Ausweichverkehr in Tötensen
Wenn die Autobahn durch das Wohngebiet führt

Jörg Karstens wohnt direkt am Metzendorfer Weg. Während des Gesprächs mit dem WOCHENBLATT rollt der Verkehr immer wieder unmittelbar an ihm vorbei. Von Tempo 30 allein erwartet der Anwohner keine dauerhafte Entlastung | Foto: tml
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  • Jörg Karstens wohnt direkt am Metzendorfer Weg. Während des Gesprächs mit dem WOCHENBLATT rollt der Verkehr immer wieder unmittelbar an ihm vorbei. Von Tempo 30 allein erwartet der Anwohner keine dauerhafte Entlastung
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„Ich werde heute wieder eine Ewigkeit brauchen, um mein Grundstück zu verlassen“, sagt Jörg Karstens. Der Anwohner steht direkt am Metzendorfer Weg, unweit eines Tempo-30-Schildes. Lächelnd deutet er darauf: „Daran hält sich sowieso keiner.“ Während des Gesprächs fahren immer wieder Autos vorbei. Manche wirken deutlich schneller als Tempo 30 – eine Messung ist das freilich nicht. Auch Transporter sind unterwegs. Karstens berichtet, dass regelmäßig Lkw und Reisebusse durch den Metzendorfer Weg fahren. Besonders an Wochenenden, Feiertagen und bei Störungen auf der A1 sei die Belastung groß. Nach seiner Wahrnehmung habe der Verkehr insbesondere seit der Corona-Zeit deutlich zugenommen. Nach seiner Wahrnehmung habe der Verkehr insbesondere seit der Corona-Zeit deutlich zugenommen. Selbst den Müll rauszubringen oder den Weg vor seinem Grundstück zu pflegen, verlegt Karstens deshalb lieber in die Abendstunden, wenn weniger Verkehr herrscht. 

26.210 Fahrzeuge in einer Woche

Dass der Metzendorfer Weg stark befahren ist, zeigen auch die Zahlen einer Verkehrszählung vom 19. bis 26. Juni. 26.210 Fahrzeuge wurden innerhalb einer Woche in beiden Fahrtrichtungen erfasst. Die V85 lag bei 51 km/h – 85 Prozent der gemessenen Fahrzeuge fuhren also höchstens mit diesem Tempo.Neu ist das Problem nicht. Wie der Erste Gemeinderat Carsten Peters im Gespräch mit dem WOCHENBLATT berichtete, gab es bereits zuvor Beschwerden über die Verkehrssituation und Überlegungen zu möglichen Lösungen. Im Juli folgte ein weiterer Vorstoß aus der Nachbarschaft: Michaela Kügler beantragte gemeinsam mit 52 Unterstützern eine Verkehrsschau.Als erste Maßnahme wurde Tempo 30 angeordnet. Aus Sicht der Anwohner löst das jedoch nicht das eigentliche Problem: die hohe Zahl der Fahrzeuge und insbesondere den Schwerlastverkehr. In ihrem Antrag schildern sie zudem, dass größere Fahrzeuge bei Begegnungsverkehr auf den Gehweg ausweichen. Besonders Kinder auf dem Schulweg sowie Bewohner und Patienten des Ginsterhofs seien dadurch gefährdet.Auch die Straße selbst zeigt deutliche Schäden. Risse, Ausbesserungen und beschädigte Randbereiche sind an mehreren Stellen zu erkennen. Karstens bezweifelt zudem, dass Tempo 30 allein viel verändern wird. Kontrollen durch die Polizei nehme er kaum wahr. Von den jüngsten Maßnahmen habe er nach eigenen Angaben bislang lediglich aus dem WOCHENBLATT erfahren.

Neue Beschränkungen für Lkw

Unterdessen reagieren Landkreis Harburg und Gemeinde Seevetal auf die derzeit zusätzlich angespannte Verkehrslage in Metzendorf und Tötensen. Hintergrund ist die seit Februar laufende Sanierung der B75 durch die Autobahn GmbH. In der aktuellen Bauphase ist die Zufahrt zur Malfeldstraße gesperrt.Landkreis und Gemeinde haben deshalb entschieden, den Lkw-Verkehr auf der Metzendorfer Straße und der Beckedorfer Straße zu unterbinden. Die Gemeinde Seevetal hat zusätzlich aus Richtung Hamburg an der Einmündung zur Malfeldstraße ein Verbot für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen angeordnet. Die entsprechenden Schilder sollen noch vor Ende der Ferien aufgestellt werden.Die Regelung gilt zunächst bis 30. August. Dann soll die Malfeldstraße wieder freigegeben und stattdessen die Einmündung zum Eißendorfer Weg gesperrt werden. Dadurch werden sich die Verkehrsströme erneut verändern.
Ein Nachbar von Karstens, der während des Gesprächs hinzukommt, formuliert seine Kritik zurückhaltender. Auch er wünscht sich jedoch ein besser abgestimmtes Verkehrskonzept bei größeren Baustellen und sieht dabei auch die Hansestadt Hamburg in der Verantwortung.Ob die aktuellen Maßnahmen den Metzendorfer Weg über die Bauphase hinaus dauerhaft entlasten, bleibt damit offen.

Redakteur:

Tina Lüecke aus Buchholz

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