Wird die Entwicklung ausgebremst?

So könnte die Entwicklung Langenrehms aussehen. Links die Gebäude für die "Cassiopaia"-Stiftung, rechts "Wilms Hoff" und die alte Post
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  • Foto: Lücking
  • hochgeladen von Anke Settekorn

Investor Steffen Lücking plant unter anderem eine Stiftung für kranke Kinder in Langenrehm / Streit um Kanalanschluss

as. Langenrehm. Und wieder scheint es, als sei Bau-Investor Steffen Lücking zu schnell für seinen Wohnort Langenrehm. Bereits seine Pläne für den "Wilms Hoff" musste Lücking mehrfach anpassen, bis der Rat dem vorhabensbezogenen Bebauungsplan (B-Plan) zustimmte. Auf der rund 10.000 Quadratmeter großen Fläche an der Langenrehmer Dorfstraße sollen insgesamt 25 Wohneinheiten entstehen, darunter zwölf Ferienwohnungen. Das Oberflächenwasser soll auf dem Grundstück versickern, das Schmutzwasser soll laut B-Plan über fünf Kleinkläranlagen auf dem Grundstück entsorgt werden. "Die Entwässerung von Oberflächen- und Schmutzwasser funktioniert in Langenrehm aber nicht richtig", sagt Steffen Lücking. Sein Vorwurf: "Kreisstraßen- und Regenwasser werden auf meinen Flächen entwässert!" Er spricht sich dafür aus, den zentralen Schmutzwasserkanal von Langenrehm-Siedlung bis ins Dorf zu verlängern. Mehrere Anwohner hätten ebenfalls ihr Interesse an einem Kanalanschluss bekundet, Kreis und Gemeinde liegen bereits eine Unterschriftenliste vor, so Lücking.
Hinzu kommt, dass er weitere Grundstücke im Ortskern erworben hat - und an einem "Masterplan" für den Ortskern arbeitet. Das Konzept sieht unter anderem auf dem Areal der Gaststätte "Uns Peerhoff" acht Wohnungen und ein Doppelhaus vor. Die Wohnungen möchte Steffen Lücking für seine sich derzeit in Gründung befindende Stiftung "Cassiopaia" nutzen. Schwerstkranke, behinderte oder traumatisierte Kinder und ihre Familien sollen mit Hilfe der Stiftung in Langenrehm kostenlos Urlaub machen können. Ein Herzensprojekt des Langenrehmers, der mit seiner Frau einen Reiterhof betreibt, den die Kinder ebenfalls kostenlos nutzen können. "Ich sehe einen großen Bedarf. Gerade die Möglichkeiten auch begleitende Familien mit unterzubringen, etwa in einer der Wohnungen im Haupthaus, würde vielen Familien mit besonderen Kindern eine Entlastung bieten - auch Kindern mit lebensverkürzenden Erkrankungen", befürwortet Gaby Letzing, Geschäftsführerin des Kinderhospizes Löwenherz, das Projekt.
Lücking plant noch mehr: Auch auf dem Gelände des alten Postgebäudes, neben der Fläche des "Wilms Hoff", möchte der Investor sieben Wohnungen errichten. Diese sollen, so Lücking, vergünstigt an Ärzte und Pfleger vermietet werden, die dafür die medizinische Betreuung der Feriengäste ehrenamtlich unterstützen sollen. Die Einnahmen aus allen Wohnungen sollen zum Teil in die Stiftung fließen. Es habe bereits positive Bauvorbescheide gegeben, so Lücking. Das Konzept funktioniere aber nur, wenn die Abwasserentsorgung zentral geregelt wird. Eine geregelte Oberflächenentwässerung und Fußwege entlang der Kreisstraße, Parkplätze für die Stellmacherei und eine Querungshilfe am Ortseingang - rund 20 Millionen Euro, so Lücking, würde er für die Entwicklung der Ortsmitte bereitstellen.
Im Rathaus der Gemeinde Rosengarten möchte man das Tempo, das Lücking bei seinen Vorhaben im Landkreis Harburg vorlegt, allerdings nicht mitgehen. "Für den 'Wilms Hoff' gab es eine Beratung und eine vorabgestimmte Planung - in der eine dezentrale Abwasserentsorgung festgelegt wurde", so Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler. Für die damals vorgestellten Pläne des Investors sei die Abwasserbeseitigung durch Kleinkläranlagen ausreichend. Im Gegensatz zur Siedlung am Gannaberg, wo wegen einer defekten Sammelkläranlage einige Anwohner an einen zentralen Abwasserkanal angeschlossen werden (das WOCHENBLATT berichtete), habe es hier bislang keine Beschwerden hinsichtlich der dezentralen Abwasserentsorgung gegeben, so der Bürgermeister. Was die Oberflächentwässerung von Kreis- und Gemeindeflächen in Langenrehm anbelangt, arbeitet die Gemeinde laut Seidler an einer neuen Regelung.
Zwar habe Steffen Lücking seine Vision schon einmal auf dem Reiterhof vorgestellt, "aber offiziell ist noch nichts bei uns beantragt worden", so Seidler. "Diese Pläne müssen öffentlich diskutiert und in den Gremien beraten werden."
Zwar sieht das Zukunftskonzept "Rosengarten 2030" die Erschließung von Potenzialen im Innenbereich vor, "die Gemeinde soll aber vor allem in den zentralen Siedlungsbereichen Nenndorf, Klecken und Eckel wachsen", so Seidler. Statt des für 2030 angestrebten zweiprozentigen Bevölkerungswachstums würde sich Langenrehm mehr als verdoppeln. "Wir wollen auch diese Bereiche entwickeln - aber nicht um jeden Preis, sondern der Ortschaft angemessen", so Seidler.

Auf ein Wort von Anke Settekorn: "Gemeinsam entwickeln"
Es könnte ein Leuchtturmprojekt sein: Ein Ferienheim, in dem schwerstkranke Kinder und ihre Familien sich vom Alltag erholen und Kraft schöpfen können. Der Vorstoß Lückings zur Entwicklung Langenrehms ist gewiss forsch. Die Umgestaltung des Ortskerns und eine Verdoppelung der Bevölkerung sind nichts, was in einer Hauruck-Aktion über Anwohner und Politik hinweg entschieden werden kann. Sicherlich sind beide Seiten aus vergangenen Auseinandersetzungen vorbelastet. Die zentrale Abwasserentsorgung sollte aber, wenn neben Lücking mehrere Anwohner Interesse daran zeigen, ebenso beraten werden, wie es für die Bewohner der Siedlung Am Hamboken/Gannaberg im vergangenen Jahr der Fall war. Wenn sich weitere Befürworter für einen Kanalanschluss finden, gut, wenn nicht, muss Lücking sich eine andere Lösung für das Abwasser überlegen.

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