Backstage-Boss aus Buxtehude
Nick Reinartz rockt das Hurricane-Festival
- Begutachtender Blick eines Stage Managers: Nick Reinatz in Aktion
- Foto: Adrian Schulz
- hochgeladen von Nicola Dultz
Der Regen hatte die Hauptbühne beim Hurricane-Festival in eine Rutschbahn verwandelt. Nur fünf Minuten blieben bis zum Auftritt der nächsten Band. Alle Helfer waren an anderer Stelle im Einsatz. Da griff Bühnenmanager Nick Reinartz selbst zum Abzieher und trocknete die Bühne – unter dem Jubel von 50.000 Festivalbesuchern. Ein Moment, der zeigt: Dieser Mann ist nicht nur Organisator, sondern auch Macher mit Herz.
Seit mehr als einem Jahrzehnt prägt der Buxtehuder die Veranstaltungslandschaft Norddeutschlands. Als Eventmanager des Altstadtvereins Buxtehude organisiert der gelernte Veranstaltungstechniker und Musiker Großveranstaltungen wie das Altstadtfest und Weinfest, die jährlich tausende Besucher in die Stadt locken, und ist Stage Manager beim "Müssen alle mit Festival - MAMF" in Stade. Doch auch auf den ganz großen Bühnen ist er zu Hause: Seit drei Jahren managt Reinartz eine der Hauptbühnen des legendären Wacken Open Air – und in diesem Jahr erstmals auch die Main Stage beim Hurricane Festival in Scheeßel.
Eine Bühne als Hochleistungszentrum
Was die meisten Festivalgäste nicht sehen: Hinter der Kulisse einer perfekt inszenierten Show steckt eine minutiös geplante Logistik, die einem Uhrwerk gleicht – und genau dieses Uhrwerk hält Reinartz am Laufen. Bei acht Bands am Tag muss jeder Handgriff sitzen.
Die Bühne ist eine eigene, hochkomplexe Produktion. Neben Ton- und Lichttechnik kommen große LED-Wände, Videotechnik und teilweise pyrotechnische Anlagen zum Einsatz. Das Team vor Ort arbeitet mit den bandeigenen Technikern eng zusammen, um das technische Equipment der Musiker in die vorhandene Infrastruktur zu integrieren. Dabei reisen die Bands nicht selten mit mehreren Lkw-Ladungen an Material sowie auch eigenem Personal an. Bei Top-Acts wie Green Day sind es z.B. vier vollbeladene Trucks, die nicht nur Boxen und Kabel, sondern auch Requisiten, Spezialeffekte und zum Teil ganze Kulissenelemente transportieren.
Hinter der Bühne arbeiten die Teams im sogenannten „Backstage-Korridor“. Dort herrscht emsiges Treiben: Techniker richten Instrumente her, Schlagzeuge werden auf fahrbare Plattformen – sogenannte Riser – montiert, damit sie in Minuten auf die Bühne geschoben und an der richtigen Stelle positioniert werden können. Der Wechsel von einer Band zur nächsten, das sogenannte „Change Over“, dauert im Idealfall nur 30 Minuten. Dafür müssen die Crews der jeweiligen Bands und das Veranstaltungsteam - unter der Leitung des Bühnenmangagers - wie ein präzises Uhrwerk zusammenarbeiten.
Persönliche Betreuung für internationale Stars
Hinzu kommen die individuellen Wünsche der Bands, die Reinartz koordinieren und umsetzen muss. Manche Künstler wünschen für den Kostümwechsel während des Konzerts eine Umkleide direkt an der Bühne, andere verlangen zusätzliche Dixi-Klos für den schnellen Zugang. Wieder andere benötigen für ihren Auftritt einen Bühnensteg, der ins Publikum ragt, oder für den besonderen Bühneneffekt einen riesigen Vorhang, der zu Beginn des Auftritts fällt und die Sicht auf die Band freigibt.
"Manche Wunschlisten füllen bis zu acht Seiten", sagt Reinartz. Für die Umsetzung sorgt er gerne, damit sich jeder Künstler auf das konzentrieren kann, was wirklich zählt: die Musik.
Musik und Technik - Nick Reinartz fühlt sich in beiden Welten zu Hause und verfügt darüber hinaus über jede Menge Organisationstalent. Dass er selbst Musiker ist und während seines Musikpädagogik-Studiums in Köln viele Kontakte knüpfte, hilft ihm nicht nur, sich in die Bedürfnisse der Künstler hineinzuversetzen, sondern auch dabei, hochkarätige Musiker für Auftritte bei Veranstaltungen in Buxtehude zu gewinnen.
Buxtehuder Altstadtfest, Hurricane Festival, Wacken, Open Flair Eschwege, Buxtehuder Weinfest und MAMF - vor allem in den Sommermonaten ist der dreifache Vater an fast jedem Wochenende im Einsatz. Um so dankbarer ist er seiner Frau Hannah, die ihm den Rücken freihält und sich um die Kinder kümmert. "Ohne Hannah würde das alles nicht funktionieren", sagt er.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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