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Politischer Messerundgang in Jork
Albert Stegemann auf den Nordeutschen Obstbautage

Jens Stechmann (li.), Albert Stegemann, Claus Schliecker , Kai Seefried, Dr. Christian Weseloh, Karsten Palm, Dr. Karsten Klopp (re.) | Foto: Nick Blumenstein
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  • Jens Stechmann (li.), Albert Stegemann, Claus Schliecker , Kai Seefried, Dr. Christian Weseloh, Karsten Palm, Dr. Karsten Klopp (re.)
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Wie sieht die Zukunft des Obstbaus im Alten Land aus? Welche Rolle spielen Digitalisierung, Klimaschutz und neue Züchtungen – und was kann die Politik dazu beitragen? Antworten auf diese Fragen suchte der CDU-Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann bei seinem Besuch der Norddeutschen Obstbautage in Jork. Begleitet wurde er von Dr. Karsten Klopp, Leiter der Obstbauversuchsanstalt Jork, der durch die Messe führte.

Im Mittelpunkt standen innovative Forschungsprojekte des Fraunhofer-Instituts. Benjamin Schulze, Verbundkoordinator der Projekte, stellte drei Entwicklungen vor, die den Obstbau effizienter und nachhaltiger machen sollen. „Oskar“ heißt ein Roboterarm, der gezielt Blüten bestäuben und überschüssige Äpfel entfernen kann. Ziel ist es, Pflanzenschutzmittel zu reduzieren und gleichmäßigere Erträge zu erzielen. Mit „Samson“ wurde eine Software präsentiert, die Apfelbäume analysiert und datenbasierte Empfehlungen für deren Behandlung gibt. Das dritte Projekt, „Kermit“, setzt auf Photovoltaikanlagen am Feldrand: Sie produzieren Energie und fungieren zugleich als Schutzbarriere, damit Pflanzenschutzmittel nicht in angrenzende Gewässer gelangen.

Doch der Einsatz von Robotern im großen Stil liegt noch in der Zukunft. Auf Nachfrage von Stegemann wurde deutlich, dass entsprechende Systeme frühestens in fünf Jahren praxisreif sein dürften. Zudem können Roboter nach Einschätzung der Entwickler nur standardisierte, einfache Tätigkeiten übernehmen. Das fachkundige Pflücken und Beurteilen der Früchte bleibe weiterhin Handarbeit. Hinzu kommen hohe Investitionskosten zwischen 20.000 und 40.000 Euro pro Gerät – eine Herausforderung für viele Betriebe.

Neben diesen Großprojekten wurden auch kleinere Innovationen vorgestellt, etwa ein Eisspeicher-System, das Energie für Kühlprozesse kostengünstiger und umweltfreundlicher bereitstellen kann – ein wichtiger Aspekt für die Lagerung empfindlicher Früchte.

Ein weiterer Höhepunkt des Rundgangs war die Vorstellung der neuen Apfelsorte „Pompur“. Die Züchtung wurde über mehrere Jahre hinweg in klinischen Tests entwickelt und ist laut ECARF-Zertifikat für viele Apfelallergiker geeignet. Der Apfel wurde klassisch gezüchtet, ohne Gentechnik. Professor Dr. Werner Dierend von der Hochschule Osnabrück äußerte die Sorge, dass bei wachsendem Kostendruck Versuchsbetriebe und Forschungsstellen künftig weniger unterstützt werden könnten. Für die Weiterentwicklung innovativer Sorten sei eine verlässliche Forschungsförderung entscheidend.

Wie existenziell politische Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft sind, zeigte sich auch beim Besuch der Vereinigten Hagelversicherung VVaG. Der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit sichert landwirtschaftliche Betriebe gegen Wetterextreme wie Hagel, Frost oder Dürre ab – Risiken, die durch den Klimawandel zunehmen. Staatlich geförderte Modelle spielen dabei eine zentrale Rolle.

Den Abschluss bildete der Austausch mit der Sparkasse Stade-Altes Land. Der Obstbau ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Landkreis Stade. Investitionen in Technik, Nachhaltigkeit und Anpassung an neue Vorgaben – etwa durch die EU-Taxonomie zur Klassifizierung nachhaltiger Wirtschaftstätigkeiten – hängen maßgeblich von verlässlichen Finanzierungsbedingungen ab.

Der Messerundgang machte deutlich: Innovation, Forschung und unternehmerischer Mut sind zentrale Bausteine für die Zukunft des Obstbaus. Ebenso wichtig sind jedoch politische Entscheidungen, die Planungssicherheit schaffen und Betriebe nicht zusätzlich belasten. Ob und wann Roboter selbstverständlich zum Bild der Apfelplantagen gehören, bleibt offen. Klar wurde in Jork jedoch: Die Weichen für die Landwirtschaft von morgen werden schon heute gestellt.

Redakteur:

WOCHENBLATT Praktikant aus Nordheide Wochenblatt

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