Das wäre gut: Weniger Schlick, mehr Touristen
Elbüberquerung mit Erlebnisfaktor: Mit "Käpt'n" Cornelius auf der Lühe-Schulau-Fähre
- Schiffsführer Carsten Cornelius auf der Brücke. Von hier aus manövriert er die Lühe-Schulau-Fähre sicher über die Elbe
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Ein Morgen am Lühe-Anleger. Es ist diesig an der Elbe, der Dunst lässt Himmel und Horizont ineinander verschwimmen. Ein paar Fahrgäste - überwiegend Radfahrer - finden sich am Ponton ein, um sich von der Lühe-Schulau-Fähre ans andere Elbufer übersetzen zu lassen. Auf der Kommandobrücke sitzt "Käpt'n" Carsten Cornelius in seinem "Cockpit", die Hände an zwei silbernen Hebeln, mit denen er die beiden jeweils 450 PS starken Schiffsmotoren bedient. Ein kurzer Blick nach vorn, dann setzt sich die „Dat Ole Land II“ in Bewegung – Kurs Schulau auf der schleswig-holsteinischen Elbseite.
Dicke Pötte zum Greifen nah
„Morgens finde ich es hier an der Elbe besonders stimmungsvoll - vor allem wenn die Sonne scheint und der Fluss in ein ganz spezielles Licht getaucht ist", schwärmt der Schiffsführer. An diesem Tag ist die rund 25-minütige Überfahrt eher unspektakulär. Ein Schwarm Vögel gleitet über das Wasser, in der Ferne zeichnet sich die Silhouette der Hamburger Hafenkräne ab. Große Schiffe sind auf der Elbe weit und breit nicht zu sehen. Zum Erlebnis wird der Törn quer über die Elbe immer dann für die Fahrgäste, wenn eines der Kreuzfahrtschiffe vorbeizieht - manchmal zum Greifen nah. „Es kommt vor, dass wir 20 Minuten direkt neben solch einem dicken Pott herfahren. Das begeistert die Leute immer wieder“, berichtet Cornelius.
- Die Lühe-Schulau-Fähre am Lühe-Anleger
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Als Binnenschiffer bei der Behörde angefangen
Aufgewachsen ist der 31-Jährige an einem anderen Fluss: der Weser. Dort er hat beim Wasser- und Schifffahrtsamt eine klassische Ausbildung zum Binnenschiffer absolviert, wechselte dann zur Personenschifffahrt auf der Mittelweser und ging wieder zur Wasser-Behörde zurück. Mit seinem sogenannten Unionspatent – der EU-weit gültigen Fahrerlaubnis für Binnenschiffe - schippert Cornelius nun seit rund drei Jahren auf der Elbe. Er darf den Fluss bis zur Kugelbake in Cuxhaven befahren. Dort beginnt die Nordsee und dort endet der Geltungsbereich seines Binnenschiffer-Patents.
Schiff ist seetüchtig
Auch wenn sich Cornelius ein paar mehr Ausflugs- und Sonderfahrten - etwa zum Hamburger Hafen - wünscht: Seinen Arbeitsplatz möchte er gegen nichts in der Welt tauschen. Die Behauptung, dass die Fähre untauglich für die Elbe und nur für ruhige Binnengewässer wie Seen geeignet sein soll, kann er nicht nachvollziehen. "Seitdem ich hier als Schiffsführer tätig bin, musste das Schiff kein einziges Mal wegen Sturms oder hohen Wellengangs am Anleger bleiben." Selbst Böen bis Windstärke 10 würden der Fähre nichts ausmachen. "Das Schiff ist absolut seetüchtig", erklärt Cornelius: "Das hat auch ein Gutachter bestätigt." Der Rumpf sei fast so stabil wie bei einem Eisbrecher gebaut. Probleme habe es in der Vergangenheit nur wegen des Elbschlicks und nicht wegen der Stabilität des Schiffes gegeben.
- Kurz vor der Abfahrt: Es finden sich noch ein paar Radfahrer als Fahrgäste ein
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Immer Ärger mit dem Schlick
Der Schlick stellt nach wie vor eine der größten Herausforderungen im Alltag der Fährgesellschaft dar. Denn die „Dat Ole Land II“ darf aus rechtlichen Gründen nicht über Nacht nicht am Lühe-Anleger bleiben. Stattdessen muss sie an einen Liegeplatz am früheren Pioniergelände ausweichen – ausgerechnet dort, wo es besonders viel Schlick gibt. „Bei Niedrigwasser liegt das Schiff schräg auf der Seite“, berichtet Cornelius' Chefin Ute Bülau. Das sei alles andere als ideal und könne langfristig Schäden am Rumpf verursachen. Die Geschäftsführerin der Fährgesellschaft hadert mit den Umständen, sieht derzeit aber keine Möglichkeit, die Situation zu ändern. Für die beiden festangestellten Schiffsführer bedeutet das: Sie haben ein enges Zeitfenster. Oftmals müssen sie in aller Frühe aufstehen, um nicht im Schlick aufzusetzen. In den Stunden rund um die Niedrigwasserzweiten ist an ein Manövrieren nicht zu denken.
