Alleingelassen in der Corona-Krise
Hilferuf aus der Tagespflege

Der Vorstand des Tagesmüttervereins Buxtehude/Landkreis Stade schlägt Alarm (v.li.): Jenifer Gerdts (1. Vorsitzende), Ariane Schult (Schriftführerin), Bettina Tank (Kassenwartin) und Silke Husmann (2. Vorsitzende)
  • Der Vorstand des Tagesmüttervereins Buxtehude/Landkreis Stade schlägt Alarm (v.li.): Jenifer Gerdts (1. Vorsitzende), Ariane Schult (Schriftführerin), Bettina Tank (Kassenwartin) und Silke Husmann (2. Vorsitzende)
  • Foto: Alexander Schult
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tk. Stade. Jetzt melden sich auch die Tagesmütter und -väter und klagen, dass sie die Politik in Zeiten der Pandemie alleine lässt. "Wir Tagespflegepersonen müssen von der Politik wahrgenommen und ernst genommen werden", fordert der Vorstand des Tagesmüttervereins Buxtehude/Landkreis Stade. Nach dem Brandbrief der evangelischen Kita-Leitungen im Kreis Stade ist das binnen weniger Tage der zweite Hilferuf. Klartext von den Tageseltern: Wenn sich die Rahmenbedingungen in Zeiten der Pandemie nicht verändern, werden viele Tagespflegepersonen aufhören, befürchten Jenifer Gerdts, Silke Husmann, Ariane Schult und Bettina Tank vom Vorstand des Vereins. Und: Die Jugendämter in Stade und Buxtehude nehmen sie ausdrücklich von der Kritik aus. Es sei die Landespolitik, die die Tagespflege im Regen stehen lasse.

Der Verein der Tagespflegepersonen zählt harte Fakten auf: Bis zu fünf Kinder werden pro Stelle betreut. Durch Platzsharing zeitversetzt auch mehr. Schon dadurch entstehen viele Fremdkontakte. Hinzu kommt: Die eigenen Kinder sind häufig im Homeschooling, Partner im Homeoffice. "Da sind schnell bis zu zehn Personen im Haus", sagt der Vorstand. Ausweichmöglichkeiten gebe es in der Tagespflege nicht. Private Kontakte im selben Haus wären mit dieser Personenzahl ein grober Verstoß gegen die Lockdownregeln.

Viele Kinder sind noch nicht einmal drei Jahre alt. Stoßlüften alle 30 Minuten funktioniere bei diesen Krabbelkindern nicht. Werden Kinder nach Krankheitssymp-tomen wieder gesundgeschrieben, muss die Tagespflegestelle sie nehmen - oder auf Verdienst verzichten. Tagespflegepersonen werden zudem nicht auf COVID-19 getestet. 

Wenn sich Tagesmütter oder -väter mit Corona infizieren und länger ausfallen, endet nach 14 Tagen die Zahlung vom Jugendamt. Gefahr hier: Bei Corona oder auch anderen Infektionen arbeiten diese Menschen schneller wieder, als es für ihre Gesundheit gut sei. Alles, was der Hygiene und Desinfektion dient - auch Masken -, müsse selbst gezahlt werden. Die Kitas seien auf diesem Gebiet deutlich besser gestellt.
"Nicht nur Eltern im Homeoffice kommen an ihre Belastungsgrenzen", sagt der Vorstand des Tageselternvereins. "In der Kindertagespflege gibt es keine Notbetreuung", kritisieren die Vorstandsmitglieder. Sie fügen hinzu: "Wir werden von der Politik vergessen, obwohl wir einen wichtigen Beitrag in der Kinderbetreuung leisten."

Buxtehude bezahlt Corona-Tests

(tk). Die Stadt Buxtehude hat aktuell beschlossen, dass alle Mitarbeiter in Kitas, auch die der freien Träger, einmal in der Woche einen Corona-Test machen können. Die Kosten dafür übernimmt die Stadt. Wenn das Land irgendwann zur Kostenübernahme bereit sei, würde sich die Hansestadt natürlich über eine Erstattung freuen, so die Fachbereichsleiterin für Jugend und Familie, Andrea Lange-Reichardt.
Das Personal in den Kitas bekommt zudem medizinische Masken gestellt. Für Elterngespräche etwa OP-Masken und bei jedweden Terminen außerhalb oder Kontakt mit Dritten FFP2-Masken. Von Eltern, die Kinder abholen oder bringen und die Kitas dabei betreten, erwarten die Einrichtungen, dass medizinische Masken getragen werden. Das sei ein dringender Appell, der über das hinausgehe, was das Land vorschreibe. Doch aktuelle Studien, unter anderem der AOK, würden nahelegen, dass der Schutz vor einer COVID-19-Infektion in Krippe und Kita unbedingt verbessert werden müsse, so Lange-Reichardt. Buxtehude bezahlt Corona-Tests

Kita-Öffnung: Wieso redet niemand über das Personal?
Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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