Wahlkampf in Hanstedt
Fragen an die Samtgemeinde-Bürgermeisterkandidaten
- Lars Heuer kandidiert für die Hanstedter SPD für den Posten des Samtgemeinde-Bürgermeisters
- Foto: Dr. Reza Kazemi
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
In der Samtgemeinde Hanstedt kandidieren mit Lars Heuer (SPD), Gunnar Hofmeister (FDP) und Christian Sauer (UNS) drei Bewerber für das Amt des Samtgemeinde-Bürgermeisters. Das WOCHENBLATT befragte sie zu ihrer Haltung gegenüber relevanten Punkten im Vorfeld der Wahl am 13. September 2026.
1. 15 Jahre Amtszeit des scheidenden Samtgemeinde-Bürgermeisters Olaf Muus haben das wertschätzende Miteinander von Verwaltung und Politik stark geprägt. Inwiefern werden Sie daran anknüpfen oder aber neue Impulse setzen?
Lars Heuer: "Ich kenne auch Phasen der Uneinigkeit zwischen Politik und Verwaltung sowie erbitterte Auseinandersetzungen mit Kränkungen, die den Raum für sachliche Arbeit vergiften. Ihren sichtbarsten Höhepunkt erreichten sie nach der Finanzkrise 2008 bis 2011 - sichtbarer in der Gemeinde Hanstedt als in der Samtgemeinde. Wer damals einige Sitzungen von außen verfolgte, konnte ahnen: Vom Umgangston in Jesteburg waren wir nicht weit entfernt.
Unter Olaf Muus gab es zwei wesentliche Veränderungen: Er bündelte die Verwaltungsleitung, reorganisierte die Strukturen und verbesserte die Kommunikation durch deutlich mehr Fraktionssitzungen – anfangs vor jeder Sitzungsperiode sowie zu besonderen Themen. Sein eigentliches Verdienst liegt jedoch darin, die Kommunikation mit den einzelnen Gemeinden deutlich gestärkt zu haben. Investitionen und anstehende Projekte wurden so abgestimmt und priorisiert, dass die Gemeindebürgermeister sie vor Ort besser vermitteln konnten. Hinzu kam eine günstigere Finanzlage: Jede Fraktion oder Gruppe hatte dadurch die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen. Olaf Muus griff Themen der Fraktionen geschickt über die Verwaltung auf; dadurch wurden sie sachlicher diskutiert.
Wer mich als Rats- oder Kreistagsmitglied, als Vorsitzenden verschiedener Ausschüsse oder aus der Zeit als stellvertretenden Bürgermeister kennt, weiß, wie wichtig mir Gespräche, Erfahrungen, Kritik und Vorschläge von Mitbürgerinnen und Mitbürgern sowie Mitstreiterinnen und Mitstreitern sind – egal welcher Couleur. Wenn der Ton unangemessen oder persönlich beleidingend ist, bin ich auch in der Vergangenheit dagegen eingeschritten. Bei Diskrepanzen suche ich das Gespräch oder greife zum Telefon, statt eine Pressemeldung herauszugeben oder dies gar zu posten. So kennen mich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Samtgemeinde- und Kreisverwaltung. Nur wer bereit ist, auch die Sichtweise des anderen Gegenübers zu verstehen, findet auch den Weg zu einem tragfähigen Konsens, der dann natürlich auch gemeinsam nach außen vertreten werden muss – auch wenn es vielleicht wenig populär ist.
Mit den Neuwahlen scheiden neben Olaf Muus mindestens vier langjährige Gemeindebürgermeister aus. Gerade in den ersten Jahren wird es deshalb wichtig sein, Kommunikation und Vertrauen in den Gremien sowie mit den Gemeinden weiter zu stärken. Themenabstimmungen und gemeinsame Zielsetzungen müssen mit neuen Partnern vertieft werden. Deshalb steht auch die gemeinsame Fortschreibung des Zukunftskonzeptes der Samtgemeinde aus dem Jahr 2011 auf meiner Agenda: Erledigte Punkte sollten gestrichen und neue Aufgaben sowie Konzepte dieser Wahlperiode auf eine Grundlage gestellt werden, die von allen Fraktionen und Mitgliedsgemeinden in der neuen Konstellation mitgetragen wird. Thenor: Wo wollen wir 2050 stehen. Zeitgemäß formuliert würde ich dieses Ziel mit #zusammenwachsen! beschreiben."
