger E-Scooter-Fahrer nach einer Kollision mit einem Auto schwere Verletzungen. In Neu Wulmstorf wurde ein 14-Jähriger nach einem Frontalzusammenstoß mit einer Sattelzugmaschine mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen.
In Stade kollidierten zwei Jugendliche auf einem E-Scooter mit einem Auto. Beide wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Das Fahren zu zweit auf einem E-Scooter ist ausdrücklich verboten, wird aber immer wieder beobachtet.
Ein weiterer Unfall ereignete sich in Buxtehude. Dort wurde eine 82-jährige Frau schwer verletzt, nachdem sie von einem 14-jährigen E-Scooter-Fahrer erfasst worden war. Der Jugendliche gab später an, während der Fahrt ein Smartphone in der Hand gehalten zu haben und deshalb nicht mehr rechtzeitig bremsen zu können.
Bei einem Verkehrsunfall auf der Kirchenstraße in Buchholz am Montagmittag, 15. Juni, wurde eine 19-jährige E-Scooter-Fahrerin schwer verletzt.
Hinzu kommen Fälle von Alkohol am Lenker. Erst kürzlich stoppte die Polizei in Stade einen Mann auf einem E-Scooter. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von mehr als 1,5 Promille.
Polizei warnt vor rücksichtslosem Verhalten
Nach Angaben der Polizei sind die häufigsten Ursachen für E-Scooter-Unfälle nicht angepasste Geschwindigkeit sowie die verbotswidrige Nutzung von Verkehrsflächen.
Besonders häufig registrieren die Beamten außerdem das Fahren auf Gehwegen, die Nutzung der falschen Straßenseite, Verstöße gegen die Versicherungspflicht und das Fahren mit zwei Personen auf einem Roller.
Bohmbach sieht ein grundsätzlich erhöhtes Risiko: „Es besteht ein erhöhtes Konflikt- und Unfallpotenzial durch die Roller, da diese oft rücksichtslos geführt werden. Im Falle eines Zusammenpralls mit einem Auto stehen die Chancen für den E-Scooterfahrer eher schlecht.“
Auch im Landkreis Harburg wächst die Sorge
Ähnliche Beobachtungen macht die Polizei im Landkreis Harburg. „Verkehrsverstöße mit E-Scootern sind längst keine Ausnahme mehr. Nebeneinanderfahren auf engen Wegen, riskante Überholmanöver, Alkohol am Lenker – all das gehört mittlerweile zum Alltag in unserem Landkreis“, sagt Polizeioberkommissar Dirk Poppinga, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Harburg.
Besonders problematisch sei, dass viele Fahrer die E-Scooter eher als Spielzeug denn als Kraftfahrzeug wahrnehmen. Tatsächlich gelten jedoch klare Regeln. E-Scooter dürfen erst ab 14 Jahren gefahren werden, benötigen eine Haftpflichtversicherung und dürfen weder auf Gehwegen noch in Fußgängerzonen unterwegs sein. Auch die Nutzung eines Smartphones während der Fahrt ist verboten.
Mehr Kontrollen und Aufklärung gefordert
Angesichts der zunehmenden Zahl von Unfällen und Regelverstößen setzt die Polizei auf verstärkte Kontrollen und mehr Aufklärung. Bohmbach spricht sich zudem dafür aus, eine mögliche Helmpflicht zu prüfen und junge Fahrer stärker zu schulen.
Warum sorgen E-Scooter in den Landkreisen Stade und Harburg zunehmend für Sicherheitsprobleme?
Innerhalb weniger Tage kam es in den Landkreisen Stade und Harburg zu mehreren teils schweren E-Scooter-Unfällen. Die Polizei registriert zudem Verstöße wie Alkohol am Lenker, Handynutzung während der Fahrt, das Fahren zu zweit sowie manipulierte E-Scooter mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit.
Wie werden E-Scooter illegal schneller gemacht?
Nach Angaben eines Jugendlichen aus dem Landkreis Harburg wird häufig sogenanntes App-Tuning genutzt. Dabei wird die Software des E-Scooters verändert, um die Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km/h aufzuheben. Zusätzlich kommen Tuning-Chips oder Hardware-Umbauten zum Einsatz. Manipulierte Roller erreichen teilweise 30, 40 oder noch mehr Stundenkilometer.
Welche Folgen drohen bei einem getunten E-Scooter?
Wer einen manipulierten E-Scooter fährt, riskiert Bußgelder und rechtliche Konsequenzen. Durch die technische Veränderung kann die Betriebserlaubnis erlöschen. Zudem kann der Versicherungsschutz verloren gehen, was bei einem Unfall erhebliche finanzielle Folgen haben kann.
Welche schweren E-Scooter-Unfälle gab es zuletzt in Stade, Buxtehude, Neu Wulmstorf und Fleestedt?
Zu den jüngsten schweren Unfällen zählen eine schwer verletzte 46-Jährige in Stade, ein schwer verletzter 22-Jähriger nach einem Zusammenstoß mit einem Auto in Fleestedt, ein 14-Jähriger in Neu Wulmstorf, der nach einer Kollision mit einer Sattelzugmaschine per Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde, sowie eine 82-Jährige in Buxtehude, die von einem 14-jährigen E-Scooter-Fahrer erfasst und schwer verletzt wurde.
Welche Verkehrsverstöße mit E-Scootern beobachtet die Polizei besonders häufig?
Die Polizei nennt als häufige Verstöße das Fahren auf Gehwegen, die Nutzung der falschen Straßenseite, Alkohol am Lenker, fehlenden Versicherungsschutz, Handynutzung während der Fahrt sowie das verbotene Fahren mit zwei Personen auf einem E-Scooter. Auch nicht angepasste Geschwindigkeit zählt zu den Hauptursachen für Unfälle.
Welche Regeln gelten für E-Scooter-Fahrer in Deutschland?
E-Scooter dürfen erst ab 14 Jahren gefahren werden und benötigen eine gültige Haftpflichtversicherung. Erlaubt ist die Nutzung auf Radwegen oder Straßen, nicht jedoch auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen. Die Nutzung eines Smartphones während der Fahrt ist verboten. Zudem darf ein E-Scooter nur von einer Person gefahren werden.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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