Gefahr im Futtertrog
Die häufigsten Fütterungsfehler, die bei Pferden Koliken auslösen
Die Diagnose „Kolik“ ist der Albtraum eines jeden Pferdebesitzers. Sie beschreibt keine spezifische Krankheit, sondern einen Sammelbegriff für schmerzhafte Zustände im Bauchraum, die von leichten Krämpfen bis zu lebensbedrohlichen Darmverschlingungen reichen können. Der Verdauungstrakt des Pferdes ist ein hochkomplexes und sensibles System, das auf eine sehr spezifische Ernährungsweise ausgelegt ist. Viele Kolikfälle sind leider menschengemacht und auf vermeidbare Fehler in der Fütterung und Haltung zurückzuführen. Ein tiefes Verständnis der Bedürfnisse des Pferdes ist daher nicht nur wünschenswert, sondern essenziell für seine Gesundheit. Das Wissen um das Thema Koliken vermeiden: Fütterungsfehler, die bei Pferden am häufigsten passieren, ist für verantwortungsbewusste Halter von unschätzbarem Wert und kann Tierleid aktiv verhindern.
Zu wenig Raufutter – Die verkannte Grundlage der Pferdeernährung
Das Fundament einer gesunden Pferdeernährung ist und bleibt hochwertiges Raufutter wie Heu oder Heulage. Der Verdauungsapparat des Pferdes ist darauf ausgelegt, über viele Stunden des Tages kleine Mengen faserreicher Nahrung zu verarbeiten. Kaut das Pferd Raufutter, produziert es Speichel, der wiederum wichtige Bikarbonate zur Pufferung der Magensäure enthält. Ein Mangel an Raufutter führt nicht nur zu einer Übersäuerung des Magens und damit zu einem erhöhten Risiko für Magengeschwüre, sondern stört auch die gesamte Darmflora. Viele Pferdebesitzer meinen es gut und fokussieren auf bestes Futter für Pferde, vergessen dabei aber, dass Kraftfutter immer nur eine Ergänzung sein darf. Eine Faustregel besagt, dass ein Pferd täglich mindestens 1,5 bis 2 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht erhalten sollte. Eine ständige Verfügbarkeit von Raufutter ist die artgerechteste und sicherste Fütterungsmethode.
Das "Heu-zuerst-Prinzip" ist nicht verhandelbar
"Viele Verdauungsprobleme beginnen dort, wo die Fütterung vom natürlichen Fressverhalten des Pferdes abweicht. Die wichtigste Regel lautet: Raufutter muss immer die Basis bilden und stets vor dem Kraftfutter gegeben werden. Wer dies ignoriert, riskiert die Gesundheit seines Tieres.".
Plötzliche Futterumstellungen – Ein Schock für den Verdauungstrakt
Der Darm des Pferdes beherbergt ein fein ausbalanciertes Ökosystem aus Milliarden von Mikroorganismen. Diese spezialisierten Bakterien sind für die Aufspaltung der Nahrungsfasern unerlässlich. Jede Futterart fördert dabei eine spezifische Zusammensetzung dieser Darmflora. Eine abrupte Futterumstellung, sei es der Wechsel auf eine neue Heucharge, die Einführung eines neuen Kraftfutters oder das Anweiden im Frühling, bringt dieses empfindliche Gleichgewicht durcheinander. Die Bakterienkulturen können sich nicht schnell genug anpassen, was zu massiven Fehlgärungen, Gasbildung und der Freisetzung von Giftstoffen führen kann – klassische Auslöser für schwere Koliken. Eine Futterumstellung muss daher immer schrittweise erfolgen. Planen Sie dafür einen Zeitraum von mindestens zehn bis vierzehn Tagen ein, in dem Sie das neue Futter langsam in steigender Menge unter das gewohnte mischen. So geben Sie der Darmflora die nötige Zeit, sich auf die neue Nahrung einzustellen und gesund zu bleiben.
Falsches Kraftfuttermanagement: Zu viel, zu schnell, zur falschen Zeit
Kraftfutter liefert konzentrierte Energie, doch sein Einsatz birgt erhebliche Risiken, wenn es nicht korrekt gehandhabt wird. Ein häufiger Fehler ist die Gabe von zu großen Portionen auf einmal. Der Pferdemagen ist im Verhältnis zur Körpergröße sehr klein und kann nur begrenzte Mengen Kraftfutter verarbeiten. Große Mahlzeiten passieren den Magen zu schnell und gelangen unverdaut in den Dünndarm und schließlich in den Dickdarm. Dort führt die unaufgeschlossene Stärke zu einer massiven Vermehrung falscher Bakterien, was den pH-Wert im Darm absinken lässt und zu schweren Verdauungsstörungen bis hin zur Hufrehe führen kann. Um das Thema Koliken vermeiden: Fütterungsfehler, die bei Pferden am häufigsten passieren ernst zu nehmen, muss das Kraftfuttermanagement optimiert werden.
