Geduldsprobe Bahnfahrt
Sieben Frauen mitten im Bahnchaos am Wochenende
- Stille auf den Schienen – gesperrte Streckenabschnitte sind zwischen Stade und Hamburg keine Seltenheit
- Foto: AdobeStock/Christian Schwier
- hochgeladen von Pauline Bellmann
Bei dem Wort „Schienenersatzverkehr“ läuft es vielen Bahnreisenden kalt den Rücken herunter – besonders auf der Strecke zwischen Stade und Hamburg ist das keine Seltenheit. Nicole Rüsch und ihre sechs Freundinnen wollten einen entspannten Musicalabend in Hamburg verbringen. Doch statt Vorfreude erlebten sie Verspätungen, fehlende Informationen und überfüllte Ersatzbusse – ein typisches Beispiel für die regelmäßigen Herausforderungen auf dieser Strecke.
Strandung in Buxtehude
Los ging es für die Gruppe am Samstag in Otterndorf – mit zehn Minuten Verspätung. Was zunächst harmlos erschien, entwickelte sich schnell zum Desaster. In Buxtehude blieb der Zug plötzlich stehen – mit ihnen rund 300 weitere Fahrgäste. Eine Durchsage kündigte Schienenersatzverkehr an, doch dieser ließ auf sich warten. Die Uhr tickte, denn das Musical in Hamburg sollte um 15 Uhr beginnen.
Taxis statt Busse – auf eigene Kosten
Der versprochene Ersatzbus war weit und breit nicht zu sehen, viele Mitreisende suchten nun Alternativen. Auch die sieben Frauen griffen zur Selbsthilfe: Für 60 Euro sollte sie ein Großraumtaxi nach Neugraben bringen. „Als ‚unser‘ Taxi vorfuhr – es war bereits mehr als eine Viertelstunde vergangen – befürchteten wir, man würde uns das Taxi wegnehmen“, schildert Nicole Rüsch die angespannte Situation. Trotz allem schafften sie es ins Taxi und konnten ab Neugraben mit der Bahn weiter nach Hamburg fahren.
Auch die Rückfahrt kein Stück besser
Nach Musical, Restaurantbesuch und Karaoke ging es gegen 22 Uhr zurück – zumindest bis Neugraben. Dort blieben sie erneut stecken. „Niemand wusste wirklich Bescheid, wann und wo der Schienenersatzverkehr nach Buxtehude abfahren würde“, so Rüsch. Auch Toiletten fehlten am Bahnhof, berichtet sie, und als der Bus endlich kam, war er sofort überfüllt. Nach einer anstrengenden Fahrt erreichten sie in Buxtehude gerade rechtzeitig die letzte Bahn. Für die sieben Frauen war klar: „Diese stete Unsicherheit, ob die Bahn nun pünktlich ist oder ob sie überhaupt fährt… das kostet Nerven.“
Kein Einzelfall
Wie das WOCHENBLATT berichtete, lag dem Chaos an diesem Tag mutmaßlich ein Sabotageakt zugrunde – doch das Grundproblem bleibt: Zugausfälle und mangelnde Informationen sind auf dieser Strecke keine Ausnahme. CDU-Vorsitzende Birgit Butter fordert daher ein modernes, elektronisches Stellwerk, das für mehr Verlässlichkeit im Bahnverkehr zwischen Harburg und Stade sorgen könnte.
Für Nicole Rüsch und ihre Freundinnen steht fest: Beim nächsten Ausflug lieber nicht mit der Bahn. Damit das nicht zur Regel wird, braucht es spürbare Verbesserungen, denn wenn Bahnfahren zur ersten Wahl werden und auch Menschen ohne Alternative mobil bleiben können, braucht es vor allem eines: Verlässlichkeit.
Redakteur:Pauline Bellmann aus Buxtehude |
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