Ein gefährlicher Schandfleck in Bendestorf

Ein schlimmer Anblick: Seit Wochen ruhen die Abrissarbeiten in Bendestorf
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Nach Abriss-Stopp: Kinder spielen in Ruinen des ehemaligen Filmstudios.

mum. Bendestorf. Film-Legende Hildegard Knef würde sich im Grab umdrehen, wenn sie wüsste, wie es auf dem ehemaligen Filmstudio-Areal in Bendestorf aussieht. Dort, wo Knef Anfang der 1950er Jahre "Die Sünderin" drehte und zum Filmstar aufstieg, hat die Abrissbirne zugeschlagen. In den alten Filmhallen klaffen riesige Löcher. Doch das ist nicht der Skandal. Bereits nach kurzer Zeit stoppten die Abriss-Arbeiten wieder. "Wir mussten ein neues Gutachten erstellen lassen, um nachzuweisen, dass sich dort keine Fledermäuse eingenistet haben", sagt Projektentwickler Friedrich W. Lohmann, der dort 30 Wohnungen plant. Doch das darf keine Entschuldigung dafür sein, dass die Baustelle nahezu ungesichert ist. "Immer wieder kommen Kinder und Teenager hier her, um in den Ruinen auf Schatzsuche zu gehen", schildert eine Anwohnerin ihre Beobachtungen. Es sei ein Wunder, dass sich noch niemand verletzt habe.
Lohmann - am Montag mit den Fakten konfrontiert - sieht die Schuld bei den Bendestorfer Bürgern. "Der Bauzaun wird immer wieder geöffnet und Fremde laden dort ihren Bauschutt ab. Dagegen bin ich machtlos." Dennoch will er reagieren. "Noch bevor das WOCHENBLATT am Mittwoch erscheint, wird das Areal gesichert sein", verspricht er.

"Ich bringe das zu Ende!"

"Ich bringe das zu Ende", sagt Friedrich W. Lohmann voller Überzeugung. "Auch wenn es zu Verzögerungen gekommen ist und die Gerüchteküche brodelt, lasse ich mich davon nicht aus der Ruhe bringen." Der Projektentwickler nimmt im WOCHENBLATT-Gespräch die Gelegenheit wahr, über den Projektstand aufzuklären.
Lohmann ist mit der Überplanung des ehemaligen Filmstudio-Areals in Bendestorf betraut. Die Brüder Horst und Hans-Joachim Fink, Eigentümer des Grundstücks, hatten die gut 12.000 Quadratmeter große Fläche Ende vergangenen Jahres an die Investoren Hans-Gerd Peters und Horst Ferch verkauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Das ursprüngliche Konzept sah 30 Wohnungen in unterschiedlichen Gebäudetypen vor. Die Investoren hofften auf eine Fertigstellung Ende 2018. Doch dieser Zeitplan ist nicht mehr realisierbar. Laut Lohmann sind gerade einmal 30 Prozent der notwendigen Abrissarbeiten abschlossen.
"Weil es schon bei der Planung zu Verzögerungen gekommen ist, mussten wir ein neues Fledermaus-Gutachten in Auftrag geben", so Lohmann. Vor Beginn des Abrisses sei so ein Gutachten bereits umgesetzt worden. "Damals ging es um die Frage, ob Fledermäuse ihre Winterquartiere in den alten Gebäuden hätten. Es gab keine Hinweise. Nun musste überprüft werden, ob die Tiere dort ihre Sommerquartiere eingerichtet haben." Laut Lohmann sei das Ergebnis der Untersuchung erneut negativ. "Leider hat es sehr lange gedauert, einen Sachverständigen zu bekommen."
Diese Verzögerung führte dazu, dass das Unternehmen Ferch Baumaschinen GmbH aus Winsen, das mit den Abrissarbeiten beauftragt war, einen anderen Auftrag in Braunschweig angenommen habe und langfristig gebunden sei. Ferch gehört aber das Areal in Bendestorf - über die Tochter TF GmbH (das F steht für Ferch). Offensichtlich ist der Fremdauftrag attraktiver als die eigene Baustelle.
Ferch rückte so schnell in Bendestorf ab, dass noch nicht einmal genügend Zeit blieb, die Baustelle vernünftig abzusichern. Durch offene Türen können Neugierige leicht in das Innere des Komplexes gelangen. "Die Zäune werden immer wieder von Fremden geöffnet", schiebt Lohmann die Verantwortung weiter. Allerdings sind weite Teile des Areals gar nicht versperrt. Immerhin: Lohmann will das nun aufgrund der WOCHENBLATT-Kritik ändern.
Für eine weitere Verzögerung haben vier Grundstückseigentümer gesorgt, deren Häuser am Hang oberhalb des Filmstudios liegen. Wie berichtet, fürchteten die Eigentümer ein Absacken ihrer Häuser. Deswegen musste zunächst noch in einem Beweissicherungsverfahren geklärt werden, inwiefern der Abriss die Gebäude beeinträchtigen könnte. Dem Schutz der Anwohner werde nun Rechnung getragen, dass die lange Halle hinter dem Filmmuseum, der einstige Fundus, erhalten bleibt. Ebenso ein Teil des daran anschließenden Gebäudes.
"Derzeit arbeiten wir an einem neuen Konzept für diese Häuser", so Lohmann. Er könne sich vorstellen, dass dort Loft-ähnliche Wohnungen entstehen. Letztlich muss dafür aber der Bebauungsplan geändert oder zumindest mit Befreiungen versehen werden. Betroffen sind zwei der geplanten fünf Gebäude. "Wir werden aus diesem Grund im ersten Schritt nur drei Gebäude mit 21 Wohneinheiten fertigstellen", so Lohmann. Einen Zeitplan darüber, wie es es wann auf der Baustelle weitergeht, kann Lohmann nicht nennen.
Interessant: Alte Fotos aus den 1960er Jahren sollen zeigen, dass dass der Hang aufgeschüttet wurde. Haben die Eigentümer vielleicht den Aushub beim Bau ihrer Häuser verwendet, um ihre Grundstücke illegal zu vergrößern. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, wäre es ein Fall für den Landkreis. "Ich bin mit den Eigentümern in guten Gesprächen und möchte das nicht gefährden", so Lohmann. Letztlich hätten die früheren Eigentümer des Studio-Areals damals gegen diese Maßnahme vorgehen müssen. Jetzt ist es zu spät." 

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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