Der "Dinosaurier" am Gleis

Voller Körpereinsatz: Manfred Keitsch betätigt die Schranken-Kurbeln
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Einer der letzten Schrankenwärter: Manfred Keitsch (63) arbeitet mit 100 Jahre alter Technik

tp. Himmelpforten. In dem urigen Backsteintürmchen am Bahnhof des Geestdorfes Himmelpforten herrscht Stille, das fast 100 Jahre alte Räder- und Hebelwerk der Stellwerkshäuschens verströmt den Geruch von Maschinenöl und altem Eisen. In dem wie ein Technikmuseum anmutenden Gebäude am Bahnübergang verrichtet Manfred Keitsch (63) seinen Dienst als einer der letzten echten Schrankenwärter der Deutschen Bahn: Er bewegt die Schrankenbäume noch per Handkurbel.
Der "Dinosaurier" am Gleis ist erfahrener Eisenbahner: Manfred Keitsch steht seit fast einem halben Jahrhundert im Dienst der Deutschen Bahn. Seit rund 20 Jahren ist er als Fahrdienstleiter für die Sicherheit der Passagiere und Züge am Bahnhof in Himmelpforten zuständig. Bis zu 18 Mal pro Schicht sichert der Profi den Bahnübergang vor ein- und ausfahrenden Güterzügen und der Pendlerbahn "Metronom" an der Gleisstrecke Stade-Cuxhaven.
Per Telefon melden Fahrdienstleiter der benachbarten Bahnhöfe mit rund einer Viertelstunde Vorlauf bei Keitsch einen Zug an. Keitsch stellt bei Bedarf Weichen, denn auf einem Teilstück ist die Strecke in Richtung Cuxhaven nur eingleisig. Für den Lokführer stellt er das Einfahrtsignal, das einige Hundert Meter vor dem Bahnhof liegt, auf Grün und warnt wartende am Bahnhof mit einem Glockensignal. Dann schreitet Schrankenwärter Keitsch zu den zwei stählernen Böcken und betätigt mit geschmeidiger Bewegung die Handkurbeln. Die vier Schrankenbäume senken sich sachte. Der Zug hält. Passagiere steigen um. Der Zug setzt sich wieder in Bewegung. Nach einem kurzem Wink zum Lokführer dreht Keitsch erneut die Kurbeln, und nach rund drei Minuten haben Autos wieder freie Fahrt.
Nur selten unterbrechen Zwischenfälle die Routine. Etwa, wenn ein Rettungswagen die bereits gesperrten Schienen überqueren muss oder ein Auto zwischen den geschlossenen Schranken steckenbleibt. Vor Jahren rammte ein Pkw-Fahrer die Schranken und Manfred Keitsch sicherte den Bahnübergang mit Signalfahne und rot-weißem Flatterband.
Im kommenden Jahr geht Manfred Keitsch in den Eisenbahner-Ruhestand. Für 2014 plant die Deutsche Bahn auch, die letzten drei manuell bedienten Bahnübergänge des Landkreises Stade, die alle in Himmelpforten liegen, durch elektronische zu ersetzen. Dann übernimmt ein Computer den Schrankenwärter-Job.

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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