Pflegeeinrichtungen
Impfpflicht im Gesundheitswesen: Große Abwanderungswelle droht wohl nicht

(ts). Am 15. März tritt die sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht in Kraft. Damit müssen sich unter anderem Pflegekräfte, Krankenschwestern,  Ärzte, aber auch Hausmeister, Putzkräfte oder Fußpfleger in Altenheimen und Krankenhäusern gegen Corona impfen lassen. Offenbar ist die Impfquote hoch, doch einzelne Fachkräfte wollen keine Impfung - das geht zumindest aus den Antworten der Träger von Pflegeeinrichtungen in den Landkreisen Harburg und Stade hervor, die das WOCHENBLATT befragt hat.

Die befürchtete große Abwanderungswelle aus den Pflegeberufen wegen der Impflicht im Gesundheitswesen wird in der Region offenbar ausbleiben. Lediglich einzelne Beschäftigte hätten in Gesprächen angekündigt, sie würden ihren Job aufgeben, sagte zum Beispiel Lars Oldach dem WOCHENBLATT. Er leitet die Seniorenresidenz Buxtehude mit 130 Beschäftigten. Trägerin ist die K&S Gruppe, die 73 Pflege-Standorte in Deutschland betreibt. Das Unternehmen habe immer nach der Leitlinie gehandelt, dass möglichst alle Beschäftigten geimpft sein sollen. Jeder einzelne, der aufhöre, falle ins Gewicht. "Wir haben ja eh' schon einen Fachkräftemangel", sagt Lars Oldach.

Zwei von 25 Pflegefachkräften werden das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Landkreis Harburg wegen der Impfpflicht im Gesundheitswesen verlassen, sagte DRK-Geschäftsführer Roger Grewe. Sie hätten sich nicht überzeugen lassen. "Jeder fehlt, den wir verlieren", bedauert er das.

Voraussichtlich ein Prozent der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Altenpflege Landkreis Stade gGmbH werde nach jetzigem Sachstand ein Betretungsverbot zu den Einrichtungen durch das Gesundheitsamt bekommen, erwartet die Geschäftsführerin Dr. Bettina Müller. Sie sei nach wie vor auch mit diesen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Austausch, um sie von der Notwendigkeit einer Impfung zu überzeugen. Der überwiegende Teil der Beschäftigten aller Arbeitsbereiche sei geimpft und größtenteils auch geboostert. Ein sehr geringer Teil sei noch nicht oder nicht vollständig geimpft, würden es aber bis zum 15. März sein.

Eine Mitarbeiterin habe bisher wegen der Impfpflicht im Gesundheitswesen beim Herbergsverein zu Tostedt gekündigt, sagt Geschäftsführer Helge Johannsen. Der Trägerverein hat 180 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. "Einige Beschäftigte haben vor Kurzem entschieden, sich doch impfen zu lassen", berichtet Johannsen. Ob das im Zusammenhang mit der einrichtungsbezogenen Impflicht sei, wisse er nicht. Verlieren möchte der Herbergsverein keinen einzigen Beschäftigten - zu sehr werde jeder benötigt. Auch Fachkräfte in der Haustechnik oder Putzkräfte seien auf dem Markt kaum noch zu finden. Helge Johannsen hält es für möglich, dass das Gesundheitsamt im Landkreis Harburg den Trägern einen "Bestandschutz" für bereits beschäftigte Pflegefachkräfte gewährt - auch wenn sie nicht geimpft sind. "Nur bei Neueinstellungen wird der Impfnachweis sicher die Voraussetzung sein."

Was geschieht ab Mitte März mit den Beschäftigten, die sich weigern, gegen COVID-19 impfen zu lassen? Die jeweiligen Kreisverwaltungen werden die betroffenen Beschäftigten zu Gesprächen einladen. Sollten sie ihre Meinung nicht ändern, werde die Gesundheitsämter ein Betretungsverbot für den Arbeitsplatz aussprechen, erklärt Roger Grewe das rechtliche Prozedere. Die Impfverweigerer blieben zwar angestellt. Weil sie aber ihre Arbeitsleistung nicht erbringen können, hätten sie keinen Anspruch auf ein Entgelt.

Soweit die Theorie. In der Praxis dürfte die Umsetzung der Impflicht im Gesundheitswesen Probleme bereiten. Für Aufsehen hat in dieser Woche der Landkreis Vorpommern-Greifswald mit seiner Erklärung gesorgt, er könne die Impfpflicht für Mitarbeiter von Pflegeheimen und Krankenhäusern nicht durchsetzen. Begründung: Das Gesundheitsamt und die Kreisverwaltung seien bereits seit zwei Jahren ausgelastet mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die Caritas-Altenhilfe hat die Aussetzung der vom Bundestag beschlossen Impfpflicht für das Pflegepersonal gefordert. 

Ungeimpfte hoffen auf private Arbeitsgeber
Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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