Geschichten aus der Samtgemeinde Salzhausen (7)
50 Jahre Faslamsverein Vierhöfen - wichtiger Bestandteil des Dorflebens
- Der Vorstand des Faslamsvereins Vierhöfen (v. li.): Vorsitzender Patrick Putensen, zweiter Vorsitzender Benjamin "Benny" Tholen, Schriftwart Marcel Meyer, Faslamsvadder Hannah Wittmershaus und Faslamsmudder Timo Warnecke. Es fehlen Kassenwartin Nicole Koof, Getränkewart Rick Baumgarten sowie die Beisitzer Marvin Raffeck und Andreas Grebenstein
- Foto: Markus Ibrom
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
"Geschichten aus der Samtgemeinde Salzhausen" ist der Titel einer monatlichen Reihe des WOCHENBLATT in Kooperation mit dem bekannten Chronisten Joerg Stallbaum aus Putensen, der schon einige Bücher über die Region herausbrachte. Dabei arbeiteten Stallbaum und WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann oft zusammen, und auch zur aktuellen Reihe wurde der Autor zum Teil durch Kreiszeitungs-Artikel inspiriert.
Im zehnten Teil blättert Joerg Stallbaum in der 50-jährigen Historie des Faslamsvereins Vierhöfen - einem wichtigen Bestandteil des dörflichen Lebens:
Faslam ist ein uralter Brauch im nördlichen Niedersachsen, insbesondere im Landkreis Harburg. In früheren Zeiten zogen zur Wintersonnenwende die Mägde und Knechte in bunter Verkleidung durch das Dorf, um den Winter und die bösen Geister zu vertreiben. Dieses jahrhundertelange Brauchtum hat sich mit örtlich unterschiedlichen Varianten bis auf den heutigen Tag erhalten. Die Faslamsschwestern und –brüder „schnorren“ Getränke und Essbares und laden alle Bürger/-innen zum gemeinsamen Verzehr ein. Zum Faslam gibt es immer ein buntes Programm mit Fest- und Kostümball und Kindermaskeraden. Jedes Dorf wählt alljährlich die Faslamseltern, nämlich Faslamsmudder und -vadder. Diese haben die Aufgabe, die gesamten Faslamstage zu organisieren und zu repräsentieren.
Um das historische Brauchtum auch für die Zukunft zu erhalten, wurde in Vierhöfen die von Karl-Heinz „Kalle“ Putensen ins Leben gerufene Narrengemeinschaft 1976 als eingetragener Faslamsverein Vierhöfen registriert. Über zwölf Jahre führte er die Vierhöfener durch die närrische Zeit. Der örtliche Faslam ist heute die gesellschaftliche Nr. 1 im Dorf.
Die Faslamsfeste standen früher, wie es zeitgenössische Zeugen berichteten, in der Kritik der Geistlichkeit. So stand etwa 1825 in einem hannoverschen Presseorgan Negatives zu lesen über die „wilden und ausgelassenen Tänze“ unter dem Landvolk. Dennoch müssten sie zugelassen werden, um „größere Übel und Unsittlichkeit zu verhindern".
Seit sechs Jahren führen Patrick Putensen, Enkel des Vereinsgründers, und Benjamin "Benny" Tholen den Faslamsverein Vierhöfen an. Die traditionellen Bräuche sind bis heute weitestgehend erhalten geblieben. Ende November, kurz vor dem 1. Advent, trifft man sich im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) zum „Faslamanbinden“. Bei dieser Veranstaltung werden die Eltern für die aktuelle Saison gewählt. Mudder und Vadder können in Vierhöfen von beiderlei Geschlechtern besetzt werden.
Am zweiten Wochenende im darauffolgenden Januar beginnt die Feier am Donnerstagabend mit dem Schmücken des DGH-Saals. Am Freitagabend danach gibt es dort einen Preisskat und Knobeln. Am Samstag danach findet jeweils von 14 bis 17 Uhr der Kinderfaslam mit Maskerade statt. Abends folgt dann der Faslamstanz für alle. Am Sonntag gibt es um 11 Uhr einen Frühschoppen. Danach machen sich die Faslamsbrüder und -schwestern auf durchs Dorf zum Schnorren. Abends um 20 Uhr gibt es ein Abschlusstreffen im DGH mit Verzehr und geselligem Beisammensein.
Darüber hinaus veranstaltet der Faslamsverein Vierhöfen immer am ersten Samstag im Oktober sein Oktoberfest für alle Feierfreunde ab 18 Jahren. Termin in diesem Jahr ist am 3. Oktober um 19 Uhr im DGH (Alte Dorfstraße 58). Gäste sind herzlich willkommen.
Des Weiteren sucht der Verein neue Mitglieder, da man - wie bei vielen anderen Vereinen auch - Nachwuchssorgen hat. Interessierte können sich gern beim Vorstand melden. Die Kontaktdaten sind auf Instagram und Facebook zu finden.
(Als Quelle für diesen Beitrag nutzte Joerg Stallbaum das Buch "Das alte Heidedorf Vierhöfen" von Eberhard Leopold, Harri Schulz und Dr. Friedrich Wilhelm Reineke)
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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