Strafanzeige gestellt
Habicht in Kehdingen mit Schrotkugeln durchsiebt

Behutsam birgt Georg Ramm den verletzten Vogel
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ig. Drochtersen. „Wer schießt auf einen Habicht, der doch eigentlich geschützt werden muss?",  schimpft Georg Ramm. "Das ist eine Straftat!" Der Biologe aus Nordkehdingen ist außer sich: In einem Graben fanden Mitarbeiter des Aschhorner Euflor-Torfwerkes einen Habicht. „Fluguntauglich“, so Ramm, der den verletzten Greifvogel zur Erstversorgung in die Greifvogelstation von Uwe Hintelmann nach Hamelwörden brachte, dann zu einem Stader Tierarzt nach Stade transportierte. Dem zwei Jahre alten Weibchen konnte nicht mehr geholfen werden. Verletzungen am Fuß und an einem Flügel waren zu schwer. Am Flügel wurde schon Fäulnis festgestellt. Eine Amputation wurde verworfen. „Das Tier hätte sich nur gequält und hätte auch nicht mehr in die Natur entlassen werden können“, sagt Hobby-Ornithologe Hintelmann. Die bittere Konsequenz: Der Habicht musste eingeschläfert werden.

Schrotkugeln im ganzen Körper

Was die beiden Tierschützer empört: Das Röntgenbild ergab, dass der Vogel angeschossen wurde. Ramm: „Schrotkugeln waren im ganzen Körper vorhanden.“ Über den Landkreis, der für die Greifvogelstation zuständig ist, wurde inzwischen Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Denn einen Habicht abzuschießen, sei eine Straftat, betont Ramm. „Habichte gehören seit 1970 zu den streng geschützten Arten.“ Wer Greifvögel fängt, verletzt oder tötet, verstößt gegen zwei Gesetze: das Bundesnaturschutz- und das Tierschutzgesetz. Ein Beispiel aus Cloppenburg im Juni 2019 zeigt, wie empfindlich die Strafen ausfallen können: Dort vergiftete ein Mann mindestens neun Greifvögel vorsätzlich. Angelockt hatte er sie mit Tierkadavern. Der 71-Jährige musste eine Geldstrafe von 5.400 Euro bezahlen

Station für kranke Greif- und Junggreifvögel

Übrigens: Die Greifvogelauffangstation in Hamelwörden gibt es seit 30 Jahren und wird von Uwe Hintelmann geleitet. Der ehrenamtlich tätige Experte hat die Liebe zu „kleinen“ Tieren schon mit 16 Jahren entdeckt, päppelt seitdem in seiner Pflegestation verunglückte Eulen, Bussarde und Adler oder auch aus dem Nest gefallenen Nachwuchs auf. Rund 100 Jungvögel werden pro Jahr zu ihm gebracht. „Wir versorgen die Tiere, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden können“, so Uwe Hintelmann. Er ist traurig, dass dieses Ziel bei dem Habichtweibchen nicht erreicht werden konnte.

Autor:

Dirk Ludewig aus Stade

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