Katzen sind für Jagdhund "Raubzeug"

Jagdhunde sind oftmals besonders "scharf", wenn es um Katzen geht. Ob dieser Wachtelhund keine Miezen mag, ist aber nicht bekannt
2Bilder
  • Jagdhunde sind oftmals besonders "scharf", wenn es um Katzen geht. Ob dieser Wachtelhund keine Miezen mag, ist aber nicht bekannt
  • hochgeladen von Jörg Dammann

(jd). Mieze verendet nach Beiß-Attacke, doch Vorfall bleibt für Hundehalter folgenlos. Ein Jagdhund packt eine Katze und schüttelt sie in seinem Maul wild hin und her. Der Hund lässt erst von seinem "Opfer" ab, als er von den Katzenbesitzern traktiert und gewürgt wird. Die Katze verendet wenige Tage später. Selbst eine aufwendige Notoperation kann sie nicht mehr retten. Die Katzenbesitzerin Karin G.* erhebt nun schwere Vorwürfe gegen den Hundehalter, einen Jäger, und zweifelt an seiner Eignung, überhaupt mit Hunden auf die Jagd gehen zu dürfen. Sie schaltete verschiedene Behörden ein, damit diese den Vorfall ahnden.

Doch die Anzeigen führten nicht zum gewünschten Ergebnis: Der Jagdhund befindet sich weiterhin "auf freiem Fuß" und muss keinen Maulkorb tragen. Auch für sein Herrchen blieb der Vorfall folgenlos: Der Jäger wurde lediglich verwarnt, weil ihm der Vierbeiner in einem unbeobachteten Moment entwischt ist. "Das ist doch keine Strafe", ärgert sich Karin G. Ihre Vermutung: Die Behörden handeln nicht, weil es "nur" um eine Katze gehe. Für sie hingegen ist der tragische Tod ihres Lieblings Amelie "alles anders als eine Lappalie."

Aber auch wenn es sich um einen "Katzenkiller" handelt: Welche konkrete Gefahr geht von dem Hund tatsächlich aus? Denn gegenüber Menschen verhält sich der ausgebildete Jagdhund offenbar stets lammfromm. Wenn von gefährlichen Hunden die Rede ist, denkt man zunächst an die Beißattacken aggressiver Vierbeiner, die in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen sorgten. In der Folge verabschiedeten viele Bundesländer - darunter auch Niedersachsen - strengere Gesetze, um eine bessere Handhabe gegen gefährliche Hunde und deren Halter zu besitzen. Hier die ganze Geschichte:

Das Häuschen von Karin G. und Thomas N.* steht einsam inmitten von Feldern. Ein traumhaftes Revier für Katzen. Doch die drei Stubentiger, die hier unweit von Harsefeld leben, sind zu Hausarrest verdonnert. Nicht weil sie etwas ausgefressen haben, sondern weil Karin G. Angst hat, dass den Miezen das Gleiche widerfährt wie der vierten Katze, die dort lebte. Sie hieß Amelie und verendete vor ein paar Wochen an den schweren Bisswunden eines Jagdhundes. Was sich genau im Vorfeld dieser "Tat" zugetragen hat, weiß niemand. Für Karin G. ist der Fall aber klar: "Der Hund hat gewildert." Sie besitzt keinerlei Verständnis dafür, dass die Behörden trotz Anzeige nicht handeln.

"Mir ist der Hund einfach entwischt", erklärt der Halter, der Jäger Frank S.* Er habe an einem Fischteich mit einem zweiten Hund, der sich noch in Ausbildung befindet, das Apportieren einer toten Ente aus dem Wasser geübt. Plötzlich sei der Jagdhund laut kläffend abgehauen - mit dem "Lehrling" im Schlepptau. S. geht davon aus, dass der Hund der Rasse "Deutsch Drahthaar" eine Fährte aufgenommen hat: "Der kann eine Katze über mehrere hundert Meter wittern." Der Jagdhund müsse die Katze dann bis zu ihrem Zuhause verfolgt haben. "Es tut mir alles sehr leid, doch der Jagdtrieb steckt in dieser Rasse einfach drin", meint S.

