"Es geht hier nicht um Denkmäler" - Interview mit Harsefelds Rathauschef Rainer Schlichtmann

Für Rathauschef Rainer Schlichtmann ist der Brückenbau auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes wichtig   Foto: jd
  • Für Rathauschef Rainer Schlichtmann ist der Brückenbau auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes wichtig Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Harsefeld. Für die einen ist es bereits ein handfester Streit, für die anderen eher eine intensive Diskussion. Fakt ist: Über kein anderes Thema wird in Harsefeld derzeit so leidenschaftlich diskutiert wie über den geplanten Brückenschlag am Bahnhof. Im Zuge dieses "Brücken-Streits" musste Rathauschef Rainer Schlichtmann einige Kritik einstecken. Davon war vieles überzogen und sachlich auch nicht gerechtfertigt. Das WOCHENBLATT gibt Schlichtmann im Rahmen eines Interviews die Gelegenheit, seine Sicht darzustellen.

WOCHENBLATT: Auf dem Info-Abend zum Brückenbau gab es einige Plädoyers zugunsten der Brücke, aber auch reichlich Kritik. Was haben Sie von diesem Abend mitgenommen?
Schlichtmann: Die Grobplanung mit dem Brückenbauwerk und dem eventuellen Einzugsbereich mit möglicher Finanzierung sind fertiggestellt. Der Zeitpunkt für eine entsprechende Info-Veranstaltung war richtig gewählt. Die Detailarbeit bleibt noch zu leisten und sorgfältig zu bearbeiten. Die überwiegend konstruktiven Vorschläge werden in der Gesamtplanung eingearbeitet. Die Brückenbaumaßnahme muss der Aufschlag für weitergehende Detailplanungen zur Einrichtung von Radverkehrswegen innerhalb des Flecken Harsefeld sein.

WOCHENBLATT: Böse Zungen behaupten, Sie wollen sich mit der Brücke ein Denkmal setzen, sprechen bereits von der „Rainer-Schlichtmann-Gedächtnis-Brücke“. Wie stehen Sie dazu?
Schlichtmann: Gesetzliche Aufgabe des Gemeindedirektors ist es, Beschlüsse der Ratsgremien vorzubereiten und diese dann auch umzusetzen. Beschlüsse zum Bau der Brücke liegen in vielfacher Form vor. Die Erforderlichkeit zum Bau der Brücke haben übrigens drei bis vier Planer unabhängig voneinander gesehen.
Als Gemeindedirektor, aber auch persönlich, stehe ich zu der Brücke, weil diese den Süden und Norden Harsefelds verbindet. Sie dient unter anderem der sicheren Erreichbarkeit der Spiel- und Freizeiteinrichtungen, der Seniorenanlage, des Bahnhofes und auch des Zentrums. Es wird die barrierefreie Erreichbarkeit des Bahnhofes ermöglicht. Es tritt eine erhebliche CO2-Ersparnis ein. Diesem Ziel hat sich der Flecken seit langer Zeit verschrieben. Die Bedeutung umweltrelevanter Themen wird weiter steigen.
Gemeinsam mit den Räten habe ich mich auch für viele Maßnahmen eingesetzt, ohne dass diese Einrichtungen mit meinem Namen in Verbindung stehen. Beispielhaft nenne ich die Sanierungsmaßnahmen der Bäder, der Eissporthalle, aber auch die Städtebauförderung mit der Marktstraße usw. Es geht hierbei nicht um Denkmäler, sondern um eine Verbesserung der Infrastruktur zugunsten unserer Bevölkerung.

WOCHENBLATT: Sie haben Fördermittel aus dem Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ beantragt. In der Projektskizze der Gemeinde für den Antrag ist von einem „Radverkehrskonzept“ die Rede. Da es dieses Konzept derzeit nicht gibt, wirft Ihnen der Grünen-Ratsherr Ralf Poppe vor, Fördermittel „erschleichen“ zu wollen. Wie reagieren Sie auf diesen Vorwurf?
Schlichtmann: Ausgangspunkt der Überlegungen des Herrn Poppe ist das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept, das vom Rat beschlossen wurde. Hierin sind Aussagen zu der Weiterentwicklung des Rad- und Fußverkehrs mit einem Mobilitätskonzept enthalten. Dieses integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept ist kein Bestandteil der jetzt dem Ministerium vorgelegten Bewerbungsunterlagen.
Die Behauptung des Herrn Poppe, es gäbe ein Radverkehrs- und Mobilitätskonzept im Zusammenhang mit dem jetzt gestellten Antrag, ist falsch. Richtig ist, dass in den Bewerbungsunterlagen der Begriff „Radverkehrskonzept“ enthalten ist, ohne dass es hierzu nähere Auskünfte gibt. Gemeint sind hiermit strategische und programmatische Aussagen zur Nahmobilität.
Den Vorwurf, öffentliche Gelder eventuell zu erschleichen, weise ich ausdrücklich zurück. Ich hoffe, dass Herr Poppe dem Flecken mit seinen Aussagen keinen Schaden zufügt.

WOCHENBLATT: Wie bewerten Sie die Chance, Fördermittel zu erhalten? Gibt es noch harte Konkurrenten?
Schlichtmann: Es spricht zunächst einmal für unsere Brückenbaumaßnahme, dass wir bei der Bewertung der Unterlagen in die engere Wahl gekommen sind. Weil mir die Anträge
der Mitbewerber nicht bekannt sind, ist es sachgerecht nicht möglich, eine Einschätzung unseres Antrages vorzunehmen. An Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen.