Gunnar Hofmeister: "Olaf Muus wird eine große Lücke hinterlassen. Aber es ist sein gutes Recht sich in den Ruhestand zu verabschieden. Ich habe als Mitglied des Samtgemeinderates, als Mitglied des Gemeinderates und in den letzten fünf Jahren in meiner Funktion als Bürgermeister seine wertschätzende und vermittelnde Art in den letzten 15 Jahren kennen- und schätzen gelernt. Natürlich liegt mir sehr daran, an dieses Miteinander anzuknüpfen. Politische Beschlüsse werden vom Samtgemeinderat gefällt, diese Entscheidungen sind oftmals Kompromisslösungen, in denen sich jede Meinung wiederfinden sollte. Ich möchte als Samtgemeindebürgermeister bei den Lösungen gerne helfend zur Seite stehen und denke, dass mir meine über zwanzigjährige Erfahrung als Mitglied in Gemeinde- und Samtgemeinderat dabei helfen wird. Wir haben eine gute Mannschaft im Rathaus. Meine Aufgabe als Samtgemeindebürgermeister wird sein, diese Mannschaft weiter zusammenzuschweißen, damit die Beschlüsse des Samtgemeinderates zügig umgesetzt werden. Ich bin in der Samtgemeinde bekannt, Mitglied in vielen Vereinen und gut vernetzt. Mein Wunsch ist es, Bevölkerung, Samtgemeinderat und die Mitarbeiter der Verwaltung näher zusammen zu bringen. Das ist bisher vielleicht etwas zu kurz gekommen."
Christian Sauer: "Olaf Muus hat die Samtgemeinde Hanstedt über viele Jahre mit großem Engagement geführt und das vertrauensvolle Miteinander zwischen Verwaltung, Politik und den Mitgliedsgemeinden entscheidend geprägt. Dafür gebührt ihm Respekt und Anerkennung. Auf dieser guten Grundlage möchte ich aufbauen.
Als Bürgermeister und Gemeindedirektor der Gemeinde Egestorf habe ich in den vergangenen Jahren selbst erlebt, wie wichtig eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Politik für den Erfolg einer Kommune ist. Gute Entscheidungen entstehen dort, wo man sich gegenseitig zuhört, unterschiedliche Sichtweisen ernst nimmt und gemeinsam nach den besten Lösungen sucht. Genau diesen Führungsstil möchte ich als Samtgemeindebürgermeister weiterführen.
Gleichzeitig möchte ich neue Impulse setzen. Die Herausforderungen der kommenden Jahre – von der Kinderbetreuung über den Bevölkerungsschutz, die Digitalisierung und den bezahlbaren Wohnraum bis hin zur Energiewende und einer leistungsfähigen Infrastruktur – können wir nur gemeinsam bewältigen. Dabei ist mir wichtig, dass sich alle sechs Mitgliedsgemeinden gleichermaßen gehört und vertreten fühlen.
Durch meine langjährige kommunalpolitische Erfahrung und meine berufliche Tätigkeit als selbstständiger Diplom-Bauingenieur bringe ich nicht nur Verwaltungserfahrung, sondern auch den Blick für Planung, Organisation und wirtschaftliche Verantwortung mit. Entscheidungen sollten transparent, nachvollziehbar und lösungsorientiert getroffen werden. Dafür stehe ich.
