Jesteburg: Dachbodenfund bei Bossard
"Verborgener Schatz" wird ausgestellt
- Das Monumentalwerk "Tatkraft" galt lange als verschollen, erläutert Katharina Groth
- Foto: pöp
- hochgeladen von Gabriele Poepleu
"Ich glaube, das hier ist Kunst!", rief ein aufmerksamer Dachdecker Kuratorin Katharina Groth von der Kunststätte Bossard entgegen. Er und seine Kollegen entdeckten im Sommer 2024 bei Sanierungsarbeiten am Wohn- und Atelierhaus der Kunststätte Bossard insgesamt 28 Kunstwerke. Diese wurden inzwischen restauriert und werden jetzt der Öffentlichkeit in der Sonderausstellung "Verborgener Schatz" vorgestellt, die noch bis Mai 2026 zu sehen sein wird.
Zunächst hatten die Handwerker die unscheinbaren Rollen in dem verborgenen, nur über das Dach erreichbaren Raum für Teppiche oder Vorhänge gehalten. Doch tatsächlich handelte es sich um 24 zu Johann Michael Bossards Monumentalgemälde "Tatkraft" aus dem Jahr 1907/08 gehörende Leinwände, drei weitere Bossard-Gemälde und eine Zeichnung aus dem Bossardschen Frühwerk - ein spektakulärer Fund!
Die Bilder waren in besserem Zustand, als Museumsleiterin Heike Duisberg-Schleier dies befürchtet hatte. "Obwohl dort oben höchst ungünstige klimatische Bedingungen herrschten, sind zum Beispiel die Farben gut erhalten." Wegen der unsachgemäßen Lagerung als nicht stabilisierte Rollen sind allerdings im Laufe der über hundert Jahre Knicke entstanden, die nun von Restauratorin Stefanie Nagel so gut wie möglich geglättet wurden.
So hatten die Tatkraft-Teile bisher als verschollen gegolten. Die insgesamt 28 Leinwände nehmen zusammengenommen eine Fläche von 18 mal fünf Metern ein, eine Größe, die die Hänge-Möglichkeiten des Museums übersteigt. Deshalb wurden zentrale Teile für die Ausstellung ausgewählt und restauriert.
Mit dem Tatkraft-Bild wollte der Künstler Anfang des 20. Jahrhunderts demonstrieren, dass auch er - einem Trend der Zeit folgend - zu monumentaler Gestaltung in der Lage sei. Ein Käufer fand sich für das große Werk mit deutlichen Motiven aus dem Hamburger Hafen allerdings nie, auch nicht nach dessen Ausstellung in Hamburg, Berlin und in der Schweiz, sodass - so die Vermutung - das Werk erst einmal eingelagert wurde.
Außerdem wird das Werk "Die Heiligen Tage" aus dem Jahr 1918 in der Sonderausstellung an einem besonderen Platz im Obergeschoss gezeigt. Dies war das erste Bild, das die Handwerker als ein solches identifizierten, weil es - anders als üblich - mit der farbigen Seite nach außen aufgerollt worden war. Zwei gefundene Portraits und die Zeichnung - sie stammt wohl noch aus Bossards Studienjahren - liefern ebenfalls wichtige Erkenntnisse zu Bossards Frühwerk.
Bis März 2026 bietet die Kunststätte Bossard immer samstags um 12 Uhr eine Führung zur Sonderausstellung. Anmeldungen werden unter 04183/ 5112 oder per E-Mail an info@bossard.de angenommen.
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