Setzt Jesteburg künftig stärker auf Gewerbe?

Die Gemeinde Jesteburg sicherte sich das Areal des Reitvereins Ende des Jahres.  Die CDU möchte dort jetzt „Wohnen und Arbeiten“ realisieren
2Bilder
  • Die Gemeinde Jesteburg sicherte sich das Areal des Reitvereins Ende des Jahres. Die CDU möchte dort jetzt „Wohnen und Arbeiten“ realisieren
  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

CDU will zwei Hektar am Ortsrand für „Wohnen und Arbeiten“ ausweisen.

mum. Jesteburg. „Jesteburg hat es versäumt, Gewerbeflächen auszuweisen. Die Konsequenz ist, dass die Gemeinde bei der Gewerbesteuer im Vergleich zu anderen Kommunen im Landkreis weit zurückgefallen ist!“ Jesteburgs Gemeindedirektor Hans-Heinrich Höper sparte zuletzt nicht mit Kritik an den Politikern in seiner Gemeinde. Offensichtlich hat sich die CDU den Tadel zu Herzen genommen und einen entsprechenden Antrag formuliert. Demnach soll das Areal am Ortsausgang in Richtung Asendorf, auf dem sich derzeit noch der Reitverein Nordheide befindet, als Gewerbefläche genutzt werden. Wie berichtet, sicherte sich die Gemeinde die 20.100 Quadratmeter für 1,8 Millionen Euro. Der Pachtvertrag des Reitvereins läuft 2020 aus. Geplant ist eine Umsiedlung auf eine Fläche hinter den Sportplätzen des VfL Jesteburg. Da das Grundstück zur Gemeinde Asendorf gehört, laufen derzeit die Abstimmungsgespräche.
Die CDU möchte das Areal unter dem Stichwort „Wohnen und Arbeiten“ entwickeln. „Konkret geht es um reine Dienstleister sowie eventuell in einem kleinteiligen Bereich produzierendes Gewerbe“, erklärt CDU-Fraktionschefin Britta Witte. „Insbesondere durch die Schaffung einer hochwertigen Infrastruktur mit Breitband beziehungsweise Glasfaserausbau können hier innovative und zukunftsorientierte mittelständische Betriebe angesiedelt werden.“
Der Vorstoß der CDU kommt überraschend, denn bislang hatten sich CDU, SPD und Grüne dort für Wohnbebauung ausgesprochen. Zudem sollte das Gelände als Erweiterungsfläche für die Grund- und Oberschule reserviert werden.

Nun also doch Gewerbe

Jetzt also Gewerbe! Die Jesteburger CDU schlägt vor, dass gerade erworbene Grundstück, auf dem sich unter anderem der Reitverein Nordheide befindet, unter dem Stichwort „Wohnen und Arbeiten“ zu entwickeln. Dabei wollten SPD, CDU und Grüne das riesige Areal ausschließlich für Wohnungsbau nutzen.
Die CDU sieht darin keinen Widerspruch: „In der Vergangenheit wurde oft im Zusammenhang mit weiterer Wohnbebauung über dieses Grundstück gesprochen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzende Britta Witte. „Doch die Entwicklung des Umfelds mit Schulen, dem Freibad, Sportanlagen und einem Verbrauchermarkt (Famila), legen den Gedanken nahe, hier außer Erweiterungsflächen für die Schule eine Ergänzung durch Handel und kleinteiliges Gewerbe zu schaffen“, so Witte. Die Gemeinde suche seit Längerem nach Gewerbeflächen. „Der Allerbeeksring ist komplett belegt und Anfragen können nicht bedient werden“, so Witte. „Jahrelang hat die Gemeinde auf Einnahmen durch das hohe Einkommenssteuerniveau gesetzt. Dies kommt der Gemeinde zunehmend durch die Kappung mittels Obergrenze und Finanzausgleich nicht mehr zu gute. Jetzt rächt sich im Haushalt die Vernachlässigung der Einnahmen aus Gewerbesteuer. Dem müssen wir entgegenwirken“, sagt CDU-Finanzexpertin Julia Neuhaus.
In die Planung soll laut CDU-Antrag auch das angrenzende Grundstück des Bauhofs (für die 4.400 Quadratmeter zahlte Jesteburg 400.000 Euro) sowie das ehemalige Feuerwehrhaus einbezogen werden.
Kein Verständnis hat die CDU für die Kritik der UWG Jes! am Ankauf des Geländes. „Die Verwaltung hatte den Auftrag, in einem bestimmten Rahmen mit dem Eigentümer Verhandlungen zu führen. Die Gespräche verliefen erfolgreich, obwohl im Hintergrund andere Bieter in der Warteschlange standen“, so Witte. „Hätte man gewartet, bis - wie von der UWG verlangt - Konzepte auf dem Tisch liegen, wäre das Grundstück weg gewesen.“ So geschehen am Schierhorner Weg, wo die Gemeinde das Nachsehen hatte.
Laut eigenen Angaben hatte Investor Steffen Lücking 2,5 Hektar zwischen Schierhorner Weg und Seevekamp für 1,8 Millionen Euro gekauft. Dabei handelt es sich um Ackerland - noch. Lücking spielt in die Karten, dass die Gemeinde die Fläche selbst erwerben wollte, um dort unter anderem günstigeren Wohnraum zu schaffen. Wie das WOCHENBLATT erfahren hat, soll Lücking auch am Reitverein-Grundstück interessiert gewesen sein und einen deutlich höheren Preis geboten haben. Die Rede ist von 2,5 Millionen Euro. Die Gemeinde zahlte 1,8 Millionen Euro an Eigentümer Hermann Kröger. Zusätzlich wurden Nebenkosten in Höhe von 120.000 Euro fällig.
• Erstmals diskutiert wird der CDU-Vorstoß in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur am 18. April (19 Uhr, Sitzungsraum Seniorenbegegnungsstätte).