Mein Verständnis von Kommunalpolitik ist klar: Die Samtgemeinde ist Dienstleister und Partner ihrer Mitgliedsgemeinden. Verwaltung und Politik sollten nicht nebeneinander arbeiten, sondern gemeinsam Verantwortung übernehmen – offen, respektvoll und auf Augenhöhe. Ich möchte Bewährtes bewahren, neue Ideen zulassen und gemeinsam mit den Menschen unsere Samtgemeinde zukunftsfähig weiterentwickeln.
Denn am Ende geht es nicht um einzelne Personen, sondern darum, die besten Voraussetzungen für die Menschen in der Samtgemeinde Hanstedt zu schaffen."
2. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist groß – wie kann die Samtgemeinde dieser gerecht werden bzw. was ist dabei Ihrer Ansicht nach zu berücksichtigen?
Lars Heuer: "Zur Samtgemeinde Hanstedt gehören sechs Gemeinden. Jede von ihnen verfügt innerörtlich über eine grundgesetzlich verbriefte Selbstbestimmung, etwa bei der baulichen Entwicklung im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Rein formal hat ein Samtgemeindebürgermeister daher innerhalb der Gemeindehoheit keinen Einfluss, solange der gesetzliche Rahmen eingehalten wird.
Gleichzeitig bezieht sich die Feststellung des Landes Niedersachsen zum „angespannten Mietwohnraum“ auf das Gebiet der Samtgemeinde. Dieses Problem müssen wir gemeinsam mit den für die Bebauung zuständigen Gemeinden weiter intensiv bearbeiten. Ich wünsche mir mehr innerörtliche Bebauung: Baulücken sollten genutzt und rückwärtige Bebauung auf großen Grundstücken ermöglicht werden, bevor neue Baugebiete in der Landschaft entstehen. Die Nachverdichtung entlang der Harburger Straße in Hanstedt zeigt, dass Geschosswohnungsbau auch ortsbildverträglich möglich ist und mit den dahinterliegenden Kleinsiedlungsgebieten einen guten Übergang in die Landschaft schafft. Die Gemeinde Hanstedt hat hier auch schon Ausnahmen über den „Bau-Turbo“ mit Auflage zur anteiligen Schaffung „günstigen Wohnraums“ genutzt. Zentrale Wohnungen ermöglichen zudem älteren Menschen, vor Ort eine passende Alternative zum zu groß gewordenen Einfamilienhaus zu finden. Dieses kann dann Familien neuen Wohnraum bieten.
Die Gemeinden Hanstedt und Egestorf haben bereits ein Siedlungsentwicklungskonzept erarbeitet, sich an der gemeinsamen Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises (KWG) beteiligt und günstige Wohnungen geschaffen. Das gilt es auszuweiten, auch wenn die derzeitige Nachfrage damit noch nicht vollständig gedeckt werden kann. In begründeten Fällen kann die Samtgemeinde zudem durch Änderungen des Flächennutzungsplans unterstützen."
Gunnar Hofmeister: "Wir leben in der Samtgemeinde Hanstedt im sogenannten Speckgürtel vom Hamburg. Ich bin in Hanstedt aufgewachsen und habe den kontinuierlichen Zuzug von Neubürgern erlebt. Schon immer gab es Diskussionen über Ausweisung von Neubaugebieten, die Möglichkeit der Innenverdichtung und die Überarbeitung von bestehenden Bebauungsplänen. Die Entscheidung, welche Maßnahme die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum am besten lösen könnte, fällt aber der Rat der jeweiligen Gemeinde. Lediglich der Flächennutzungsplan wird vom Samtgemeinderat beschlossen. Und natürlich hängt bezahlbarere Wohnraum von Angebot und Nachfrage ab – das kann die Politik kaum beeinflussen. Lediglich durch die Beteiligung an der KWG des Landkreises Harburg, können die Gemeinden Hanstedt und Egestorf, die beide Gesellschafter sind, günstigen Wohnraum anbieten. Meine Möglichkeit als Samtgemeindebürgermeister ist in diesem Fall also leider begrenzt."
