Gleiche Bedingungen gefordert
Lüneburger Heide Tourismus GmbH-Geschäftsführer Ulrich von dem Bruch im Interview

Mittlerweile wird Ulrich von dem Bruch nicht mehr so gut gelaunt sein, die Beschlüsse der vergangenen Woche treffen die Tourismus-Branche hart
  • Mittlerweile wird Ulrich von dem Bruch nicht mehr so gut gelaunt sein, die Beschlüsse der vergangenen Woche treffen die Tourismus-Branche hart
  • Foto: Naturpark Lüneburger Heide GmbH
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(lm). Vor zwei Wochen erst berichtete das WOCHENBLATT über die Vorbereitungen der Tourismus-Branche, die zum damaligen Zeitpunkt bereits in den Startlöchern zur neuen Saison stand. Nach den Beschlüssen am Montagabend und der Verlängerung des Lockdowns nun die große Ernüchterung. Auch die kommende Saison steht durch die neuen und verlängerten Maßnahmen unter keinem guten Stern. Im Interview mit dem WOCHENBLATT äußert sich jetzt Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide Tourismus GmbH, zur Verlängerung des Lockdowns und was das für die Tourismus-Branche bedeutet.

WOCHENBLATT: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie erfahren haben, wie die neuen Beschlüsse ausfallen?
Ulrich von dem Bruch: Es war tiefe Enttäuschung, Ungläubigkeit wegen der fehlenden Themen, wie Luca-App und Teststrategie, sowie Bedauern für unsere Betriebe, die wieder keine Perspektive bekommen haben. Besonders peinlich fand ich persönlich, dass man nochmal beschließen musste, sich an seine Beschlüsse zu halten.
WOCHENBLATT: Verschiedene Bundesländer hatten sich zu Recht für die Durchführung von "kontaktarmen Kurzurlauben" eingesetzt. Wie hätte so etwas ausgesehen?
von dem Bruch: Das wäre eine Pkw-Anreise gewesen, das Vorweisen eines aktuellen Corona-Tests, ein kontaktloser Check-in in die Ferienwohnung und ein unproblematischer Urlaub in der Weite der Heide mit Selbstversorgung. Je nachdem, wo Sie wandern gehen, hätten Sie während Ihres Urlaubes auch niemanden sehen oder treffen müssen. Kontaktärmer geht es wirklich nicht mehr. Auch die Hotels und Pensionen hätten das übrigens darstellen können. Ich halte das immer noch für eine sichere Idee.
WOCHENBLATT: Wie viel Verständnis haben Sie bei der derzeitigen Situation der Tourismus-Branche in Deutschland dafür, dass Reisen nach Mallorca weiterhin nicht verboten sind?
von dem Bruch: Dafür gibt es überhaupt kein Verständnis. Dass die Bundesregierung Mallorca-Reisen erlaubt, jedoch Urlaub in Deutschland verbietet, ist eine Ungleichbehandlung erster Güte. Einige Partner erwägen, sich dagegen notfalls gerichtlich zu wehren. Es geht uns nicht um die Öffnung zu jedem Preis, aber um Chancengleichheit. Hier wird eine ganze Branche vernichtet und das Corona-sicherere Produkt haben wir auch noch. Bei uns sitzen nicht 180 Leute im Flieger nebeneinander, fahren mit dem Bus ins Hotel und treffen Urlauber aus anderen Ländern. Bei uns ist es Autoanreise, Ferienwohnung und die Weite der Heide. Wir wollen nicht die Mallorca-Urlauber beschimpfen, die tun nur, was erlaubt ist. Der massive Fehler liegt bei der Bundesregierung und Frau Merkel weigert sich, ihn zu korrigieren. Da schüttelt wohl jeder den Kopf, denn ein Konjunkturprogramm für Mallorca brauchen wir sicher nicht, wenn hier alle Betriebe den Bach runtergehen.
WOCHENBLATT: Welche konkreten Forderungen haben Sie an die Politik?
von dem Bruch: Wir wollen gleiche Bedingungen. Wenn alle schließen müssen, tun wir das auch. Aber dass man eine ganze Branche, die nachgewiesenermaßen nicht zu den Infektionstreibern gehört, nun acht Monate schon schließt, geht nicht. Wir brauchen auch endlich eine Perspektive, unter welchen Bedingungen man öffnen darf, wir wollen in den Stufenplan. Wir haben viel angeboten, von Testungen, Lüftungskonzepten, Hygienekonzepten, auf nichts wird eingegangen. Auch die Perspektive auf Öffnungen ist am 3. März. versprochen worden, am 22. März war davon jedoch nicht mehr die Rede.
WOCHENBLATT: Wie lange kann dieser Zustand von der Tourismus-Branche noch gehalten werden? Ab wann ist mit Schäden zu rechnen, die nicht mehr behoben werden können?
von dem Bruch: Die Schäden sind schon da, die neueste Konjunkturumfrage des IFO Instituts vom Februar hat gezeigt, dass bundesweit 82,3 Prozent des Beherbergungsgewerbes und 72,3 Prozent der Gastronomie in ihrer Existenz bedroht sind. Das wird ein Super-GAU, weil der Bundespolitik ja nichts einfällt, außer Lockdowns zu verlängern, oder Hilfsgelder, die Monate zu spät kommen. Viele Kollegen sagen schon, dass Frau Merkel die Totengräberin des Deutschlandtourismus ist.
WOCHENBLATT: Sie waren bereits mitten in den Vorbereitungen für die kommende Saison. Werden diese jetzt wieder komplett heruntergefahren?
von dem Bruch: Natürlich verschwinden alle Pläne wieder in der Schublade, denn wir wissen ja immer noch nicht, wie es weitergehen soll. Da ich aber mit einigen Klagen wegen der Ungleichbehandlung mit Mallorca rechne, könnte sich kurzfristig etwas ändern. Wir stehen bereit, binden die Gäste so lange weiter über die Social-Media-Kanäle an die Heide und werden kurzfristig reagieren. Ein Hotel hochzufahren dauert aber in der Regel eine Woche.
WOCHENBLATT: Wie sehen die Planungen für die kommenden Wochen jetzt aus?
von dem Bruch: Wir müssen uns jetzt auf Ostern vorbereiten, denn wenn das Wetter gut ist, wird es einen riesigen Ansturm von Tagestouristen geben. Da hat die Politik, wie bei Mallorca, einfach mal zu kurz gedacht. Die Menschen wollen draußen sein und alle Aerosolforscher sagen ja auch, dass das gut ist, weil man sich nicht anstecken kann. Es kommen für uns also momentan nur Probleme aus Berlin, keine Lösungen.
Wir nutzen die Zeit auch, um technische Oberflächen bei uns selbst zu erneuern. Es wird eine neue Datenbank geben für die Lüneburger Heide mit tollen Möglichkeiten. Dazu eine moderne Cloud. Und wir werden weiter kämpfen für unsere Betriebe.
WOCHENBLATT: Herr von dem Bruch, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Gespräch genommen haben.

Autor:

Lennart Möller aus Rosengarten

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