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Daten-Turbo für die Dörfer rund um Ahlerstedt

Hans-Jürgen Geiß (v .li.), Björn Muth und Joachim Wiegel von der EWE gaben Einblicke in die neue Breitband-Technik Foto: jd
jd. Ahlerstedt. Bereits im Februar war in Ottendorf mit einem Ersten Spatenstich der Ausbau des schnellen Internets in der Gemeinde Ahlerstedt eingeläutet worden. In sieben Dörfern bzw. Ortsteilen rund um Ahlerstedt sind im Auftrag des Telekommunikationsdienstleisters EWE mittlerweile die Bagger angerückt, um im Rahmen eines millionenschweren Breitband-Förderprogramms des Bundes Glasfaserkabel zu verlegen. Doch bislang kann dort noch kein Kunde von dem neuen Daten-Turbo profitieren: Die Hausanschlüsse sind noch nicht installiert. Die EWE kam jetzt wieder nach Ottendorf, um die betroffenen Hauseigentümer über die Vertrags-Modalitäten zu informieren. Bei dem Info-Abend im Dorfgemeinschaftshaus war nach den langen Monaten des Wartens allerdings nichts mehr von der Euphorie zu spüren, die noch beim Ersten Spatenstich herrschte.

Die Fragen der potenziellen Neukunden drehten sich vor allem um die Kosten des Hausanschlusses. Wer sich bis zum 31. Oktober entschließt, einen Auftrag für ein superschnelles Glasfaserprodukt mit einer Übertragungsrate ab 75 Megabit pro Sekunde (MBit/s) zu erteilen, zahlt für den Hausanschluss 399 Euro. Für Ahrensmoor gilt eine etwas längere Frist. Dort muss man sich bis zum 15. November entscheiden. Danach werden 999 Euro fällig.

In beiden Fällen erhebt die EWE aber einen Zuschlag, wenn das Haus weiter als 30 Meter entfernt von der Hauptleitung an der Straße liegt. Pro zusätzlichem Meter werden 35 Euro berechnet. Dieser geplante Preisaufschlag führte dazu, dass einige Hausbesitzer auf der Info-Veranstaltung ihrem Unmut Luft machten. Sie ärgerten sich, dass sie zum Teil bis zu 2.000 Euro zusätzlich zahlen sollen. In Einzelgesprächen mit den vor Ort anwesenden EWE-Kundenbetreuern klärten sich jedoch die meisten Probleme: Den Vorab-Berechnungen lagen oft falsche Katasterangaben zugrunde.

Laut EWE-Kommunalbetreuer Björn Muth handelt es sich mehr oder weniger um Einzelfälle: "Bei mehr als 95 Prozent unserer Kunden dürfte die Umstellung auf Glasfaser reibungslos und ohne größere Zusatzkosten vonstatten gehen." Muth hatte auf der Veranstaltung auch das weitere Prozedere nach der Auftragserteilung umrissen. Ein von der EWE beauftragtes Tiefbauunternehmen wird bei jedem Kunden Löcher am Straßenrand und direkt an der Hauswand buddeln.

Für das Verlegen des Glasfaserkabels bis zum Haus muss im Regelfall nicht der Vorgarten aufgegraben werden. "Wir setzen eine sogenannte Erdrakete ein", erläuterte Muth: "Sollten Baumwurzeln im Weg sein, wird ein Spülbohrer verwendet." Nur bei größeren Hindernissen ist es laut Muth erforderlich, einen Schacht zu graben: "Das kommt aber selten vor."

Außerdem muss für das neue Kabel noch ein Loch in der Hauswand gebohrt und ein spezielles "Netzabschlussgerät" installiert werden. Dieser kleine Apparat stellt die Schnittstelle zwischen der Glasfaserleitung und den Internet-Endgeräten im Inneren des Hauses dar. Der bisherige Telefon-Anschluss der Telekom, die sogenannte "letzte Meile", bleibt parallel dazu bestehen und kann bei Bedarf weiter genutzt werden.

"Frühestens zum Jahreswechsel werden wir beginnen, die Hausanschlüsse zu aktivieren", sagt Muth. Ab Januar können dann die ersten Kunden mit Geschwindigkeiten von 100 MBit/s aufwärts durchs Internet rauschen.

Zuschüsse von Bund und Land

Laut Bürgermeister Uwe Arndt steht Ahlerstedt bei den Investitionen in den Breitband-Ausbau derzeit kreisweit an der Spitze aller ländlichen Kommunen. Für die aktuelle Fördermaßnahme haben Bund und Land 4,8 Mio. Euro bereitgestellt, damit im Landkreis Stade rund 6.600 Haushalte - darunter mehr als 1.000 in der Gemeinde Ahlerstedt - an die Datenautobahn angeschlossen werden. Die EWE hatte bereits im Juli 2017 den Zuschlag für die Maßnahme erhalten. Aufgrund der bürokratischen Hürden verzögerte sich allerdings der Baubeginn.

EWE hatte sich in der Ausschreibung gegen die Konkurrenten Telekom und Kabel Deutschland durchgesetzt. Das Fördergeld wird als Zuschuss an das Unternehmen gezahlt, um vor allem die Kosten für die teuren Erdarbeiten zu decken. Ohne diese Bezuschussung wäre es für die EWE wirtschaftlich nicht rentabel, das Glasfasernetz in ländlichen Regionen auszubauen. Gemäß der Ausschreibung ist die EWE verpflichtet, dass künftig mindestens 95 Prozent der Haushalte im Fördergebiet über ein DSL-Tempo von 30 Mbit/s oder höher verfügen müssen.