Kein Sand im Getriebe
Die Zeit frühmorgens bis zu ersten fahrplanmäßigen Abfahrt wird dennoch sinnvoll genutzt: Wartung, Reinigung, kleinere Reparaturen. Die Schiffsführer sind dann auch Handwerker und Hausmeister in Personalunion. Immerhin: Ein großes Problem der Vergangenheit scheint gelöst zu sein. Nachdem das Kühlsystem auf einen geschlossenen Kreislauf umgestellt wurde, gelangt kein sandiges Elbwasser mehr in den Antrieb. Früher wirkte der Sand wie Schmirgelpapier – entsprechend verschlissen waren die Antriebswellen, was wiederholt kurzfristige Ausfälle und längere Werftaufenthalte zur Folge hatte. Das Schiff scheint seinen negativen Ruf als "Pannenfähre" los zu sein.
Fähre ist Zuschussgeschäft
Aber auch wenn das Schiff nach dieser 150.000 Euro teuren Umrüstung voll einsatzfähig ist, bleibt der Fährbetrieb eine wirtschaftliche Herausforderung. „Die Saison ist noch nicht zufriedenstellend angelaufen – der April war einfach zu kalt“, sagt Bülau. Gerade die wichtige Zielgruppe der Radfahrer fehle bei niedrigen Temperaturen. Dabei bietet die Fähre Platz für bis zu 250 Fahrgäste. An guten Tagen wird es auch entsprechend voll. Doch insgesamt bleibt der Betrieb ein Zuschussgeschäft. Die fünf Anteilseigner (Landkreis Stade, Hansestadt Stade, Stadt Wedel, Samtgemeinde Lühe, Gemeinde Jork) müssen jährliche Defizite ausgleichen, die in die Hunderttausende gehen. Umso wichtiger ist es, mehr Menschen an Bord zu holen.
- Schiffsführer Carsten Cornelius und Geschäftsführerin Ute Bülau am Anleger in Schulau
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Neue Ideen für mehr Fahrgäste
Bülau denkt daher weiter: Künftig sollen verstärkt eigene Sonderfahrten organisiert werden. Gleichzeitig wird überlegt, die Zusammenarbeit mit touristischen Partnern auf beiden Seiten der Elbe auszubauen. Gerade wurde auf einer der Überfahrten genau darüber gesprochen: Wie lassen sich Angebote besser verknüpfen? So sieht der Altländer Gästeführer Joachim Fronzek, der regelmäßig Gruppen auf den Törns begleitet und mit allerlei "Seemannsgarn" unterhält, großes Potenzial. Gemeinsam mit Vertretern von Wedel Marketing werden neue touristische Attraktionen ins Auge gefasst – etwa der Hafen in Wedel mit seiner maritimen Meile und die nach mehrjähriger Bauzeit endlich fertiggestellte Uferpromenade zwischen Willkomm-Höft und dem Strandbad. Auch andersherum könnten Besucher aus Schleswig-Holstein und Hamburg künftig stärker ins Alte Land gelockt werden – etwa mit geführten Touren zu den Obsthöfen.
Mehr als nur eine Überfahrt
Für viele Gäste ist die Fähre ohnehin mehr als nur ein Transportmittel. Kapitän Cornelius wird dabei oft selbst zur Touristen-Info. „Die Leute fragen, was es auf der anderen Seite zu sehen gibt“, erzählt er.
Seine Tipps: das Strandbad Wedel, Radtouren entlang der Elbe über Blankenese bis nach Hamburg, das Willkomm-Höft mit dem Schiffsansagedienst am Schulauer Fähranleger oder die weiten Landschaften der Haseldorfer Marsch.
- Der Willkomm-Höft in Schulau ist Ziel vieler Urlauber, die mit der Fähre übersetzen
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Personal händeringend gesucht
Neben den Finanzen bereitet Bülau auch die Personalsitutation Sorgen. Sie sucht hängeringend nach Schiffsführern mit Binnenschiffer-Patent, die Cornelius und seinen Kollegen, der ebenfalls in Vollzeit arbeitet, mal ablösen - insbesondere an Wochenenden. "Teilzeit-Kapitäne", die auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung ab und zu das Kommando auf der "Dat Ole Land II" übernehmen, sind jederzeit willkommen. Außerdem will die Fährgesellschaft auf eigenen Nachwuchs setzen. Seit kurzem ist man Ausbildungsbetrieb für Binnenschiffer. "Käpt'n" Cornelius hat kürzlich hat die Qualifikation zum Ausbilder erworben. Mit einem angehenden Azubi, der im August loslegen soll, ist man bereits im Gespräch.
Interessenten können sich per E-Mail an Ute Bülau wenden: info@lsf.gmbh
Der Fahrplan kann online auf der Homepage der Lühe-Schulau-Fähre abgerufen werden:
www.luehe-schulau-faehre.de
Weitere Artikel über die Lühe-Schulau-Fähre:
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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