Die wichtigsten Regeln für die Kraftfuttergabe lauten:
- Kleine Portionen: Verteilen Sie die Tagesration Kraftfutter auf mindestens drei, besser noch mehr kleine Mahlzeiten. Pro Mahlzeit sollten nicht mehr als 0,3 kg Kraftfutter pro 100 kg Körpergewicht gefüttert werden.
- Raufutter zuerst: Geben Sie Heu immer mindestens 20 bis 30 Minuten vor dem Kraftfutter. Das regt die Speichelproduktion an und bereitet den Magen-Darm-Trakt auf die nachfolgende Nahrung vor.
- Bedarfsgerecht füttern: Passen Sie die Menge und Art des Kraftfutters exakt an den Energiebedarf Ihres Pferdes an. Ein Freizeitpferd benötigt eine andere Ration als ein Hochleistungssportler.
Mangelnde Wasserversorgung und schlechte Futterhygiene
Wasser ist der wichtigste Nährstoff überhaupt und für eine funktionierende Verdauung unerlässlich. Dehydration ist eine der häufigsten Ursachen für Impaktionskoliken, bei denen der Darminhalt verklumpt und zu einer Verstopfung führt. Ein Pferd benötigt je nach Witterung und Arbeitsleistung zwischen 30 und 60 Litern Wasser pro Tag. Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd jederzeit Zugang zu frischem, sauberem Wasser hat. Kontrollieren Sie Selbsttränken täglich auf ihre Funktion und Sauberkeit. Ebenso wichtig ist die Hygiene des Futters selbst. Schimmeliges oder staubiges Heu sowie verunreinigtes Kraftfutter enthalten Toxine und Mikroorganismen, die die Darmflora schädigen und schwere Koliken auslösen können. Führen Sie vor jeder Fütterung eine Sinnesprüfung durch: Riecht das Heu frisch und aromatisch? Ist das Kraftfutter frei von Verunreinigungen und Fremdkörpern? Futtertröge und Wasserbottiche müssen regelmäßig und gründlich gereinigt werden, um die Bildung von Bakterien zu verhindern.
Stress und unregelmäßige Fütterungszeiten als stille Auslöser
Der Verdauungstrakt des Pferdes wird stark vom vegetativen Nervensystem beeinflusst. Stress, sei es durch Transport, Turniere, Herdenunruhe oder einen Stallwechsel, versetzt den Körper in einen Alarmzustand. Dies kann die normale Darmmotorik verlangsamen oder sogar zum Erliegen bringen, was das Risiko für Krämpfe und Verstopfungen erhöht. Pferde sind zudem Gewohnheitstiere, deren innerer Rhythmus auf einen festen Tagesablauf angewiesen ist. Unregelmäßige Fütterungszeiten bringen dieses System durcheinander und können zu Stress und Verdauungsproblemen führen. Eine feste Routine mit gleichbleibenden Fütterungszeiten hilft dem Pferd, sich sicher zu fühlen und seinen Verdauungstrakt optimal auf die Nahrungsaufnahme vorzubereiten. Sorgen Sie für eine ruhige Atmosphäre während der Fütterung, in der das Pferd sein Futter ohne Hektik und Futterneid aufnehmen kann. Eine pferdegerechte Haltung, die Stress minimiert, ist ein oft unterschätzter, aber entscheidender Faktor zur Vermeidung von Koliken.
| Aspekt | Stressfördernde Routine (Risiko) |
Darmfreundliche Routine (Prävention) |
|---|---|---|
| Fütterungszeiten | Unregelmäßig, stark variierend | Täglich zur gleichen Zeit (max. 1 Std. Abweichung) |
| Raufuttergabe | Nur 2-3 große Portionen pro Tag | Ständiger Zugang oder max. 4 Stunden Fresspause |
| Kraftfuttergabe | Eine große Portion nach der Arbeit | Mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt |
| Wasserzugang | Zeitweise eingeschränkt, schmutzige Tränken | Ständiger Zugang zu frischem, sauberem Wasser |
| Herdenmanagement | Häufige Wechsel, Unruhe in der Gruppe | Stabile, harmonische Herdenstruktur |
| Bewegung | Stehtage wechseln mit intensivem Training | Tägliche, gleichmäßige Bewegung |
Redakteur:Online Redaktion aus Buxtehude |
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