WOCHENBLATT-Redakteurin Anke Settekorn verfolgt den Weg eines Gelben Sacks
Wo landet unser Müll?

Sie sind ein super Team: Die Müllwerker Pascal Kapahnke (re.) und Torsten Wülcknitz sammeln die Gelben Säcke in Neu Wulmstorf ein
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  • Sie sind ein super Team: Die Müllwerker Pascal Kapahnke (re.) und Torsten Wülcknitz sammeln die Gelben Säcke in Neu Wulmstorf ein
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(as). Während andere sich im Bett noch mal umdrehen, sind sie schon im Einsatz: Die Müllwerker Torsten Wülcknitz und Pascal Kapahnke holen die Gelben Säcke im Landkreis Harburg ab. 9.500 Tonnen: So viele Gelbe Säcke mit Verpackungsabfällen sammeln die Müllwerker pro Jahr im Landkreis Harburg ein, das sind etwa 37,5 Kilo pro Landkreisbewohner. Tetrapacks, Wurst- und Käsepackungen, Joghurtbecher und Dosen landen in den Gelben Säcken. WOCHENBLATT-Redakteurin Anke Settekorn durfte die Müllwerker auf ihrer Tour nach Neu Wulmstorf begleiten.

Morgens, 6 Uhr in Trelde: Im Gewerbegebiet ist noch alles dunkel. Aber auf einem Hof herrscht reges Treiben: Fünf Müllwagen erleuchten mit ihren Scheinwerfern den Platz. Der Dienst wird von der Willi Damm GmbH aus Grambeck betrieben. Ihre in leuchtendes Orange gekleideten Mitarbeiter laufen um die Wagen, schauen, ob alles funktioniert. Mit zweien von ihnen, Torsten Wülcknitz und Pascal Kapahnke, darf ich heute mitfahren. Zuerst muss ich allerdings noch eine Warnweste anziehen. Ist das wirklich notwendig? "Wir haben zwar an unserem Müllwagen rundherum Leuchten - die Autofahrer übersehen einen aber trotzdem schnell", sagt der Fahrer Torsten Wülcknitz. "Die Leute haben keine Geduld mehr, was Müllmänner angeht. Sie wollen nicht warten, fangen an zu hupen oder fahren trotzdem vorbei und zeigen einem den Mittelfinger", berichtet sein Kollege Pascal Kapahnke. Die beiden nehmen es mittlerweile mit Humor. Doch auch auf unserer Tour kommt es zu einer brenzligen Situation, weil ein Autofahrer nicht warten kann, bis die Müllwerker von der Straße sind.

Pascal Kapahnke macht den Job seit drei Jahren, Vorarbeiter Torsten Wülcknitz ist seit acht Jahren dabei. Die Fahrer haben zwar feste Strecken, aber ihre Touren wechseln täglich. Von Trelde aus wird jede Straße im Landkreis, von Tespe bis Königsmoor und Neu Wulmstorf, einmal im Monat angefahren.

In Neu Wulmstorf angekommen, geht es für Pascal Kapahnke raus aus der gemütlichen Fahrerkabine. Als "Schmeißer" sammelt er die Gelben Säcke ein und wirft sie in die Presse. Dort werden die Säcke zusammengepresst. Rund sechseinhalb Tonnen kann ein Müllwagen fassen, dann muss er zum Abladen zurück nach Trelde. Mit sechs Beuteln pro Hand arbeitet Pascal Kapahnke auch große Berge schnell ab. Sind es zu viele Säcke, oder stehen schwere Gelbe Tonnen am Straßenrand, packt der Fahrer mit an. "Am liebsten sind mir die Gelben Säcke. Die gehen am schnellsten", sagt Kapahnke. Die schweren Gelben Tonnen müssen erst zum Wagen gerollt und hinten an der Presse eingehängt werden, das dauert. Zudem sind im Landkreis verschiedene Tonnen im Einsatz, für die die Containeraufnahme immer wieder umgebaut werden muss. Kapahnke steigt nicht wieder ins Auto ein, sondern fährt auf einer kleinen Plattform neben der Presse stehend mit - bei Wind und Wetter. Zum Glück ist es heute trocken. "Es würde zu lange dauern, wenn ich immer ein- und aussteigen würde", erklärt er. "Wenn es schüttet wie aus Eimern, machen wir eben eine kurze Pause, und ich kann mich im Wagen aufwärmen." Torsten Wülcknitz fährt so nah, wie es geht, an die Gelben Säcke heran, um seinem Kollegen die Arbeit zu erleichtern. Über eine Kamera sieht er, was hinten bei der Presse geschieht.

