WOCHENBLATT-Redakteurin Anke Settekorn verfolgt den Weg eines Gelben Sacks
"Recyceln beginnt bei uns zuhause"

Ein Radlader bringt die Gelben Säcke aufs Förderband Fotos: Veolia
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Aus der Abteilung "Wissen"

Veolia betreibt in Hamburg die größte Sortieranlage Norddeutschlands / Auch Müll aus dem Landkreis Harburg wird hier nach Stoffen getrennt

(as). "Müll trennen lohnt sich nicht, es wird doch eh alles verbrannt oder landet im Ausland" - der Gelbe Sack hat kein gutes Image. Zumindest für den Abfall aus dem Landkreis Harburg kann Nadine Schaer, Pressesprecherin von Veolia, dieses Vorurteil entkräften. "Alles, was bei uns ankommt, wird recycelt oder verwertet", betont Schaer. Das Unternehmen ist u.a. spezialisiert auf die Wiederverwertung von Stoffen in der Kreislaufwirtschaft. Am Standort in Hamburg befindet sich die größte Sortieranlage in Norddeutschland. Hier werden etwa 90.000 Tonnen Leichtverpackungen pro Jahr sortiert, das entspricht dem Abfallaufkommen von 3,3 Millionen Einwohnern. Der Müll stammt aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. In Gelben Säcken werden sogenannte Leichtverpackungen, u.a. PET-Flaschen, Getränkekartons, PE-Folien, Aluminium und Weißblech, Kartonagen und weitere Plastikabfälle, bei Veolia angeliefert. Die Anlage wird an fünf Tagen pro Woche, von Montag bis Samstag, rund um die Uhr betrieben. Der Sortierprozess verläuft weitestgehend automatisch.

Lkw bringen die eingesammelten Gelben Säcke aus dem Landkreis Harburg von ihrem Zwischenlager in Trelde nach Hamburg und laden sie in der Input-Halle ab. 400 Tonnen an Plastikabfällen aus Privathaushalten fallen hier täglich an. Mit einem Radlader werden die Säcke zu ihrer ersten Station gebracht: dem Gebindeöffner. Die Maschine schneidet die Säcke auf, der Müll landet auf Förderbändern. Von dort aus geht es weiter in das rotierende Trommelsieb, wo Joghurtbecher, Weichspülerflaschen oder Kanister nach ihrer Größe sortiert und getrennt werden. Im weiteren Verlauf werden mit einem Magneten, der über dem Förderband angebracht ist, Aludeckel, Kronkorken, Konservendosen oder Laschen aussortiert. Ein Luftstrom trennt leichte und schwere Stoffe. Dann geht es an die Feinsortierung: 23 Infrarotscanner, von denen jeder auf einen Stoff, zum Beispiel Folien oder Getränkekartons, programmiert ist, filtern "ihre" Verpackungen heraus. Anhand des reflektierenden Lichts erkennt der Scanner, um welchen Stoff es sich handelt. "Schwierig wird es allerdings bei schwarzen Kunststoffverpackungen. Sie reflektieren nicht, der Scanner erkennt nicht, was für einen Stoff er vor sich hat. Auch bei physisch zusammenhängenden Stoffen, wie z.B. Plastikjoghurtbecher und Aludeckel, kann der Scanner die Stoffe nicht trennen, er erkennt nur eins von beiden", erklärt Nadine Schaer. Gleiches gilt auch für Verbundverpackungen aus Kunststoff, z.B. für Wurst oder Käse, bei denen unterschiedliche Kunststoffe für Folie und Schale verschweißt wurden. "Diese Multilayerverpackungen sind nicht sortenrein sortierbar."

Erkennt der Scanner den Stoff, wird die Verpackung mit Luftdruck vom Förderband geschossen. Zum Schluss erfolgt die Nachkontrolle. Fremdstoffe werden händisch von den Mitarbeitern der Anlage aus den Stoffströmen herausgefiltert. Z.B. Silikonkartuschen: "Zwar ist die Verpackung aus Kunststoff, aber im Inneren befinden sich noch Silikonreste, die den Stoff verunreinigen würden."

Die sortenrein voneinander getrennten Stoffe werden zu Ballen gepresst und zur Weiterverarbeitung verkauft. Was in Hamburg nicht recycelt werden kann, wird verbrannt. "Circa 50 bis 60 Prozent der gesamten Inputmenge gehen in die stoffliche Verwertung", betont Nadine Schaer. Doch es könnte noch mehr sein. "Rund 40 Prozent der Stoffe, die hier ankommen, sind Fehlwürfe, Dinge, die nicht in die Gelben Säcke gehören, wie zum Beispiel Windeln, Batterien oder Biomüll." Sie können nicht stofflich, sondern nur thermisch verwertet werden. Als Ersatzbrennstoff werden sie in Industrien mit hohem Energiebedarf, z.B. Zementindustrie, eingesetzt und ersetzen dort fossile Brennstoffe.

Die Quoten variieren aber, sie sind stark von der Qualität des Inputmaterials abhängig. Je besser sortiert wurde, desto mehr Material kann auch in die stoffliche Verwertung gehen. "Mülltrennung ist die Vorstufe vom Recycling", sagt Nadine Schaer. Die Voraussetzung für ein gelungenes Recycling sei, dass bereits beim Verbraucher die Stoffe ordentlich voneinander getrennt werden. Die richtige Sortierung zuhause könne schon viel helfen.

Kein schwarzer Kunststoff
Damit das Recycling gelingt, hat Nadine Schaer folgende Tipps: Beim Einkaufen auf die Verpackung achten: schwarze Kunststoffe und Multilayerkunststoffe vermeiden. Beim Joghurtbecher den Aludeckel vom Kunststoff trennen. Nicht mehrere Verpackungen ineinander quetschen, sondern einzeln in den Gelben Sack werfen. Und mit einem Vorurteil kann sie aufräumen: "Man muss die Behälter nicht auswaschen. Löffelrein reicht." 

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Anke Settekorn aus Jesteburg

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