Waisenhilfe Gimbi
Bewegender Reisebericht aus Äthiopien zum 20-jährigen Jubiläum

Einige Mitglieder der Reisegruppe beim Vortrag im Gemeindehaus Bargstedt  | Foto: Christa Haar-Rathjen
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  • Einige Mitglieder der Reisegruppe beim Vortrag im Gemeindehaus Bargstedt
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Reisebericht aus Bargstedt: Waisenhilfe Gimbi feiert 20 Jahre Engagement in Äthiopien. Eindrücke, Projekte und bewegende Begegnungen im Überblick.

Eine Reise, die bewegt, Begegnungen, die nachwirken: Im vollbesetzten Gemeindehaus in Bargstedt haben kürzlich zahlreiche Interessierte am Freitagabend den eindrucksvollen Bericht einer elfköpfigen Reisegruppe verfolgt. Die Teilnehmenden aus den Dörfern rund um Ahlerstedt und Bargstedt waren im Februar in die äthiopische Partnergemeinde Gimbi gereist – anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Waisenhilfe Gimbi.. 

Seit 2006 engagieren sich Menschen aus den beiden Geest-Kirchengemeinden für Kinder und Jugendliche in Äthiopien, die einen oder beide Elternteile verloren haben – häufig durch Krankheit, Unfälle oder HIV. Die Stadt Gimbi liegt rund 450 Kilometer westlich der Hauptstadt Addis Abeba, zählt inzwischen etwa 125.000 Einwohner und gehört zur Mekane-Yesus-Kirche mit mehr als 4.000 Mitgliedern.

Eindrücke von der Reise: Lange Wege und intensive Begegnungen

Ein stimmungsvoll unterlegtes Video mit Bildern der Reise eröffnete den Abend. Schnell wurde deutlich: Die Reise war kein Urlaub. Bereits die Anfahrt von Addis Abeba nach Gimbi stellte eine Herausforderung dar. Für die 450 Kilometer benötigte die Gruppe in einem Kleinbus mehr als elf Stunden – auf teils stark beschädigten Straßen mit tiefen Schlaglöchern. „Dagegen ist die Straße in Hollenbeck kaum ein Problem!“ bemerkte eine Mitreisende.

Im Mittelpunkt standen jedoch nicht Vergleiche, sondern die Begegnungen mit den Menschen vor Ort. Neben der Jubiläumsfeier ging es um den Austausch über das Waisenhilfe-Projekt, Besuche bei den Kindern und ihren Familien sowie Gespräche mit dem lokalen Komitee und kommunalen Verantwortlichen.

Projektarbeit vor Ort: Unterstützung für Kinder und Familien

Ein Festgottesdienst mit rund 3.500 Besucherinnen und Besuchern, der etwa vier Stunden dauerte, bildete einen zentralen Programmpunkt. Anschließend traf die Reisegruppe die Kinder des Projekts und deren sogenannte Caregiver – also die Personen, bei denen die Kinder leben. Dabei handelt es sich entweder um verbliebene Elternteile oder um Verwandte und Nachbarn, die die Kinder aufgenommen haben.

Die Gruppe übergab Sachspenden, darunter Stifte und Süßigkeiten, unterstützt von regionalen Unternehmen.

Einmal jährlich erhalten die Kinder sowie ihre Geschwister zum Schuljahresbeginn Kleidung und Schulmaterial. Für die Förderung eines Kindes inklusive seiner Geschwister werden monatlich 30 Euro benötigt, einschließlich medizinischer Versorgung. Beim Treffen im Februar waren 136 der insgesamt 140 Kinder anwesend. „Die fehlenden vier Kinder hatten wirklich gute Gründe, wie eine Krankheit, nicht dabei zu sein,“ erklärte Kathleen Wohlers aus dem Waisenhilfe-Komitee.

Persönliche Geschichten: Hoffnung und Perspektiven

In den folgenden Tagen besuchte die Gruppe möglichst viele Kinder in ihrem Zuhause. Dabei entstanden persönliche Einblicke in die Lebenssituationen:

Meti ist 13 Jahre alt, seit sieben Jahren Teil des Projekts und hat beide Eltern verloren. Sie lebt bei ihrer 21-jährigen Schwester, die sich noch in Ausbildung befindet. Unterstützt werden sie im Hintergrund von einer Tante. Metis Ziel ist ein Medizinstudium.