Allerdings wird nicht jeder Gelbe Sack mitgenommen, nicht jede Tonne geleert. Fast überall, wo Gelbe Säcke und Tonnen am Straßenrand stehen, sind ein paar dabei, die nicht korrekt befüllt wurden. "Den Gelben Sack gibt es doch schon ewig, man sollte meinen, die Leute wissen mittlerweile, was hineingehört und was nicht", sagt Torsten Wülcknitz. Auch auf unserer Tour sind bei fast jedem Halt Gelbe Säcke dabei, in denen Renovierungsreste, Planschbecken oder Schläuche entsorgt wurden. Auch jede Tonne wird kontrolliert. "Alles was aus Plastik ist, haben wir schon mal gefunden. Ein großes Problem sind die Gelben Tonnen. Die sind anonymer, die Leute schmeißen dort wirklich alles rein. Und tatsächlich: Grillkohle, Stühle, Rollschuhe, Farbrollen, Medikamente, Teppichreste, alte Brötchen - alles wird in die Gelbe Tonne geschmissen. "Das Recycling ist ja auch deshalb so teuer, weil diese vielen Fremdstoffe extra getrennt und entsorgt werden müssen", sagt Wülcknitz. Ein Graus seien volle Babywindeln. "Wenn die bei uns im Wagen gepresst werden, haben wir eine halbe Stunde was davon. Und wir haben es noch gut, mir tun die Kollegen leid, die die Windeln nachher aussortieren müssen." 

Säcke und Tonnen, die falsch befüllt wurden, erhalten von den Müllwerkern einen leuchtend roten Aufkleber "Ich durfte nicht mit", der auf die Fehlbefüllung hinweist, und werden stehen gelassen. Heute haben die beiden viel zu kleben - das hält auf. Nach etwa fünf Stunden ist der Müllwagen voll, dann geht es zum Abkippen nach Trelde, bevor die Tour in Neu Wulmstorf fortgesetzt wird.

Mit dem Müllwagen geht es durch enge Wohngebiete. In einige Straßen kann Wülcknitz nur rückwärts hineinfahren. Dabei wird er von Pascal Kapahnke eingewiesen. Eine Stelle ist sogar so schmal, dass der Seitenspiegel komplett in der Hecke verschwindet, während der Reifen auf der gegenüberliegenden Seite um Haaresbreite an einem Pflanzkübel vorbeischrammt.
Die Route ist genau geplant - Feierabend ist erst, wenn die Tour beendet ist. "Wichtig ist immer: Abends muss alles weg sein", sagen die beiden.

Die Gelben Säcke aus dem Landkreis Harburg werden größtenteils in eine Sortieranlage nach Hamburg gebracht. Wie es dort weiter geht, lesen Sie hier: "Recyceln beginnt bei uns zuhause"

Das gehört in den Gelben Sack:

Der Gelbe Sack ist für sogenannte Leichtverpackungen, Verkaufsverpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundmaterialien gedacht:
Metalle: Konserven, Getränkedosen, Verschlüsse, Alu-Schalen, Alu-Deckel, Alu-Folien
Kunststoffe: Tragetaschen, Beutel, Einwickelfolien, Flaschen von Spül-, Wasch- und Körperpflegemitteln, Becher von Milchprodukten, Magarine etc.
Verbundstoffe: Getränke- und Milchkartons, Vakuumverpackungen
Schaumstoffe: Obst und Gemüseschalen sowie andere geschäumte Verpackungen.
Plastikprodukte wie z.B. Zahnbürsten oder Einwegrasierer gehören ebensowenig in den Gelben Sack wie Windeln. Und auch Essensreste haben dort nichts zu suchen.
Erleichtert wird den Müllwerkern die Arbeit, wenn die Säcke nicht bis zum Bersten gefüllt sind, ordentlich zugebunden werden und zu mehreren auf einem Haufen lagern.

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