Verkehrsversuch Bahnhofstraße Buxtehude
Von toll bis Blödsinn - Anwohner haben unterschiedliche Meinungen
- hochgeladen von Saskia Corleis
Seit Anfang August ist der Verkehrsversuch in der Buxtehuder Bahnhofstraße gestartet. Für ein Jahr lang wird der Verkehr durch die viel befahrende Straße nun als Einbahnstraße für Autos in Richtung der Altstadt fließen. Bei einem Infotag entlang der Straße mit verschiedenen Ständen konnten sich Bürgerinnen und Bürger über die Änderungen des Versuchs informieren - und ihre Meinung dazu abgeben.
Für die Verkehrsteilnehmer hat sich einiges in der Bahnhofstraße geändert. Vier Maßnahmen für eine neue Verkehrsführung sollen für mehr Sicherheit und ein besseres Miteinander in der hoch frequentierten Straße sorgen. Die erste Maßnahme ist eine klare Trennung auf den Wegen: Fußwege bleiben für die Fußgängerinnen und Fußgänger vorbehalten. Radfahrer und E-Scooter fahren auf der Fahrbahn. Eine weitere Maßnahme ist die Einführung von Tempo 20. Als nächstes wurde ein Sicherheitsabstand eingeführt. Es gibt einen Schutzstreifen zu den parkenden Autos. Die vierte Maßnahme ist die vermehrte Kontrolle der Straße und Evaluation des Verkehrsversuchs.
Neue Sitzinseln sollen die Bahnhofstraße attraktiver machen
Bei dem Infotag präsentierte auch die Bürgerinitiative "Buxtehude im Wandel" Neuerungen für die Bahnhofstraße. Drei neue Sitzinseln, die von Studenten der Hochschule21 entworfen wurden und gemeinsam mit Initiative und der Stadt Buxtehude entstehen, werden in der Straße aufgebaut. Jeweils an dem Ende und Anfang der Bahnhofstraße sowie direkt in der Mitte wird es bald Sitzgelegenheiten geben und die Menschen zum Verweilen einladen. Die Straße mit der geänderten Verkehrsführung sei noch in ihrer Eingewöhnungsphase, sagte Sandra Baron-Suhr von "Buxtehude im Wandel". Es gebe viele Neuerungen für die Menschen und Verkehrsteilnehmer und viele neue Linien und Piktogramme. Alle müssen sich den Änderungen erst einmal anpassen und Rücksicht aufeinander nehmen.
Die neue Verkehrsführung sei der größte Blödsinn und eine Geldverschwendung, findet Manfred Oldehaver. Der Buxtehuder geht schon seit 40 Jahren die Bahnhofstraße entlang und findet, dass die Neuerungen nichts bringen. Wenn alle einfach mehr Rücksicht aufeinander nehmen würden, dann gäbe es kein Problem in der Straße. Besonders kritisiert er die E-Scooter-Fahrer sowie die Ampelphasen an den Kreuzungen zur Bahnhofstraße.
E-Scooter bleiben ein Problem in der Bahnhofstraße
Zudem umfahren viele Fahrradfahrer die Rotphasen der Ampeln, fügte seine Frau, Susanne Oldehaver, hinzu. Zudem findet sie, dass der Verkehrsversuch zu viel Geld gekostet habe. Viele neue Schilder, Linien, Piktogramme, Verkehrsinseln und Sitzgelegenheiten sowie die Unterhaltung und die Pflege der Neuerungen seien mehr als nur ein Versuch.
Dass die vielen E-Scooter, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten, ein Problem darstellen, findet auch Bernd Hanke von "Buxtehude im Wandel". Mehr Kontrollen und Ansprachen über die Verkehrssicherheit seien wichtig, da es immer wieder ein Thema ist und es auch zu Unfällen kommt.
"Ich finde es super", sagte Bente Rosebrock, Grünen-Ratsmitglied in Buxtehude. Die Neuerungen seien ein Versuch, der auch noch nicht so lange laufe. Kleinigkeiten werden im Laufe des Verkehrsversuchs nachverbessert. Das Tempo 20 sei angenehm und trage zu einem stressfreien Fahren auf der Straße bei. Auch gebe es mehr Platz um zu überholen.