WOCHENBLATT: Sie wollen 800.000 Euro aus der sogenannten Infrastrukturabgabe (Überschuss aus den Grundstücksverkäufen im Neubaugebiet) für den Brückenbau verwenden. Wird das Geld nicht später für den nächsten Kindergartenbau benötigt?
Schlichtmann: Trotz erheblicher Investitionen in die Infrastruktur des Flecken ist es in den vergangenen 20 Jahren gelungen, die Verschuldung von ca. 1,8 Mio. Euro auf unter 200.000 Euro herunter zu fahren. Für in Aussicht genommene Maßnahmen wie dem Brückenbau und auch weiteren Infrastruktureinrichtungen werden in den nächsten Jahren keine Kreditaufnahmen benötigt.

WOCHENBLATT: Die Brücke kann beim Thema Radverkehr ja nicht isoliert behandelt werden. Wird Harsefeld irgendwann ein Radverkehrskonzept erhalten?
Schlichtmann: Ich erinnere unter anderem hier an meine mehrfachen Aussagen während der Informationsveranstaltung. Hier habe ich ergänzende Pläne angekündigt. Auftakt für weitergehende Planungen ist die Brücke.

WOCHENBLATT: Sie sind ja auch öfter mit dem Rad unterwegs. Wann, denken Sie, werden Sie das erste Mal über die Brücke radeln können?
Schlichtmann: Gemeinsam mit dem Rat und unserer Bevölkerung möchte ich die Fertigstellung in der zweiten Hälfte 2019 feiern und hierbei dann auch mit vielen anderen über die Brücke radeln.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Service

13. April: Die Corona-Zahlen im Landkreis Harburg
72,71: Inzidenzwert deutlich höher

(sv). Der Corona-Inzidenzwert im Landkreis Harburg ist am heutigen Dienstag, 13. April, wieder deutlich angestiegen: von 60,6 am Vortag auf aktuell 72,71. Über Ostern war die Inzidenz zurückgegangen, was laut RKI-Präsident Lothar Wieler unter anderem an weniger durchgeführten Tests lag (das WOCHENBLATT berichtete). Wieler betonte, dass sich erst im Laufe dieser Woche zeigen werde, wie sich die Corona-Zahlen nach den Osterferien tatsächlich entwickeln. Die Zahl der aktiven Fälle steigt...

Politik
Vorsitzender Dr. Lars Teschke (li.) und Gerd Kruse (beide Verein für gesunden Lebensraum) am Rübenberg bei Ohlendorf. Etwa 150 Meter von ihnen entfernt ist eine 200 Meter hohe 
Windkraftanlage geplant

Naturschutz contra Energiewirtschaft
Wirbel um geplantes 200 Meter hohes Windrad bei Ohlendorf

ts. Ohlendorf. Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Wohnen, Gewerbe oder Naturschutz - die Konkurrenz um Flächen ist groß. In Seevetal ist deshalb die Absicht der Enertrag AG mit Sitz in Dauerthal (Brandenburg) umstritten, eine 200 Meter hohe Windkraftanlage am Rübenberg bei Ohlendorf zu errichten. Dazu müsste der Landkreis Harburg genehmigen, dass die Anlage näher an Wald, Wegen und Wohnbebauung heranrücken darf, als es geltende Abstandsregeln vorsehen. Im laufenden Genehmigungsverfahren hat...

Service
Ein Schnelltest gibt Aufschluss, ob man das Virus in sich trägt
3 Bilder

Kostenlose Schnelltests in Apotheken oder Testzentren helfen im Kampf gegen die Pandemie
Mehr Sicherheit im Alltag

(sb). Seit dem 8. März hat jeder Bürger einmal pro Woche Anspruch auf einen kostenlosen Coronatest. Er gilt als wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Pandemie. Denn jede frühzeitig erkannte Infektion trägt dazu bei, das Virus einzudämmen. Finanziert werden die Tests und deren Durchführung vom Bund, für den Bürger entstehen keine Kosten. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wird das Personal bereits seit mehreren Monaten regelmäßig auf eventuellen Virenbefall geprüft. Jetzt gibt es das auch...

Panorama
Manfred Pankop zeigt die ärztliche Bescheinigung, dass er aus 
gesundheitlichen Gründen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen muss

Neu Wulmstorfer fühlt sich aufgrund seiner Erkrankung diskriminiert
"Wo darf ich noch ohne Maske einkaufen?"

sla. Neu Wulmstorf. Manfred Pankop ist verzweifelt. Im vergangenen Jahr wurde der 65-Jährige wegen Verdachts auf Lungenkrebs an der Lunge operiert. Zum Glück bestätigte sich der Verdacht nicht, da es sich um einen gutartigen Tumor handelte, der ihm entfernt wurde. Dennoch ist der Neu Wulmstorf seitdem gesundheitlich stark beeinträchtigt und ausgesprochen kurzatmig. Insbesondere das Tragen der Corona-Schutzmaske verursache bei ihm regelrechte Atemnot, verbunden mit extremen Hustenanfällen. "Ich...

Panorama

Corona-Ausbrüche in vier Betrieben: Fälle hängen miteinander zusammen
Inzidenzwert im Landkreis Stade liegt drei Tage hintereinander über 100

jd. Stade. Drei Tage hintereinander eine Sieben-Tage-Inzidenz jenseits der 100er-Marke: Der Landkreis Stade gilt jetzt als Hochinzidenzgebiet. Welche Konsequenzen das haben kann, ist allerdings noch offen. Am Sonntag lag der Inzidenzwert erstmals in diesem Jahr über 100. Gemeldet wurden 113,0 Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Am Montag war der Wert mit 112,0 Fällen pro 100.000 Einwohner nur unwesentlich niedriger. Für den heutigen Dienstag wird eine Inzidenz von 113,9...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen