"Wir stehen alle unter Schock"

Der Hanstedter Hartmut Mavuidi ertrank am Sonntag in einem See im Maschener Moor - er war als Fußballer unter anderen für Buchholz, Jesteburg und Hanstedt aktiv
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  • Der Hanstedter Hartmut Mavuidi ertrank am Sonntag in einem See im Maschener Moor - er war als Fußballer unter anderen für Buchholz, Jesteburg und Hanstedt aktiv
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Freunde aus Hanstedt möchten für die Familie des ertrunkenen 22-jährigen Hartmut Mavuidi sammeln. 

mum. Hanstedt. Mitten in den Vorbereitungen zum "Baltic­SeaCircle 2019" - einem besonderen Benefiz-Rennen, das rund um die Ostsee führt, erreichte Bernd Meyer eine schlimme Nachricht. Hartmut Mavuidi ist tot. Der 22-jährige Hanstedter ist am Sonntag in einem See im Maschener Moor ertrunken (das WOCHENBLATT berichtete). Weiterhin ist unklar, warum der junge Mann in dem Badesee unterging. Der Vermisste war mit Freunden in einem Schlauchboot über den See gepaddelt und irgendwann ins Wasser gesprungen. Danach tauchte er nicht wieder auf. Einsatzkräfte hatten den 22-Jährigen anschließend mit einem Sonarboot und Spürhunden gesucht und am Dienstag seine Leiche entdeckt.
"Die Nachricht vom Tod Hartmuts hat uns alle schockiert", sagt Meyer, der viele Jahre Pastor der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) in Hanstedt war. "Wir haben ein langjähriges Verhältnis zu seiner Familie. Daher wissen wir, dass der Verlust tiefe Spuren hinterlassen wird." In Form von Gesprächen unterstützt Meyer die Angehörigen bereits. "Doch um auch die finanziellen Sorgen zumindest etwas zu lindern, haben wir uns entschlossen, Geld zu sammeln."
Laut Pastor Meyer hat Hartmut Mavuidi eine besondere Rolle in der Familie gespielt. Die Mavuidis kamen 1992 als Flüchtlinge aus dem Kongo nach Deutschland. In Hanstedt fanden sie ihr neues Zuhause. "Immer wenn seine Mutter sich in Kikongokreo unterhalten wollte, bestand Hartmut darauf, dass sie Deutsch sprechen sollte", erinnert sich Pastor Meyer. Den Protesten seiner Mutter entgegnete er, dass er nun Deutscher sei und auch die Sprache beherrschen müsse. Das gelte auch für sie. Hartmut Mavuidi besuchte die Oberschule in Hanstedt und stand jetzt vor der Abschlussprüfung für seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im Hittfelder Rathaus. "Das ist eine Tragödie", sagt Seevetal-Bürgermeisterin Martina Oertzen. "Als sich die Nachricht vom Tod des jungen Mannes verbreitete, hatten Mitarbeiter Tränen in den Augen." Oertzen beschreibt Hartmut Mavuidi als lebensfrohen Mann. Aufgrund seiner Ausbildung sei er im ganzen Rathaus bekannt gewesen. Auch beim MTV Hanstedt trauert man um den 22-Jährigen. "Danke Hartmut, für die gemeinsamen Jahre, die du mit uns auf dem Platz gekämpft und neben dem Platz gelacht hast", steht auf der Homepage. Mavuidi spielte lange für den MTV Hanstedt in der 1. Kreisliga. Zuletzt kickte der 22-Jährige für den Buchholzer FC in der Kreisliga. Auch beim VfL Jesteburg war der junge Mann eine Saison in der Kreisliga aktiv.
Das Schicksal meint es offensichtlich nicht gut mit der Familie. Vater Peter Mavuidi erkrankte vor einigen Jahren an Krebs - seitdem ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Seinen Beruf als Gärtner kann er nicht mehr ausüben. Hartmut hat zwei Schwestern. Meisi (20) ist Autistin und arbeitet in der Werkstatt der Lebenshilfe in Tostedt. Gracy (14), die jüngste Schwester, besucht die Oberschule in Hanstedt.
"Die Familie ist auf Sozialhilfe angewiesen", so Meyer. "Ich fürchte, sie wissen nicht einmal, wie sie die Beerdigung bezahlen sollen."

