Jesteburg: Kein Durchkommen in der Ortsmitte
Am Valentinstag gesperrt
- Ein Ärgernis für die Geschäftsleute im Ortskern: Wegen Baumfällarbeiten musste am Valentinstag die Durchfahrt gesperrt werden
- Foto: Kerstin Witte
- hochgeladen von Gabriele Poepleu
Hauke Gilbert ist stinksauer: "Mit ist ein erheblicher Umsatz entgangen!", empört sich der Unternehmer, Inhaber einer Parfümerie und eines Fotostudios in der Hauptstraße. Direkt vor seiner Tür war die Hauptstraße gesperrt - ausgerechnet am Valentins-Samstag. Denn es mussten Baumfällarbeiten durchgeführt werden.
"Wir sind hier gebeutelt genug: Nach den wochenlangen Baustellen vor Weihnachten ärgert mich das schon sehr", so Gilbert weiter. Tatsächlich waren im Oktober und November sehr viele Sperrungen im Ortskern mit langwierigen Ampelschaltungen erforderlich geworden, um die Bushaltestellen behindertengerecht umzubauen.
Jetzt traf es einen für eine Parfümerie besonders umsatzstarken Tag, den Valentinstag: "Die Kunden konnten einfach nicht durchkommen", berichtet Gilbert. Der Stau am Samstagvormittag habe von Budni auf der einen Seite bis zur Bahnbrücke auf der anderen gereicht. Er habe extra eine weitere Mitarbeiterin bestellt, die er aber mangels Kundschaft schließlich wieder nach Hause geschickt habe. Auch eine benachbarte Boutique und den Schokoladenladen nebenan traf es hart: Extra für den Valentinstag angefertigtes Konfekt könne "jetzt natürlich nicht mehr verkauft werden".
Ärgerlich nicht nur für Gilbert: Die Sperrung war erst am Freitagmittag auf der Website der Gemeinde angekündigt worden. "Ich schaue da nicht jeden Tag drauf", sagt Gilbert. "Das war zu spät". Warum diese späte Warnung? "Ziel war es, ausschließlich verlässliche und bestätigte Informationen zu kommunizieren", teilte Verwaltungssprecherin Susann Wegner mit. Man habe Termine unter anderem erst mit der Baumpflege-Firma und der Straßenverkehrsbehörde abstimmen müssen.
Ein Samstag sei "nach Abwägung der verkehrlichen Auswirkungen" gewählt worden, denn an einem Werktag hätte die Maßnahme zu erheblichen Beeinträchtigungen des Berufs- und Lieferverkehrs geführt. "Durch die Durchführung an einem Samstag sollte die Belastung für den allgemeinen Straßenverkehr insgesamt reduziert werden", so Wegner weiter.
Sie fühle mit den kleinen Geschäftleuten in der Ortsmitte, sagt Kerstin Witte vom Autohaus Kuhn und Witte am Allerbeeksring, die selbst im Stau steckte. "Wir waren zwar nicht so sehr betroffen. Bei uns haben die meisten Kunden Termine, die kommen dann schon. Aber bei uns kam auch sehr viel Geschimpfe an."
Was niemand versteht: Warum hat die Gemeinde den Termin nicht mit den Gewerbetreibenden abgestimmt, fragt sich Hauke Gilbert. "Ich verstehe schon, dass eine Sperrung unter der Woche wegen der durchfahrenden Schulbusse schwierig ist. Aber jeder andere Samstag wäre besser gewesen." Alles sei organisatorisch und rechtlich einwandfrei abgelaufen, begründet die Verwaltung ihr Vorgehen. Und offenbar musste es schnell gehen: "Bei verkehrssicherheitsrelevanten Maßnahmen mit kurzfristigem Handlungsbedarf ist eine umfassende Einzelabstimmung mit allen Anliegern organisatorisch leider nur eingeschränkt möglich."
Gilbert wünscht sich von der Verwaltung mehr Unterstützung für die Gewerbetreibenden im Ort. "Das Geschäft ist nicht mehr so einfach. Sonst müssen am Ende wieder Läden schließen." Die Gemeinde zeigte sich schließlich einsichtig: Man nehme die aktuellen Hinweise zum Anlass, die Informations- und Kommunikationsprozesse mit betroffenen Gewerbetreibenden zu überprüfen und zu verbessern. In Zukunft werde man versuchen, früher mit Gewerbetreibenden zu sprechen, heißt es aus der Verwaltung: "Für zukünftige Maßnahmen vergleichbarer Eingriffsintensität wird die Verwaltung eine frühzeitigere Einbindung der Gewerbetreibenden sowie eine differenziertere Terminprüfung anstreben, um Nutzungskonflikte zwischen verkehrlicher Notwendigkeit und wirtschaftlichen Interessen bestmöglich zu reduzieren."
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