Kenani, 16 Jahre alt, ist seit sechs Jahren im Projekt. Nach dem Tod seines Vaters lebt er mit seiner Mutter und zwei Geschwistern zusammen. Ein Bruder ist gehörlos. Die Mutter hat durch harte Arbeit einen Acker erworben, der drei Stunden Fußweg entfernt liegt, und sich damit eine Existenz aufgebaut.

Diese Beispiele zeigen, wie gezielte Unterstützung Selbstständigkeit fördern kann.

Struktur und Organisation der Waisenhilfe

Die Auswahl der Kinder erfolgt durch ein Komitee vor Ort, bestehend aus Mitgliedern der Gemeinde Gimbi und der Synode. Dabei wird darauf geachtet, dass die finanzielle Unterstützung unter dem durchschnittlichen Einkommen von Angestellten bleibt. Voraussetzung für die Teilnahme ist der Schulbesuch. Häufig werden mehrere Kinder einer Familie aufgenommen, sodass auch Geschwister indirekt profitieren.

Drei Social Worker betreuen derzeit die 140 Kinder sowie deren insgesamt 170 Geschwister und Caregiver. Seitdem auch eine Frau im Team ist, werden insbesondere die Bedürfnisse von Mädchen stärker berücksichtigt, etwa durch zusätzliche Mittel für Hygieneartikel.

Für das Projekt werden jährlich rund 38.000 Euro benötigt, inklusive der Gehälter der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Im Laufe des Jahres sollen in zwei Schritten insgesamt 20 weitere Kinder aufgenommen werden. Dafür sind zusätzliche organisatorische Maßnahmen und mindestens eine weitere Fachkraft erforderlich. Das Waisenhilfe-Komitee der Gemeinden Ahlerstedt, Gimbi und Bargstedt plant, diese Erweiterung umzusetzen und ist dafür auf weitere Spenden angewiesen.

Stimmen aus der Reisegruppe: Hoffnung und Verbundenheit

Klaus Meyer aus Wangersen zeigte sich beeindruckt: „Mich beeindruckt, wie dieses Projekt so viel Gutes bewegt. Für die Familien, die Hilfe erhalten, bedeutet es einfach, die Hoffnung zu behalten. Keiner muss Angst haben vor dem nächsten Tag.“

Auch Ioana Ahrens betonte die besondere Qualität der Partnerschaft: „Es ist ein Kontakt geistlicher Art, getragen von gegenseitigen Gebeten. Wir sehen darin ein Zeichen gegen den Hass, einen Beitrag zur Verständigung zwischen Völkern und Kulturen, zur Einheit der Christen.“

Ein Gegenbesuch von Partnerinnen und Partnern aus Gimbi auf der Geest ist für das kommende Jahr geplant.

Spendenkonto der Waisenhilfe Gimbi

Empfänger: Kirchengemeinde Bargstedt
Verwendungszweck: Waisenhilfe Gimbi
IBAN: DE94 2006 978 20088 1236 03
BIC: GENODEF1APE
Volksbank Geest eG

Was ist die Waisenhilfe Gimbi?
Die Waisenhilfe Gimbi ist ein Projekt der Kirchengemeinden Ahlerstedt, Bargstedt und Gimbi, das seit 2006 Kinder und Jugendliche in Äthiopien unterstützt, die einen oder beide Elternteile verloren haben.
Wie viele Kinder werden aktuell unterstützt?
Derzeit werden 140 Kinder sowie zusätzlich 170 Geschwisterkinder im Rahmen des Projekts betreut.
Wie hoch ist der monatliche Unterstützungsbetrag pro Kind?
Für die Unterstützung eines Kindes und seiner Geschwister werden monatlich 30 Euro benötigt, inklusive medizinischer Versorgung.
Welche Aufgaben übernehmen die Social Worker?
Drei Social Worker betreuen die Kinder, ihre Geschwister und Caregiver. Sie kümmern sich unter anderem um soziale Belange und berücksichtigen seit Kurzem verstärkt auch die Bedürfnisse von Mädchen.
Wie kann man die Waisenhilfe Gimbi unterstützen?
Spenden sind sowohl als monatlicher Beitrag als auch als einmalige Gabe möglich. Jeder Betrag unterstützt die Arbeit des Projekts und hilft, weitere Kinder aufzunehmen.
Einige Mitglieder der Reisegruppe beim Vortrag im Gemeindehaus Bargstedt  | Foto: Christa Haar-Rathjen
Info-Abend im Gemeindehaus in Bargstedt über das Waisenhilfe-Projekt | Foto: Christa Haar-Rathjen
Reisegruppe mit Gastgeber:innen in Gimbi Kathleen Wohlers | Foto: Kathleen Wohlers
Redakteur:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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