Grundstück soll 25,8 Mio. Euro wert sein
Pella Sietas-Werftgelände in Cranz wird im November zwangsversteigert - Verkauf scheitert an Russland-Sanktionen
- Die Pella Sietas Werft an der Estemündung. Das Schicksal der Werft ist endgültig besiegelt. Das Grundstück wird zwangsversteigert
- Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
- hochgeladen von Jörg Dammann
In der langen Geschichte der traditionsreichen Pella Sietas-Werft im Alten Land dürfte bald das letzte Kapitel geschrieben sein: Das Werftgelände an der Este-Mündung bei Cranz soll am 13. November zwangsversteigert werden. Das teilte Insolvenzverwalter Dr. Achim Ahrendt kürzlich mit. Ein regulärer Verkauf an potenzielle Investoren ist nicht möglich. Hintergrund sind die Sanktionen gegen russische Banken.
Grundbucheintrag zugunsten russischer Bank
Für das Werftgelände ist im Grundbuch ein sogenanntes Grundpfandrecht zugunsten der Sberbank eingetragen. Das russische Geldinstitut ist seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine mit Sanktionen belegt. Die von einem Gläubiger betriebene Zwangsversteigerung sei nun der einzig gangbare Weg, das Grundstück überhaupt verwerten zu können, so Ahrendt. „Alle Kaufinteressenten können an der Versteigerung teilnehmen.“ Der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass der Erlös bei der Auktion nicht geringer ausfallen wird als bei einem normalen Verkauf.
Was passiert mit dem Kran?
Der Verkehrswert des 14 Hektar großen Grundstücks nahe der Elbe wird mit 25,8 Millionen Euro beziffert. Auf dem Areal befindet sich auch der denkmalgeschützte Jucho-Kran, der jedoch nicht Teil der Versteigerung ist. Der Kran gehört einer Leasinggesellschaft; über seinen Verbleib müssen sich künftig der neue Grundstückseigentümer, das Denkmalamt und der Kran-Eigentümer einigen. Auch die derzeit auf dem Werftgelände angesiedelten Unternehmen, die dort den Umschlag verschiedener Waren betreiben, müssen nach der Versteigerung mit dem neuen Eigentümer darüber verhandeln, ob sie auf dem Gelände weiter bleiben dürfen oder nicht.
Darlehen als Absicherung
Die Sberbank gehört zu den größten Gläubigern der Pella Sietas-Werft aus der Zeit vor dem Insolvenzantrag im Jahr 2021. Sie hatte sich das Grundpfandrecht zur Absicherung ihrer Darlehen eintragen lassen. „Dies ist im Grunde ein völlig normales Vorgehen und hätte auch keine Hürde dargestellt“, erläutert Ahrendt. Wegen der Sanktionen sei aber eine Auszahlung des Pfandanteils aus dem Verkaufserlös rechtlich nicht zulässig gewesen. Mit der Versteigerung umgeht man dieses Problem, da hierbei die Eigentumsverhältnisse neu geregelt werden können, ohne dass ein direkter Zahlungsfluss an die sanktionierte Bank erfolgt.
Werft meldete 2021 Insolvenz an
Die Pella Sietas Werft blickt auf eine fast 400-jährige Geschichte zurück. Gegründet im 17. Jahrhundert, war sie über Generationen hinweg fester Bestandteil der deutschen Schiffbaulandschaft. Nach der Übernahme durch die russische Pella Shipyard im Jahr 2014 setzte man auf Spezialschiffbau – ein Segment, das zunehmend unter Druck geriet. Im Juli 2021 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Betroffen waren rund 350 festangestellte Mitarbeiter und etwa 300 Leiharbeitskräfte. Seitdem versuchten Insolvenzverwalter und Stadt, eine neue Nutzung für das strategisch wichtige Gelände zu ermöglichen. Laut Presseberichten sollen
neben der Stadt auch der Flugzeugbauer Airbus und die Hamburger Reederei Laeisz Interesse am Standort signalisiert haben. Laeisz plant angeblich, dort eine moderne Abwrackwerft für kleine und mittelgroße Schiffe zu errichten.
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Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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