„Wohnen und Arbeiten“ funktionierte nicht in Hanstedt

Beim Stichwort „Wohnen und Arbeiten“ schrillen in der Nachbargemeinde Hanstedt sämtliche Alarmglocken. Das Gewerbegebiet „Auepark“ (5,5 Hektar) an der Landesstraße 213 war genau für diese Mischform vorgesehen. Doch innerhalb von sieben Jahren gelang es der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg (WLH) nicht, das „Sondergebiet für Dienstleistungen und freiberufliche Nutzungen“ zu vermitteln. Größter Mieter wurde ein Tier-Krematorium. Schließlich fasste die Gemeinde den Entschluss, das Areal in ein „normales“ Gewerbegebiet umzuwandeln. Seitdem klappt es mit den Neuansiedlungen besser. Unter anderem werden dort Doppeldeckerbusse gewartet. Aktuell plant das Krematorium eine zweite Anlage, in der Pferde eingeäschert werden können. Das allerdings wollen die Bürger verhindern.

Die Gemeinde Jesteburg sicherte sich das Areal des Reitvereins Ende des Jahres.  Die CDU möchte dort jetzt „Wohnen und Arbeiten“ realisieren
Britta Witte (CDU)
Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Service

13. April: Die Corona-Zahlen im Landkreis Harburg
72,71: Inzidenzwert deutlich höher

(sv). Der Corona-Inzidenzwert im Landkreis Harburg ist am heutigen Dienstag, 13. April, wieder deutlich angestiegen: von 60,6 am Vortag auf aktuell 72,71. Über Ostern war die Inzidenz zurückgegangen, was laut RKI-Präsident Lothar Wieler unter anderem an weniger durchgeführten Tests lag (das WOCHENBLATT berichtete). Wieler betonte, dass sich erst im Laufe dieser Woche zeigen werde, wie sich die Corona-Zahlen nach den Osterferien tatsächlich entwickeln. Die Zahl der aktiven Fälle steigt...

Politik
Vorsitzender Dr. Lars Teschke (li.) und Gerd Kruse (beide Verein für gesunden Lebensraum) am Rübenberg bei Ohlendorf. Etwa 150 Meter von ihnen entfernt ist eine 200 Meter hohe 
Windkraftanlage geplant

Naturschutz contra Energiewirtschaft
Wirbel um geplantes 200 Meter hohes Windrad bei Ohlendorf

ts. Ohlendorf. Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Wohnen, Gewerbe oder Naturschutz - die Konkurrenz um Flächen ist groß. In Seevetal ist deshalb die Absicht der Enertrag AG mit Sitz in Dauerthal (Brandenburg) umstritten, eine 200 Meter hohe Windkraftanlage am Rübenberg bei Ohlendorf zu errichten. Dazu müsste der Landkreis Harburg genehmigen, dass die Anlage näher an Wald, Wegen und Wohnbebauung heranrücken darf, als es geltende Abstandsregeln vorsehen. Im laufenden Genehmigungsverfahren hat...

Service
Ein Schnelltest gibt Aufschluss, ob man das Virus in sich trägt
3 Bilder

Kostenlose Schnelltests in Apotheken oder Testzentren helfen im Kampf gegen die Pandemie
Mehr Sicherheit im Alltag

(sb). Seit dem 8. März hat jeder Bürger einmal pro Woche Anspruch auf einen kostenlosen Coronatest. Er gilt als wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Pandemie. Denn jede frühzeitig erkannte Infektion trägt dazu bei, das Virus einzudämmen. Finanziert werden die Tests und deren Durchführung vom Bund, für den Bürger entstehen keine Kosten. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wird das Personal bereits seit mehreren Monaten regelmäßig auf eventuellen Virenbefall geprüft. Jetzt gibt es das auch...

Panorama
Manfred Pankop zeigt die ärztliche Bescheinigung, dass er aus 
gesundheitlichen Gründen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen muss

Neu Wulmstorfer fühlt sich aufgrund seiner Erkrankung diskriminiert
"Wo darf ich noch ohne Maske einkaufen?"

sla. Neu Wulmstorf. Manfred Pankop ist verzweifelt. Im vergangenen Jahr wurde der 65-Jährige wegen Verdachts auf Lungenkrebs an der Lunge operiert. Zum Glück bestätigte sich der Verdacht nicht, da es sich um einen gutartigen Tumor handelte, der ihm entfernt wurde. Dennoch ist der Neu Wulmstorf seitdem gesundheitlich stark beeinträchtigt und ausgesprochen kurzatmig. Insbesondere das Tragen der Corona-Schutzmaske verursache bei ihm regelrechte Atemnot, verbunden mit extremen Hustenanfällen. "Ich...

Panorama

Corona-Ausbrüche in vier Betrieben: Fälle hängen miteinander zusammen
Inzidenzwert im Landkreis Stade liegt drei Tage hintereinander über 100

jd. Stade. Drei Tage hintereinander eine Sieben-Tage-Inzidenz jenseits der 100er-Marke: Der Landkreis Stade gilt jetzt als Hochinzidenzgebiet. Welche Konsequenzen das haben kann, ist allerdings noch offen. Am Sonntag lag der Inzidenzwert erstmals in diesem Jahr über 100. Gemeldet wurden 113,0 Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Am Montag war der Wert mit 112,0 Fällen pro 100.000 Einwohner nur unwesentlich niedriger. Für den heutigen Dienstag wird eine Inzidenz von 113,9...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen