Bauern kritisieren Konferenz zur Landwirtschaft
"Das ist verlorene Zeit"

Die Zukunft der Landwirtschaft steht zur Diskussion: Ist eine "Transformation" nötig? | Foto: pöp
  • Die Zukunft der Landwirtschaft steht zur Diskussion: Ist eine "Transformation" nötig?
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Am 4. Mai lädt Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) zur Konferenz nach Berlin. Thema: Die "Transformation der Landwirtschaft und Ernährung". Was kann dabei herauskommen? Landwirte aus den Landkreisen Harburg und Stade sind überwiegend skeptisch: "Das ist vertane Zeit", schätzt der Stader Kreislandwirt Johann Knabbe aus Fredenbeck die Konferenz ein. Martin Peters, Kreislandwirt aus dem Landkreis Harburg, findet vor allem den Umbau der Tierhaltung zu mehr Tierwohl wichtig. "Da müssen wir endlich ins Handeln kommen."

"Da sind keine praktisch arbeitenden Landwirte eingeladen, sondern überwiegend Vertreter der Umweltverbände", moniert Knabbe. "Ich wünsche mir, dass die zentrale Rolle der Landwirtschaft für die Ernährung nicht wieder hinten runter fällt." Er würde auch nicht von "Transformation" sprechen, sagt Knabbe. "Denn vieles machen wir jetzt schon richtig. Wir müssen vor allem Verbesserungen erreichen." Und der Leistungsgedanke dürfe auch nicht vollends aus dem Blick geraten.

Er hat wenig Hoffnung, dass Sinnvolles bei der Konferenz herauskomme: "Wir brauchen nicht noch mehr Regeln aus Berlin." Auch Peters kritisiert die Bürokratie: Der Abbau bürokratischer Hürden sei enorm wichtig.

Knabbes Problem: Bei den Vorgaben, die in Berlin gemacht werden, würde nicht regional genug gedacht. Beispiel Trockenheit: Während immer wieder über zu große Trockenheit durch den Klimawandel debattiert würde, "haben wir hier im Norden gerade ein Nässeproblem und können deshalb nicht auf unsere Äcker. Ich muss vor Ort entscheiden können, wie ich da reagiere. Sonst ist das Planwirtschaft, und dass das nicht funktioniert, wissen wir ja."

Worum soll es in Berlin im einzelnen gehen? Um den Umgang mit der Klimakrise, den "Umbau" der Tierhaltung, um den Trend zur pflanzenbetonten Ernährung, um den Ökolandbau und die Energiewende im ländlichen Raum. Zum Thema Energie sagt Johann Knabbe: "Dann müssen wir auf größere Maschinen umstellen, die sind in der Regel energieeffizienter." Und das rentiere sich ohnehin nur bei intensiver Bewirtschaftung. "Wenn ich viel Ertrag bei einem Acker habe und dann 18 Liter Diesel pro Hektar verbrauche, ergibt das mehr Sinn, als wenn auf der gleichen Fläche wenig Ertrag erwirtschaftet wird - der Dieselverbrauch bleibt immer gleich." Im Raum Stade sei dafür ohnehin immer großer Düngereinsatz nötig, da überwiegend Sandböden vorhanden seien. "In Gegenden mit Schwemmland, zum Beispiel den Vier- und Marschlanden, sieht das wieder ganz anders aus."

Wäre mehr Ökolandbau in Knabbes Augen sinnvoll? "Im Grunde nur bei Gemüse- und Obstanbau, wo wir ohnehin viel Handarbeit haben und besondere Absatzmärkte wie Hamburg." Peters bestätigt das: "Hier bei uns im Landkreis Harburg gibt es gute Möglichkeiten der Direktvermarktung, dieses sollte unterstützt werden." Vor allem die bäuerlichen Familienbetriebe machen ihm Sorgen. "Junge Landwirte müssen besser unterstützt werden." Und für die Forstwirtschaft wünscht sich Peters an den Klimawandel angepasste Regeln, "dass auch Bäume gepflanzt werden dürfen, die auch noch in 30 Jahren wachsen".

Johann Knabbe empfiehlt dem Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, selbst einmal drei Tage praktisch auf einem konventionellen Hof zu arbeiten. "Dann kann man ein besseres Verständnis für unsere Arbeit entwickeln."

Redakteur:

Gabriele Poepleu aus Seevetal

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