Profanierung am 31. Januar
Letzter Gottesdienst in St. Michaelkirche in Harsefeld
- Die katholische Kirche hat beschlossen, ihr sanierungsbedürftiges Gotteshaus in Harsefeld abzureißen
- Foto: sb
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
Der letzte Weihnachtsgottesdienst in der katholischen Kirche St. Michael in Harsefeld war ein besonderes Erlebnis – mit großer Krippe, festlich geschmücktem Baum und spürbarer Gemeinschaft. Für viele Gemeindemitglieder war es zugleich ein stiller Abschied von ihrer Kirche.
Denn am Samstag, 31. Januar, wird das Gotteshaus profaniert, also entweiht. Der feierliche Gottesdienst beginnt um 18 Uhr und wird von Heinz-Günter Bongartz, dem ehemaligen Weihbischof aus Hildesheim, geleitet. Mit der Profanierung endet nach 60 Jahren die Geschichte der katholischen Kirche St. Michael in Harsefeld.
Die Zeremonie folgt festen liturgischen Regeln. „Zur Weihe eines Altars wird in den Altar eine Reliquie eingelassen – meist ein in Stein eingefasstes Knochenfragment eines Heiligen“, erklärt Katja Sobanja, leitende Seelsorgerin der katholischen Gemeinde Mariä Himmelfahrt. "Bei der Profanierung wird diese Reliquie nun wieder entnommen und zur Verwahrung nach Hildesheim gebracht. Vielleicht findet sie eines Tages in einer anderen Kirche ein neues Zuhause." Bevor die Reliquie entfernt wird, werden auf dem Altar kleine Flammen entzündet. Auch der Tabernakel, ein kunstvoll gestalteter Behälter für die geweihten Hostien, wird profaniert und aus der Kirche getragen. Schlussendlich wird das ewige Licht gelöscht. Die stets brennende Kerze neben dem Tabernakel symbolisiert die Gegenwart Christi in der Kirche.
Für die ältere Generation ist das ein besonders schwerer Schritt. Viele waren beim Bau der Kirche in den 1960er-Jahren selbst beteiligt oder erlebten die Einweihung mit. St. Michael entstand damals als sogenannte Fertigteilkirche – eine Bauweise, die nach dem Zweiten Weltkrieg vielerorts gewählt wurde, um zügig Gotteshäuser für katholische Flüchtlinge aus dem Osten zu errichten. Der Turm der Harsefelder Kirche besteht aus Rohrschachtbetonteilen, er hat aus statischen Gründen keine Glocke und nicht einmal eine Tür. Ursprünglich für 30 Jahre geplant, ist die Kirche heute 60 Jahre alt – mit deutlich sichtbaren baulichen Mängeln: Das Dach ist undicht, die Heizung unzureichend.
Doch auch gesellschaftliche Gründe spielen für den Abriss eine Rolle. Die Zahl der Gemeindemitglieder ist gesunken, die Mobilität gestiegen. „Viele fahren heute einfach in eine andere Gemeinde, die sie anspricht“, sagt Sobanja. Das Bild der Kirche hat sich verändert – von der einen Kirche vor Ort hin zu einer vielfältigen, vernetzten Glaubenslandschaft.
Trotz aller Wehmut bringt der Abschied auch eine neue Perspektive. Ein Käufer für das Grundstück steht fest: Die Rotenburger Werke, eine diakonische Einrichtung für Menschen mit Handicap, übernehmen das Areal. Die Kirche wird abgerissen, an ihrer Stelle entsteht ein Wohnhaus für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Der Gemeindesaal, der erst vor etwa 20 Jahren erbaut wurde, bleibt erhalten – und kann u.a. weiterhin kirchlich genutzt werden. Auch das kleine Übernachtungsangebot für Pilger bleibt bestehen.
So endet ein Kapitel – und ein neues beginnt. Die Kirche St. Michael verschwindet, doch ihr Geist lebt in der Erinnerung der Menschen weiter. Und auf dem Gelände, auf dem einst gebetet wurde, entsteht bald ein neuer Ort der Gemeinschaft.
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