"Die Trauer ist riesig"

Eigentlich wollte Bernd Meyer, langjähriger Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Hanstedt, mit Hilfe unserer Zeitung Geld für eine Spenden-Rallye sammeln. Unter dem Motto "Wir fahren für die nächste Generation" startet der Pastor gemeinsam mit seiner Frau Andrea und den Söhnen Finn und Niels bei der "Baltic­SeaCircle 2019". Zusammen mit mehr als 270 Teams wollen sie vom 15. bis zum 30. Juni die Ostsee umrunden (online mitzuerleben unter www.das-mteam.jimdofree.com). Durch zehn verschiedene Länder werden sie fahren und mit ihrem 20 Jahre alten VW Bulli etwa 7.500 Kilometer zurücklegen. Mit den Spenden wollten die Meyers die Gemeinde dabei unterstützen, einen "Jugend-Coach" einzustellen. Er soll 18- bis 25-Jährigen in der wichtigen Findungsphase des Lebens helfen. "Immer wieder haben wir beobachtet, dass es in der Regel nicht die eigenen Eltern sind, die ihren heranwachsenden Kindern dabei gut helfen können", so Meyer. Oft seien es andere Menschen, die sich auf diese Generation einlassen und für sie zu vertrauenswürdigen Helfern werden.
"Mitten in den letzten Vorbereitungen der Rallye erreichte uns die Nachricht vom Tod Hartmuts", sagt Meyer. Wie berichtet, starb der 22-Jährige am vorigen Sonntag bei einem tragischen Badeunglück. "Diese Nachricht schob alles andere weit nach hinten." Mit Freunden sei Hartmut, ein Sport- und Schulkamerad von Meyers Söhnen, zum Schwimmen an den Badesee in Maschen gefahren. "Sie hatten ihren Spaß. Mit einem Schlauchboot fuhren sie auf den See hinaus und sprangen von dort ins Wasser", schildert der Pastor die Ereignisse. "Plötzlich tauchte Hartmut nicht wieder auf. Die Freunde riefen um Hilfe. Man suchte mit allen verfügbaren Kräften nach ihm - ohne Erfolg." Am Dienstag erreichte die Familie von Hartmut Mavuidi die erschütternde Nachricht: Hartmut ist ertrunken! "Seinen Eltern und Geschwistern reißt diese Nachricht den Boden unter den Füßen weg", so Bernd Meyer. "Verzweiflung, Traurigkeit und viele Fragen bestimmen seither den Tag."
"Auch an uns geht das Unglück nicht spurlos vorbei", sagt Bernd Meyer. "Wir möchten der Familie helfen, ein Stück ihrer Not lindern und Nähe geben." Das geschieht beispielsweise im Zuge eines Abschiedsgottesdienstes, der vermutlich am kommenden Wochenende stattfinden soll und zu dem Freunde und Nachbarn aus dem Ort eingeladen werden. "Weil die Familie auch zu einer afrikanischen Gemeinde gehört, wird es bereits an diesem Samstag in den Räumen der FeG ein gemeinsames Abschiednehmen der afrikanischen Gemeinde geben", so Meyer.
Für das Projekt "Jugend-Coach" hat Familie Meyer knapp 2.500 Euro mit der Tour gesammelt. Der Pastor hat sich jetzt dazu entschlossen, ein Spendenkonto zu eröffnen, das ausschließlich für die Familie Mavuidi bestimmt ist.

Spendenkonto für Familie Mavuidi
Wer die Familie von Hartmut Mavuidi unterstützen möchte, kann Geld auf ein spezielles Konto spenden:
Volksbank Lüneburger Heide
IBAN DE09 24060300 4900 439 500
Stichwort "Hartmut"

Der Hanstedter Hartmut Mavuidi ertrank am Sonntag in einem See im Maschener Moor - er war als Fußballer unter anderen für Buchholz, Jesteburg und Hanstedt aktiv
Pastor Bernd Meyer (re.) nimmt mit seiner Frau  Andrea und den Söhnen Finn (li.) und Niels bei der "Baltic­SeaCircle 2019" teil
Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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