"Als Fahrradfahrerin finde ich die Neuregelung super", so eine Anwohnerin. Das Fahren auf der Bahnhofstraße sei für Radfahrer deutlicher entspannter geworden.
"Für Fahrradfahrer und für Fußgänger ist es ideal", sagte auch Klaus Schramm. Er sei mit seinem Fahrrad oft auf der Bahnhofstraße unterwegs. Allerdings erfordere die neue Verkehrsführung mehr Disziplin von den Radfahrern. Nachgebessert werden müsse jedoch beim Autoverkehr. Besonders die Ampelphasen und der Kreuzungsbereich zur Altstadt hin müsse verbessert und neue Regelungen gefunden werden.
Wichtig sei eine gegenseitige Rücksichtnahme, findet Grünen-Ratsherr Ulrich Felgentreu. Die Verkehrsteilnehmer sollten sich mehr in andere hineinversetzen, besonders auch die Auto- und Radfahrer, die sich eine Straße teilen. Einen positiven Effekt habe die entschleunigte Straße bereits gebracht: Unter der Woche gebe es weniger Autoposer, die lautstark vorher durch die Bahnhofstraße gerast sind.
"Ich kam gut vorher zurecht und jetzt komme ich noch besser zurecht", sagte eine Buxtehuderin zur neuen Regelung in der Bahnhofstraße. Für Fußgänger habe sich die Situation zum Positiven entwickelt, doch auch sie kritisiert die Fahrweise der E-Scootern sowie die Situation an der Kreuzung zur Altstadt. Dort haben Rad- und Autofahrer haben zur gleichen Zeit Grün. Weil jedoch vieler der Fahrradfahrer auf ihrer rechten Fahrspur geradeaus zur Altstadt fahren, während die Autos nach rechts abbiegen. Dadurch entstehen gefährliche Situationen, besonders wenn die Radfahrer in den toten Winkel der Autos, Busse und Transporter kommen. Diese Grünphase müsse verbessert werden.
Geschäftsleute kritisieren Umwege, Staus und weniger Kundschaft
Gerd Behrmann hat sein Handwerksgeschäft "Behrmann Sanitär" direkt an der Bahnhofstraße. Durch die Einbahnstraßenregelung für Autofahrer werde den Geschäftsleuten und Handwerkern Umwege aufgezwungen, wodurch sich auch die Benzinkosten erhöhen, bemängelt Behrmann. Auch berichteten einige seiner Geschäftsnachbarn von weniger Kunden seit der geänderten Verkehrsführung. Durch Verengungen der Straße sei es zudem schwerer geworden für größere Transporter zu wenden, die die Geschäfte beliefern.
Dadurch, dass es nur noch eine Abbiegespur in der Bahnhofstraße gibt, komme es nun sehr schnell zu einer Staubildung. Manchmal dauere es bis zu drei Ampelphasen bis er über die Kreuzung käme. Die Bahnhofstraße ist und bleibt eine Hauptstraße, die schnell und gut den Verkehr abfließen lassen sollte. "Es ist ein Irrsinn mit dem Verkehr", sagte er.
Weil viele Autofahrer auf die umliegenden Straßen ausweichen, werde der Verkehr in den Wohngebieten und in Richtung Halepagen-Schule höher - und gefährlicher für Radfahrer und Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg.
Die neuen Regelungen halte er für einen Laborversuch, der am Laptop geplant worden ist und nicht vor Ort mit den Anwohnern. Die Bahnhofstraße könnte auch anders attraktiver gestaltet werden, zum Beispiel durch mehr Blumen und Bäume, anstatt die neuen Sitzmöglichkeiten. Er hätte sich ein besseres Mitspracherecht gewünscht für die Anlieger gewünscht. "Wir wurden gar nicht richtig eingeladen", sagte Behrmann.
So geht es weiter mit dem Verkehrsversuch
Im September soll es weitere Verkehrszählungen in der Bahnhofstraße und umliegenden Straßen geben. Im Oktober und im Frühling 2027 werden die neuen Zwischenstände der Online-Befragung der Öffentlichkeit präsentiert. Im Juni 2027 gibt es eine politische Beratung zur zukünftigen Verkehrsführung der Bahnhofstraße und im August 2027 endet dann der Versuch. Im September nächsten Jahres werden die Ergebnisse ausgewertet und vorgestellt.
Redakteur:Saskia Corleis |
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