Christian Sauer: "Bezahlbarer Wohnraum gehört zu den größten Herausforderungen der kommenden Jahre. Prognosen zeigen, dass unsere Region auch künftig ein attraktiver Wohnstandort in der Metropolregion Hamburg bleiben wird und weiterhin mit Zuzug rechnen kann. Gleichzeitig verändert der demografische Wandel die Anforderungen an den Wohnungsmarkt. Während viele Regionen mit Bevölkerungsrückgang kämpfen, müssen wir uns auf eine wachsende und zugleich älter werdende Bevölkerung einstellen. Das ist eine gute Ausgangslage, verpflichtet uns aber auch dazu, frühzeitig die richtigen planerischen Voraussetzungen für eine nachhaltige Wohnraumentwicklung zu schaffen.
Mit den bereits verabschiedeten Siedlungsentwicklungskonzepten der Gemeinden Hanstedt und Egestorf sowie den Entwicklungszielen der übrigen Mitgliedsgemeinden liegt dafür eine gute
Grundlage vor. Diese müssen bei der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans der Samtgemeinde berücksichtigt werden, damit sich alle sechs Mitgliedsgemeinden entsprechend ihres jeweiligen Bedarfs weiterentwickeln können. Als Samtgemeindebürgermeister sehe ich meine Aufgabe darin, diesen Prozess gemeinsam mit den Gemeinden zu koordinieren, sie bei ihren Planungen zu unterstützen und die Interessen unserer Samtgemeinde gegenüber dem Landkreis und dem Land Niedersachsen engagiert zu vertreten.
Dabei müssen wir ehrlich sein: Zwischen den planerischen Entscheidungen und dem Einzug der ersten Familien vergehen häufig mehrere Jahre. Wir schaffen heute die Voraussetzungen für den Wohnraum von morgen. Ob dieser tatsächlich entsteht, hängt anschließend von Investoren, Bauherren und Familien ab, die diese Möglichkeiten nutzen.
Für mich gilt dabei ein klarer Grundsatz: Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Bevor neue Baugebiete ausgewiesen werden, sollten wir konsequent prüfen, wie bestehende Gebäude und ungenutzte Flächen besser genutzt werden können. Leerstehende Hofgebäude, Nebengebäude oder ausbaufähige Dachgeschosse bieten häufig großes Potenzial. Ich werde mich deshalb dafür einsetzen, gemeinsam mit dem Landkreis und dem Land Niedersachsen Fördermöglichkeiten zu erschließen, die Eigentümer bei der Umnutzung bestehender Gebäude unterstützen.
Auch der Bauturbo Niedersachsen kann dabei ein sinnvoller Baustein sein. Dort, wo die Voraussetzungen passen, sollten wir die Möglichkeiten nutzen, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und dringend benötigten Wohnraum schneller zu schaffen. Er ersetzt keine vorausschauende Planung, kann aber helfen, gute Projekte zügiger umzusetzen.
Gleichzeitig müssen wir bei den Wohnformen umdenken. Das klassische Einfamilienhaus ist für viele Menschen kaum noch finanzierbar. Deshalb brauchen wir dort, wo es städtebaulich sinnvoll ist, auch Gebäude mit mehreren Wohneinheiten. Mir ist besonders wichtig, dass ältere Menschen in ihrer Heimatgemeinde bleiben können – beispielsweise in barrierearmen, kleineren Wohnungen. Gleichzeitig sollten wir generationenübergreifende Wohnformen fördern, die den Zusammenhalt stärken und den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Generationen gerecht werden.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist für mich die enge Zusammenarbeit mit der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises Harburg, um dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme. Er entsteht durch das Zusammenspiel einer vorausschauenden Planung, einer verantwortungsvollen Innenentwicklung, moderner Wohnformen, schnellerer Verfahren und einer engen Zusammenarbeit zwischen Mitgliedsgemeinden, Samtgemeinde, Landkreis und Investoren. Daran mitzuwirken ist für mich nicht nur eine kommunalpolitische Aufgabe, sondern eine echte Herzensangelegenheit."
Redakteur:Heidi Goch-Lange aus Buchholz |
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