Infoveranstaltung in Deinste
EVB kündigt an: Ab 2028 fahren Personenzüge zwischen Stade und Bremervörde
- Auch in Mulsum-Essel wird der Zug halten. Anlässlich des Bahnstrecken-Jubiläums demonstrierten die Anwohner für den Erhalt der Bahnstation
- Foto: Sabrina Adeline Nagel
- hochgeladen von Jörg Dammann
Für die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Stade und Bremervörde sind offenbar die Weichen gestellt. Auf einer öffentlichen Veranstaltung am Mittwoch, 1. Juli, in Deinste will die EVB die Bürger über den aktuellen Stand des Projekts informieren. Geplant ist, dass ab Dezember 2028 wieder regelmäßig Personenzüge auf der sogenannten Moorexpress-Strecke fahren.
Mit dabei auf der Info-Veranstaltung wird der Stader Landrat Kai Seefried sein. Er war in der Region der wichtigste politische Wegbereiter des Projekts, das anfangs auf der Kippe stand. Inzwischen sind zentrale Planungs- und Förderverfahren angestoßen worden – die Wiederaufnahme des Personenverkehrs wird damit immer greifbarer. Die letzten Personenzüge rollten Anfang der 1990er Jahre auf der Strecke. Seefried machte sich gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus den Nachbarlandkreisen für das Projekt stark.
Wie geht es mit der Bahnverbindung zwischen Stade und Bremervörde weiter?
Die EVB informiert gemeinsam mit Projektpartnern über den aktuellen Stand der Planungen, die nächsten Schritte bis zur Inbetriebnahme sowie die geplanten Maßnahmen entlang der Strecke.
Termin:
Dienstag, 1. Juli 2026
18 bis 20 Uhr
Ort:
Dorfgemeinschaftshaus Deinste
Loher Weg 5
21717 Deinste
Neben Vertretern der EVB werden auch Landrat Kai Seefried sowie weitere Vertreter aus Politik und Verwaltung für Fragen der Bürger zur Verfügung stehen.
Zusagen von den Ministern
Rückenwind gab es vom damaligen Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU). Bei einem Besuch in Stade stellte er unmissverständlich klar, dass das Land die Reaktivierung unterstützen werde. Seine Botschaft im Sommer 2022: „Wir machen das jetzt.“ Althusmanns Nachfolger Olaf Lies (SPD) stieß ins gleiche Horn: Der jetzige Ministerpräsident erklärte im Herbst 2023 anlässlich einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der Bahnstrecke Stade-Bremervörde, dass die Reaktivierung bis 2026 abgeschlossen sein soll.
22 Millionen Euro Kosten
Nun werden erst zwei Jahre später Personenzüge rollen. Inzwischen wurden aber zahlreiche Hürden aus dem Weg geräumt. Eine Machbarkeitsstudie, die von der EVB sowie den Landkreisen Stade, Rotenburg und Osterholz finanziert wurde, bescheinigte der Strecke ein hohes Fahrgastpotenzial und einen deutlich positiven Nutzen-Kosten-Indikator. Damit wurde eine entscheidende Voraussetzung geschaffen, um Fördermittel des Bundes beantragen zu können. Insgesamt sind derzeit Investitionen von rund 22 Millionen Euro vorgesehen.
Bahn soll im Stundentakt fahren
Wenn alles nach Plan läuft, wird die neue Regionalbahnlinie 34 ab Dezember 2028 im Stundentakt zwischen Stade und Bremervörde verkehren. Geplante Halte sind in Stade, Stade-Riensförde, Hagen, Deinste, Fredenbeck, Mulsum-Essel, Hesedorf und Bremervörde. Besonders für die Stadt Stade entsteht ein zusätzlicher Vorteil: In Riensförde soll direkt am Bildungscampus ein neuer Haltepunkt entstehen. Dadurch erhalten Schulen und Sportanlagen erstmals einen direkten Bahnanschluss.
Wichtige Meilensteine erreicht
„Die Wiederbelebung der Bahnverbindung zwischen Bremervörde und Stade ist ein Meilenstein für die Entwicklung des SPNV und der Attraktivität der Region“, sagt Landrat Seefried. „Die neue Regionalbahnlinie 34 verbindet mit Bremervörde und der Hansestadt Stade zentrale Orte und schafft eine neue und verbesserte Mobilität für viele Menschen. Gerade auch für die Kommunen entlang der Strecke, die über neue Bahnhöfe angebunden werden, ist diese Entwicklung eine große Chance.“
Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen bereits seit dem offiziellen Projektstart im Jahr 2023 auf Hochtouren. Die EVB arbeitet dabei eng mit der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), dem Niedersächsischen Wirtschaftsministerium und der Deutschen Bahn zusammen. Auch EVB-Geschäftsführer Christoph Grimm spricht von zwei wichtigen Meilensteinen, die inzwischen erreicht worden seien. Zum einen hat die EVB einen Förderantrag beim Land eingereicht, der wiederum Grundlage für die Beantragung von Bundesmitteln ist. Zum anderen liegen die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren bereits vor.
Grimm sieht das Projekt inzwischen in einer entscheidenden Phase: „Unsere gemeinsamen Vorbereitungen mit der LNVG und mit dem Wirtschaftsministerium sind fortgeschritten. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog zu gehen.“
Umfangreiche Modernisierungen
Damit künftig moderne Regionalzüge verkehren können, muss die Infrastruktur an vielen Stellen ausgebaut werden. Geplant sind neue beziehungsweise modernisierte Bahnsteige in Orten wie Deinste, Fredenbeck und Mulsum-Essel. Hinzu kommen barrierefreie Zugänge für mobilitätseingeschränkte Menschen, digitale Fahrgastinformationssysteme, Wetterschutzhäuschen sowie eine bessere Verknüpfung mit Bus-, Fahrrad- und Autoverkehr. Dafür sollen an mehreren Standorten Park-and-Ride- und Bike-and-Ride-Angebote entstehen.
Auch die Strecke selbst wird technisch aufgerüstet. Vorgesehen sind neue Signaltechnik, die Erneuerung des Oberbaus sowie zusätzliche Sicherungsmaßnahmen an Bahnübergängen. Im Bahnhof Stade müssen außerdem Anpassungen an der Infrastruktur der Deutschen Bahn vorgenommen werden.
Strecke war nie ganz stillgelegt
Ganz verschwunden ist der Bahnverkehr zwischen Stade und Bremervörde übrigens nie. Bis heute nutzen Güterzüge die Strecke regelmäßig. Hinzu kommen Fahrten zur EVB-Werkstatt in Bremervörde. Zudem ist der Moorexpress während der Saison weiterhin als touristisches Angebot zwischen Stade und Bremen unterwegs. Die vorhandene Nutzung ist einer der Gründe, weshalb diese Bahnlinie im Gegensatz zu anderen Strecken vergleichsweise gute Voraussetzungen für eine Reaktivierung bietet. Der Zustand der Infrastruktur gilt als solide, gleichzeitig erwarten Experten ein hohes Fahrgastaufkommen.
Baumaßnahmen erfolgen 2028
Nach den aktuellen Planungen soll bis Mitte 2027 eine erneute standardisierte Bewertung des Projekts vorliegen. Anschließend könnte Anfang 2028 die endgültige Finanzierungszusage des Bundes erfolgen. Die eigentlichen Bauarbeiten sollen nach Angaben der EVB zwischen März und November 2028 umgesetzt werden, sodass zum Fahrplanwechsel im Dezember 2028 die ersten regulären Personenzüge rollen könnten.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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