"Wir haben zu 100 Prozent Jesteburg im Fokus"
Interview mit den Spitzenkandidaten der neu gegründeten WIN, Elke Feldhaus und Henning Buss

Treten für die neue Wählerinitiative Jesteburg (WIN) als Spitzenkandidaten an: Elke Feldhaus und Henning Buss
  • Treten für die neue Wählerinitiative Jesteburg (WIN) als Spitzenkandidaten an: Elke Feldhaus und Henning Buss
  • Foto: Antje Wulf
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as. Jesteburg. Das war eine Überraschung: Zur Kommunalwahl in Jesteburg hat sich eine neue Wählergemeinschaft gegründet, die Wähler-Initiative Jesteburg (WIN). Als Spitzenkandidaten für Jesteburg wurden Henning Buss (Listenplatz eins der Gemeinderatswahl), 37 Jahre, Wirtschaftsinformatiker, sowie Elke Feldhaus, 59 Jahre, Geschäftsführerin und Mediatorin (Gemeinderatswahl Listenplatz 2, Samtgemeinderatswahl Listenplatz 5) aufgestellt. Im WOCHENBLATT-Interview sprechen die Spitzenkandidaten der WIN darüber, wieso jetzt Zeit für eine neue Wählergemeinschaft im Rat ist.
WOCHENBLATT: Wieso braucht es eine neue Wählergemeinschaft?
Elke Feldhaus: Ich bin der Auffassung, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger aus Jesteburg und seinen Ortsteilen in den vorhandenen Parteien und Wählergruppen nicht wiederfinden. Viele Bürger erleben zunehmend eine Entfremdung und Spaltung zwischen Politik und Bürgern: ich möchte dem mit nachvollziehbarer, unabhängiger und sachbezogener Politik entgegenwirken.
Henning Buss: Ich meine: SPD-seitig alles auf Udo zu setzen, der mehrmals betont hat, dass er nicht wieder kandidieren möchte, ohne neue Ideen und neue Köpfe auf den vorderen Listenplätzen, ist uns zu wenig. Bei der CDU habe ich das Gefühl, dass überwiegend mit Kandidaten von vor zehn bis 20 Jahren angetreten wird, und das auch mit entsprechenden Überzeugungen. Und ja, die UWG habe ich als Einzelkämpfer erlebt. Vorschläge scheiterten an der oft fehlenden Kompromissbereitschaft der UWG. Die WIN wird da eine transparente, kompetente und unabhängige Alternative bieten.
WOCHENBLATT: Was fehlt Ihnen in der politischen Landschaft Jesteburgs?
Elke Feldhaus: Mir fehlt die Beteiligung der Bürger und die Transparenz, vor allem in das Dorf verändernden Projekten.
Henning Buss: Mir fehlt die Kompromissbereitschaft im Rat. Alle müssten nach meiner Auffassung mehr zusammenarbeiten. Wir kommen nicht weiter, wenn jeder auf seiner Meinung beharrt.
WOCHENBLATT: Der Großteil ihrer Mitglieder ist in diesem Jahr aus der CDU ausgetreten - werden Sie jetzt die Politik der CDU unter neuem Namen fortführen?
Elke Feldhaus: Ein ganz klares Nein von uns. Die politischen Inhalte der WIN unterscheiden sich deutlich von denen der CDU im Hinblick auf Umwelt- und Klimaschutz, Bürgerbeteiligung, Transparenz und Unabhängigkeit.
WOCHENBLATT: Was waren die Gründe für den Austritt?
Henning Buss: Wir haben versucht, die meisten unserer aktuellen Themenschwerpunkte einzubringen. Leider gab es in der CDU von einigen Personen keine Akzeptanz und Unterstützung dafür. Da wir zu unseren politischen Überzeugungen stehen, haben wir die CDU verlassen und folgerichtig eine neue Wähler-Initiative ins Leben gerufen.
WOCHENBLATT: Was unterscheidet die WIN von den bestehenden Parteien und Wählergemeinschaften?
Elke Feldhaus: Unser Team hat die Kompetenzen und den Willen, in der Sache unaufgeregt zu diskutieren und am Ende einen Kompromiss für Jesteburg und seine Bürger zu finden. Wir behalten dabei die Bürger und ihre Interessen im Fokus. Mit sieben Mitgliedern sind wir ein relativ kleines Team, aber dafür sind wir alle motiviert und engagiert.
Henning Buss: Bei uns wird jeder gut vorbereitet in die Sitzungen gehen. Wo Ortsverbände der etablierten Parteien nicht ungebunden entscheiden können, sondern die Beschlüsse ihrer Parteien aus Bund, Land und Landkreis mittragen müssen, haben wir zu 100 Prozent die Samtgemeinde Jesteburg im Fokus.
WOCHENBLATT: Zu Ihren Zielen gehört die frühe Einbindung der Bürger - wie wollen Sie das umsetzen?
Elke Feldhaus: Ich möchte in Jesteburg „Dorfgespräche“ initiieren und als festen Bestandteil des Dialogs zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung etablieren. Mit Hilfe der Dorfgespräche eröffnen sich neue Möglichkeiten der Kommunikation und fördern damit einen intensiven Austausch aller Bürger untereinander und mit der Politik und Verwaltung. Das ist ein neuer Ansatz: Politik von den Bürgern ausgehend, nicht anders herum.
WOCHENBLATT: Wie wollen Sie die Bürger über die Ratsarbeit informieren? Reichen die bisherigen Kanäle nicht aus?
Henning Buss: Die bisherigen Kommunikationswege sind grundsätzlich nicht verkehrt. Viele Bürger nutzen diese, um sich zu informieren. Allerdings muss ich auch sagen, dass diese sehr von den Interessen der jeweiligen Partei gefärbt sind. Wir wollen eine andere Sicht der Dinge aufzeigen, sachlich und nachvollziehbar.
WOCHENBLATT: Was sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Themen, die in Jesteburg nach der Wahl angepackt werden müssen?
Elke Feldhaus und Henning Buss: Die Weichenstellung und Abschluss der aktuellen Bebauungsplan-Entwicklungen im Bereich Itzenbüttel. Das Baugebiet Seevekamp Süd muss auf den Prüfstand. Zu Bauumfang, Verdichtung und massivem sozialen Wohnungsbau haben wir deutlich andere Vorstellungen. Wir meinen: Gerade am Seevekamp Süd wurden die Anwohner und Bürger nicht mitgenommen.
Bahnhaltepunkt Jesteburg – dieser wird das Dorf absehbar grundlegend verändern. Da müssen wir eine Bürgerbefragung für den Standort durchführen und alle Auswirkungen bedenken. Außerdem benötigen wir konkrete Maßnahmen im Umwelt- und Klima-Schutz. Und da müssen wir die Bürger und ihre Ideen mitnehmen!
WOCHENBLATT: Vielen Dank für das Gespräch.

Ausgaben von heute sind Schulden von morgen
Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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