Tatsächlich liegt es in den Anlagen eines "Drahthaars", kleinen Räubern wie Mardern, Ratten, aber eben auch Katzen besonders intensiv nachzustellen. Diese "ausgeprägte Raubzeugschärfe", wie es im Fachjargon heißt, wurde Amelie zum Verhängnis. So ließ der Jagdhund auch nicht von der Katze ab, als Thomas N. auf ihn einschlug. Erst als der Hund mit dem Halsband gewürgt wurde, konnte Amelie aus den Fängen des Hundes fliehen. Doch die Katze war so schwer verletzt, dass ihr auch in einer Harsefelder Tierklinik nicht mehr geholfen werden konnte. Immerhin: Die rund 2.800 Euro für OP, Sauerstoffzelt und anschließende Einäscherung übernahm anstandslos die Haftpflicht-Versicherung des Jägers.

Doch mit dem bloßen Schadensersatz wollte sich Karin G. nicht zufrieden geben: Sie erstattete gleich bei vier Ämtern Anzeige - unter anderem wegen Sachbeschädigung, Tierquälerei, Halten eines gefährliche Hundes und Verstoßes gegen das Jagdgesetz. Lediglich die Jagdbehörde reagierte und teilte mit, dass keine Verletzung jagdrechtlicher Regelungen vorliege: Eine Anleinpflicht habe nicht bestanden, da auch das Training zur (leinenbefreiten) Jagdausübung zähle.

Bei den anderen Stellen musste Karin G. erst nachhaken - um mitgeteilt zu bekommen, dass der Fall längst zu den Akten gelegt ist. Zuvor hatte sich offenbar munter das Behördenkarussell gedreht: Vom Ordnungsamt der Samtgemeinde Harsefeld hieß es, dass die Staatsanwaltschaft zuständig sei. Dort wurde das Verfahren mangels öffentlichem Interesse an einer Strafverfolgung eingestellt und an das Kreis-Veterinäramt weitergereicht, um eine mögliche Ordnungswidrigkeit zu verfolgen. Die Veterinärin prüfte den Fall nach Aktenlage und sah keinen Anlass, den Jagdhund gemäß Hundegesetz als gefährlich einzustufen. Immerhin steht zweifelsfrei fest, dass der Hund keinen Menschen biss oder bedrohte und sich problemlos anleinen ließ.

Am Ende landete das Ganze wieder beim Ordnungsamt. Dort galt es noch zu prüfen, ob der Hund zum Tragen eines Maulkorbes verdonnert werden kann. Doch solch eine Maßnahme wäre völlig überzogen gewesen, wenn das Veterinäramt den Hund als ungefährlich einstufe, heißt es aus dem Harsefelder Rathaus. So blieb es bei einer Verwarnung: Der Hundehalter hätte dafür sorgen müssen, dass ihm seine Tiere nicht entwischen.

Dingfest gemacht wurden die beiden "Übeltäter" übrigens von der herbeigerufenen Polizei. "Hunde sitzen im Kerker bei Wasser und Schrot", schrieben die Beamten in ihren Bericht.

* Namen v.d. Red. geändert

Jagdhunde sind oftmals besonders "scharf", wenn es um Katzen geht. Ob dieser Wachtelhund keine Miezen mag, ist aber nicht bekannt
Katze Amelie wurde "Opfer" eines Jagdhundes
Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Panorama
  3 Bilder

Eklat zwischen dem Künstler Erwin Hilbert und dem Vorstand der St.-Petri-Kirche
Kunstausstellung in Buxtehuder Kirche vorzeitig beendet

sla. Buxtehude. Nach etlichen Vorfällen, über die das WOCHENBLATT berichtete, hat der Kirchenvorstand der St.-Petri-Kirchengemeinde die Kunstausstellung "Jesus und andere Gestalten" sowie die weitere Zusammenarbeit mit dem Künstler Erwin Hilbert vorzeitig beendet. Der Entschluss wurde durch Pastor Michael Glawion nach dem Druck der Wochenendausgabe bekanntgegeben. Die genauen Hintergründe, die zu dieser Entscheidung führten, werden in der nächsten WOCHENBLATT-Ausgabe am Mittwoch ausführlich...

