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Droht die nächste Wasser-Krise? Trinkwasserverband Stader Land hat Krisenmanagement angepasst

Planschen ist erlaubt und auch der Rasen darf bewässert werden - doch wie lange noch? Foto: Fotolia/Superingo
+++ Aktuelle Meldung (25.07. 13.00 Uhr): Durch die seit Wochen anhaltende Trockenheit sieht sich der Trinkwasserverband Stader Land erneut gezwungen, Nutzungseinschränkungen beim Gebrauch von Trinkwasser anzuordnen.
Ab sofort ist die Nutzung des Trinkwassers aus dem öffentlichen Versorgungsnetz des Trinkwasserverbandes Stader Land für Beregnungszwecke (außer Handgefäß), Wagenwaschen und für die Befüllung privater Schwimmbäder untersagt. +++

+++ Aktuelle Meldung
(25.07., 9.00 Uhr): Die anhaltende Trockenheit hat erneut zu einem starken Wasserverbrauch in den abendlichen Spitzenzeiten geführt. Der Trinkwasserverband bittet daher alle Kunden, die Bewässerung der Gärten und das Waschen von Autos einzustellen. In Kürze wird voraussichtlich ein offizielles Bewässerungsverbot ausgesprochen.  +++


jd. Dollern.
Weiterhin sonnige Aussichten: Laut Wetterbericht ist ein Ende des Jahrhundert-Sommers nicht in Sicht. Die Temperaturen liegen deutlich über 30 Grad und kein nennenswerter Regen in Sicht. Droht angesichts der Hitzewelle womöglich erneut eine Wasser-Krise in Teilen des Landkreises Stade? Das WOCHENBLATT fragte beim Trinkwasserverband Stader Land nach. Dessen Geschäftsführer Fred Carl will nicht ausschließen, dass es bei der Wasserversorgung zu den Spitzenzeiten am Abend wieder knapp werden könnte. Noch ist Ferienzeit. Doch wenn ab Anfang August die meisten Urlauber wieder heimgekehrt sind, könnte bei anhaltender Sommerhitze auch der Wasserverbrauch zumindest zeitweise wieder nach oben schnellen.

"Es handelt sich aber nicht um eine Wasserknappheit", erläutert Carl: "Als am 26. Mai unser Netz auf der Stader Geest zusammenbrach, lag das am fehlenden Wasserdruck." Die Brunnen des Verbandes seien zu jeder Zeit ausreichend voll gewesen. Carl erläuterte das Geschehen rund um das Kollabieren der Wasserversorgung kürzlich auf einer Sitzung des Harsefelder Rates. Die Politiker wollten wissen, wie solch eine Situation künftig zu vermeiden ist. Im Prinzip gar nicht, so Carl: "Jede andere Antwort wäre nicht ehrlich." Niemand könne garantieren, dass technische Systeme störungsfrei laufen.

Laut Carl wurde der Störfall von Ende Mai, bei dem das Wasser vielerorts nur noch tröpfelweise aus den Hähnen kam, gründlich analysiert. Das Ergebnis: "Der Trinkwasserverband hat sein Krisenmanagement angepasst und wird künftig früher auf Probleme beim Wasserdruck reagieren", so der Geschäftsführer. Die Konsequenz: "Wir werden beim nächsten Mal rechtzeitig ein Bewässerungsverbot aussprechen, sodass es gar nicht erst zum Netz-Kollaps kommt." Carl räumt ein, die Situation Ende Mai falsch eingeschätzt zu haben und daher zu spät Maßnahmen ergriffen zu haben: "Jetzt sind wir schlauer und handeln sofort."

Im Klartext bedeutet das, dass die Bürger in diesem Hitze-Sommer jederzeit wieder mit Nutzungseinschränkungen rechnen müssen. Trinkwasser werde aber immer in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, wenn sich die Kunden an die Verbote halten, so Carl. Dass die Wasser-Krise allein auf das Nutzungsverhalten und nicht auf die technischen Kapazitäten zurückzuführen ist, machte Carl anhand von Grafiken deutlich. So nahm der Wasserdruck in Ahlerstedt und Harsefeld regelmäßig zwischen 18 und 21.30 Uhr ab. Das ist die Zeit, wenn die Menschen von der Arbeit nach Hause kommen, duschen, die Waschmaschine anstellen und den Garten bewässern.

Herrschte sonst ein Druck von durchschnittlich zwei bis drei bar, sackte er in den Tagen rund um den 26. Mai deutlich ab unter fiel an diesem Tag selbst auf 0,5 bar. "Es ist eben der starke Anstieg des Wasserverbrauchs in den Spitzenzeiten, der uns quält", erklärt Carl. Dagegen sei man quasi machtlos. Größere Rohre seien jedenfalls keine Lösung: "Dann werden die Leitungen nicht ausreichend gespült und es können sich gefährliche Keime bilden." Auch den Vorwurf, der Verband investiere nicht genug in neue Leitungen, weist Carl zurück: "Bei jedem Neubaugebiet verlegen wir zusätzliche Rohre und machen das Netz immer engmaschiger, um Ausfälle zu vermeiden."

Doch irgendwann sei auch das Budget erschöpft: "Wir haben eine neue Transportleitung von Heinbockel nach Harsefeld geplant. Kalkuliert habe der Verband mit 2,8 Mio. Euro. "Doch das günstigste Angebot lag bei 5,6 Mio. Euro. Den doppelten Preis können wir nicht zahlen."