Wulmstorfer Heide: Exkursion und Entkusseln
Natur bewahren, Zukunft gestalten
- Die Wulmstorfer Heide ist ein wertvoller Lebensraum für seltene Arten und ein wichtiges Erholungsgebiet. Eine Exkursion findet am 9. Oktober statt, zum Entkusseln wird am 24. Oktober aufgerufen.
- Foto: Landkreis Harburg
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Wer die weiten lila Flächen sieht, kann es kaum glauben, dass hier jahrzehntelang Schützenpanzer durch die Landschaft kurvten: Die Wulmstorfer Heide hat sich in gut 20 Jahren vom militärischen Übungsgelände in einen wertvollen Lebensraum und faszinierendes Erholungsgebiet gewandelt. Kontinuierliche Pflege durch die Naturschutzstiftung des Landkreises Harburg und zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sorgen dafür, dieses besondere Refugium für Mensch und Natur zu erhalten. „Hier verbinden sich Naturschutz, Artenvielfalt und Naherholung“, sagt Ina Schlüschen von der Naturschutzstiftung.
Termine: Exkursion und Entkusselungsaktion
Unter dem Motto „Natur bewahren, Zukunft gestalten“ gestaltet sie am Freitag, 9. Oktober, eine Exkursion, bei der jeder das Naturschutzgebiet kennenlernen kann. Treffen ist um 18 Uhr am Parkplatz Königsberger Straße (hinter Hausnummer 101). Damit die einmalige Landschaft auch künftig bewundert werden kann, braucht sie kontinuierlich Pflege. Dazu findet eine Entkusselungsaktion am Sonnabend, 24. Oktober, von 11 bis 14 Uhr statt. Treffen der Helferinnen und Helfer ist um 10.30 Uhr in Neu Wulmstorf auf dem Max-Geyer-Platz (Ecke Königsberger Straße/Am Bach). Anmeldungen zu der Exkursion und zum Enkusselung sind über Tel. 04171 - 693296 oder E-Mail nlh@lkharburg.de möglich.
Kampf mit invasiven Arten
Das 272 Hektar Gebiet steht seit dem 1. Juli 2024 als Naturschutzgebiet „Wulmstorfer Heide mit Bornberg“ unter besonderem Schutz. Heideflächen, Sandmagerrasen, Wälder und Feuchtlebensräume bieten zahlreichen seltenen und gefährdeten Arten einen Lebensraum.
Ein Schwerpunkt der Naturschutzarbeit liegt auf der Entwicklung des Waldes. Auf rund 50 Hektar wurden bereits erste Maßnahmen durchgeführt, um strukturarme Nadelholzbestände schrittweise zu naturnahen und artenreichen Mischwäldern umzubauen.
Eine besondere Herausforderung ist dabei die invasive, aus Nordamerika stammende Spätblühende Traubenkirsche. Sie überwuchert und verdrängt alles und breitet sich insbesondere in lichten Waldbereichen stark aus. „Ihre Eindämmung erfordert deshalb regelmäßige und langfristig angelegte Pflege“, so Ina Schlüschen.
Im Zuge des Waldumbaus werden unter anderem Kiefern, Fichten und Japanische Lärchen entnommen. Gleichzeitig wurden bereits mehr als 70.000 heimische Laubbäume wie Rotbuchen, Hainbuchen, Winterlinden, Traubeneichen und Spitzahorn gepflanzt. Tausende weitere Jungbäume werden folgen. „Damit legen wir die Grundlage für einen Wald, der mit den Herausforderungen des Klimawandels besser umgehen kann. Die entstehenden Mischwälder sind widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit, tragen zur Grundwasserneubildung bei und schaffen langfristig vielfältige Lebensräume. Unterschiedliche Baumarten und Altersstrukturen erhöhen dabei den ökologischen Wert des Waldes und bieten neuen Lebensraum.“
Heide braucht stetig Pflege
Während sich der Wald langfristig entwickeln wird, benötigt die offene Heide eine regelmäßige und gezielte Pflege – dazu gehören auch die regelmäßigen Entkusselungsaktionen. Eine besondere Herausforderung stellte im vergangenen Jahr der starke Befall durch den etwa fünf Millimeter großen Heideblattkäfer dar. Die Käfer und ihre Larven gehören zwar zum natürlichen Heide-Ökosystem, können Heidepflanzen bei starkem Auftreten jedoch innerhalb kurzer Zeit so stark entlauben, dass diese absterben. Auf den betroffenen Flächen blieb die typische lila Heideblüte deshalb bereits 2025 weitgehend aus.
Um die geschädigten Bestände zu unterstützen, wurden im vergangenen Winter umfangreiche Pflegemaßnahmen auf elf Hektar durchgeführt. Dabei wurden beim Schoppern Teile der Vegetations- und Moosschicht sowie des Oberbodens abgetragen. So erhalten die Heidepflanzen bessere Bedingungen für einen neuen Austrieb und können sich neu aussäen.
„Dass die Flächen nach diesen Arbeiten zunächst kahl wirken, ist dabei Teil des Pflegekonzepts. Ziel ist nicht, die Heide kurzfristig möglichst „schön“ aussehen zu lassen, sondern die Voraussetzungen für einen langfristig vitalen Heidebestand zu schaffen“, betont Ina Schlüschen. Das zahlt sich aus: Bereits in diesem Sommer haben erste Heidepflanzen wieder geblüht und innerhalb weniger Jahre wird sich die typische Heidelandschaft mit ihrer charakteristischen lila Blüte wieder großflächig entwickeln.
Auch unabhängig vom Heideblattkäfer ist die regelmäßige Pflege der offenen Flächen unverzichtbar. Ohne Entkusselungsmaßnahmen würden Birken und Kiefern zunehmend auf den Heideflächen Fuß fassen. Die offene Landschaft würde verbuschen und sich langfristig wieder zu Wald entwickeln – „mit der Pflege erhalten wir einen besonderen Lebensraum, der zahlreichen spezialisierten Arten eine Heimat bietet“.
Redakteur:Julia Paepcke aus Buchholz |
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