Politik
Wenn sich in der Biotonne Maden sammeln, ist das nicht gefährlich, beruhigt der Landkreis

Antwort des Landkreises Harburg auf FDP-Antrag
Maden in Biotonnen sind ungefährlich

(os). Wenn sich in der Biotonne Maden sammeln oder die Tonne einen unangenehmen Geruch verbreitet, ist das für Menschen ungefährlich. Das geht aus der Antwort des Landkreises Harburg auf eine Anfrage der FDP-Kreistagsfraktion hervor. Wie berichtet, wollten die Freidemokraten wissen, ob es möglich ist, die Biotonne in den Monaten zwischen Mai und September jede Woche und nicht wie derzeit alle 14 Tage leeren zu lassen. Die FDP-Fraktion hatte auf viele Klagen von Bürgern verwiesen, denen beim...

Panorama
Die DLRG rät, nur an bewachten Badestellen ins Wasser zu gehen

Viele Tote an ungesicherten Badestellen
24 Menschen sind bisher in Niedersachsen ertrunken

(bim). Eine Zwischenbilanz der bisherigen Ertrinkungszahlen veröffentlichte jetzt der DLRG-Bundesverband. Demnach sind in Niedersachsen 24 Menschen ertrunken und damit fünf weniger als im Vorjahr. Im Ländervergleich erreicht Niedersachsen dennoch den dritthöchsten Wert (in Nordrhein-Westfalen sind es 26, in Bayern 35). Bundesweit wurden 192 Ertrunkene registriert. Die meisten Unfälle ereignen sich nach wie vor im Binnenland - besondere Gefahr besteht an ungesicherten Badestellen, wie...

Panorama
Bei Drochtersen soll die A 20 die Elbe unterqueren. Der Tunnelbau könnte - wenn alles gut läuft - 2025 beginnen

Fertigstellung der A 20 weiter für 2030 angepeilt
Neuer Elbtunnel: Baubeginn soll 2025 sein

Ab 2030 sollen die ersten Autos durch den neuen Elbtunnel bei Drochtersen rollen.(jd).  Der Termin 2030 wurde in den Vorjahren immer wieder von Planern und Politikern genannt. Jetzt bestätigte der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Bernd Buchholz noch einmal indirekt die Zeitplanung: Er rechne damit, dass die A 20 in seinem Bundesland ab 2030 in ihrer kompletten Länge befahren werden kann, erklärte der Minister. Er dürfte dabei auch an die Elbquerung gedacht haben. Denn ohne den Tunnel...

Politik
Auf dem Gelände der Stadtwerke an der Maurerstraße soll in einer Halle ein Feuerwehrfahrzeug stationiert werden

Sechsmonatige Probephase geplant
Feuerwehrstandort bei den Buchholzer Stadtwerken?

os. Buchholz. Steht bald ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Holm in der Waschhalle der Buchholzer Stadtwerke, um von der Maurerstraße zu Einsätzen z. B. ein Steinbeck auszurücken? Das sehen zumindest die Pläne der Stadtverwaltung und der Feuerwehrspitze vor, die Buchholz' Stadtjustiziarin Hilke Henningsmeyer jüngst im Bauausschuss vorstellte. Demnach soll es einen sechsmonatigen Probebetrieb geben und hinterher über weitere Schritte entschieden werden. Hintergrund der Maßnahme ist...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen