Dachsanierung St. Petri in Buxtehude
Der Tod sitzt immer auf der Schulter

Dachdeckermeister Fabian Templin
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Mit schwindelerregendem Ausblick und traditioneller Handwerkskunst: Auf dem Dach der St.-Petri-Kirche in Buxtehude sanieren Dachdecker 600 Quadratmeter Dachfläche – mit Mörtel, Muskelkraft und viel Präzision. Ein Einblick in ein außergewöhnliches Projekt.

Es ruckelt und scheppert, doch Dachdeckermeister Fabian Templin bleibt ganz entspannt. Mit dem Lastenaufzug fahren wir, der Dachdeckermeister und ich, WOCHENBLATT-Redakteurin Nicola Dultz, 20 Meter hoch auf das Dach der St. Petri Kirche. Dort werden aktuell rund 600 Quadratmeter Dachfläche saniert. Ich hatte bei der Recherche für einen ersten Artikel im Frühjahr offenbar etwas zu viel Interesse für die historische Handwerkskunst gezeigt, mit der die Dachziegel auf dem denkmalgeschützten Gebäude angebracht werden. Denn auf dem First und dem Grat, das sind die Dachkanten, wird wie früher Mörtel zur Befestigung verwendet und das hörte sich nach einer ziemlich komplizierten Angelegenheit an. Die Ziegel müssen gewässert werden, damit der Mörtel haftet, wobei dieser auch die richtige Konsistenz braucht, um auf dem schrägen Dach zu halten. Zudem muss die Menge stimmen. "Wir nehmen Sie einfach mal mit hinauf", hatte Dachdeckermeister und Firmeninhaber Tobias Holst damals versprochen und Wort gehalten.

Sicherheit und Respekt vor der Höhe

Gut gelaunt chauffiert mich jetzt Dachdeckermeister Fabian Templin in luftige Höhe, bereits wissend, dass ich unter Höhenangst leide und mir die Knie ordentlich schlackern. "Hier ist alles absolut sicher", verspricht er mir. "Bisher ist hier noch jeder wieder heruntergekommen", sagt er, lässt aber lächelnd offen, in welchem Zustand sich die Leute befanden. Später wird er mir erzählen, dass die Handwerker - auch wenn sie nicht unter Höhenangst leiden, dennoch Respekt vor der Höhe haben und stets achtsam bleiben. "Ein unachtsamer Moment kann schlimme Folgen haben. Der Tod sitzt uns immer auf der Schulter", so Templin.

Historische Handwerkskunst: Arbeiten mit Mörtel

Oben angekommen bekomme ich schon auf den ersten Metern die besondere Handwerkstechnik zu sehen: Altgeselle Jens-Peter Schröder befestigt mit viel Augenmaß die Dachziegel mit Kelle und Mörtel in einer geraden Linie auf dem Grat, während Geselle Kevin Steinbach den Mörtel anmischt. Zur Verdichtung klatscht er ihn immer wieder gegen die Eimerwand, bis er nicht mehr von der Kelle rutscht. Die fertige Mischung trägt er nicht nur zu Jens-Peter Schröder, sondern klettert damit auch zu Altgeselle Frank Weigand, der 15 Meter weiter oben die Dachziegel auf dem First befestigt. Insgesamt 33 Tonnen Dachmaterial werden von den fünf bis sechs Männern, die auf der Baustelle arbeiten, mit Muskelkraft bewegt. 

"Wir kommen mal zu Dir rauf", ruft Templin Frank Weigand fröhlich zu, während mir das Herz in die Hose rutscht. Auf den Dachlatten klettere ich vorbei an Geselle Christian Gärner und Fachhelfer Jürgen Eichmann, die die Ziegel auf der Fläche mit Klammern befestigen. Wie viel Klammern verwendet werden, hängt eigentlich von der Windlastzone ab, doch auf der St. Petri-Kirche wird jeder Ziegel geklammert. "Es ist später, wenn das Gerüst weg ist, sehr aufwendig, für Reparaturen wieder aufs Dach zu kommen", erklärt Templin. Damit die Optik stimmt, werden zudem besondere Ziegel mit einer geraden Unterkante ohne Pfalz verwendet. Dadurch wird der Eindruck vermittelt, dass sich wie bei historischen Dächern unterhalb der Ziegel eine Fuge befindet. Regendicht sind die Ziegel trotzdem, das Dach ist steil genug, dass das Wasser nicht aufwärts zwischen die Ziegel laufen kann. 

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Ein Arbeitsplatz mit Aussicht

"Kommen Sie rauf, es lohnt sich", ruft mir Frank Weigand zu und streckt mir für die letzten Meter die Hand entgegen. Während er freihändig auf einer Dachlatte steht, klammere ich mich mit beiden Händen fest. Aber er hat recht: Der Ausblick ist großartig - trotz des grauen Himmels können wir bis nach Hamburg sehen: Der Hafen, das Treppenviertel in Blankenese und der Fernsehturm sind deutlich zu erkennen. "Wir haben den schönsten Arbeitsplatz", ist Frank Weigand stolz. "Allerdings bekommen wir hier normalerweise keinen Besuch."
Und wie Fabian Templin versprochen hat, komme auch ich wohlbehalten wieder auf der Erde an - in gutem Zustand, stolz, dass ich mich überwunden habe und glücklich über die tolle Erfahrung auf dem Dach der St. Petri-Kirche.

Redakteur:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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