Die Geschichte der Realschule Hittfeld endet am 16. Juni

Der kommissarische Schulleiter Ulf Gerkensmeyer vor dem Schulcontainer der Realschule
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Die Zahl der selbstständigen Realschulen in Niedersachsen nimmt seit 1985 kontinuierlich ab. Mit nur 26 Schülern ist die winzige Schule in Hitfeld ein Kuriosium. Im Sommer schließt sie.

ts. Hittfeld. Die Realschule Hittfeld ist ein Kusiosum in der Schullandschaft. Mit nur 26 Schülern zählt sie zu den kleinsten Schulen in Niedersachsen. Der Grund: Sie ist ein Auslaufmodell, ihr Ende steht seit Jahren fest. Am 16 Juni wird es so weit sein: Mit einem Festakt und der Zeugnisvergabe an die letzten Absolventen endet die Geschichte der 1974 eröffneten Schule. Die mittlere Reife werden Schüler in Seevetal in anderen Schulformen erwerben: in der Oberschule in Meckelfeld und an der Integrierten Gesamtschule in Hittfeld.
Die Anzahl der Realschulen in Niedersachsen nimmt seit 1985 kontinuierlich ab. Waren es im Jahr 1985 noch 270 Realschulen, sind es in 2015 nur noch 112 gewesen. Die Gründe seien der allgemeine Schülerrückgang und die Entwicklung, dass immer mehr Schüler das Gymnasium oder Gesamt- und Oberschulen auswählen. Das antwortete das Kultusministerium auf eine Anfrage des WOCHENBLATTS.
450 bis 500 Schüler haben in der Regel jedes Jahr die Realschule in Hittfeld besucht. Im Rekordjahr 1980 sind es 1.000 Schüler gewesen. Heute sind es nur noch 26 Schüler, die in einem Containerbau am Schulzentrum in Hittfeld die mittlere Reife erlangen. "Wir sind dennoch bis zum Schluss eine vernünftige Schule", sagt der kommissarische Schulleiter Ulf Gerkensmeyer.
In manchen Dingen haben es die 26 Schüler der Realschule sogar besser als anderswo. Mit Erfolg hatte Schulleiter Gerkensmeyer beantragt, dass zwei Klassen mit jeweils 13 Schülern bestehen bleiben. Das intensiviert den Unterricht. "Hier ist alles viel persönlicher", sagt Schüler Arek (16) mit Blick auf die Integrierte Gesamtschule und das Gymnasium in unmittelbarer Nachbarschaft. Arek wird eine Ausbildung zum Elektriker machen. Sein Mitschüler Jerome (16) dagegen wird auf das Gymnasium wechseln, um das Abitur zu absolvieren.
Fachlehrer, die von dem Gymnasium abgeordnet sind, unterrichten die jetzigen Schüler. "Wir haben eine beinahe hundertprozentige Fachunterrichtsversorgung. Das ist nicht an jeder Schule möglich", sagt Ulf Gerkensmeyer. Lediglich Musikunterricht müsse ausfallen, weil kein Fachlehrer gefunden werden konnte.
Trotz der Kleinstschülerschaft gibt es bis zum Ende Schulleben: Eine Mofa-Arbeitsgemeinschaft vermittelt technisches Wissen. In einer weiteren Arbeitsgemeinschaft erhalten Realschüler Kenntnisse in der Zukunftstechnologie 3-D-Druck. Ein Produkt wird ein Modell des alten Realschulgebäudes sein, das als Geschenk an die Schulbehörde vorgesehen ist. Praktische Alltagsgegenstände haben die Schüler hergestellt, zum Beispiel Chips für den Einkaufswagen und Flaschenöffner aus dem Drucker.
Die letzten Realschüler Hittfelds werden gemeinsam auf Klassenreise gehen. Auch dafür hat Ulf Gerkensmeyer gesorgt. Vom 11 bis 13. Juni geht es nach St. Peter Ording an die Nordsee.
Zusammen mit seinen Kolleginnen Maike Bottenberg (Kunst, Deutsch, Religion) und Marlies Kollmann (Biologie, Erdkunde, Wirtschaft) bildet Ulf Gerkensmeyer (Mathematik, Physik) das übersichtliche Kollegium der winzigen Schule. Das bringt Vorteile mit sich: Ausgestattet mit Wasserspender, Kaffeepadmaschine und Kühlschrank geht es in dem Lehrerzimmer angenehm ruhig zu. So ruhig, dass Lehrer der benachbarten Schulen gelegentlich die Oase besuchen. "So etwas wie hier gibt es nirgendwo", sagt Ulf Gerkensmeyer.
Von einem routinemäßigen Abwickeln der Schule hält das kleine Kollegium nichts. Es gibt mehr als es muss und bietet Vorbereitungsstunden für die Abschlussprüfungen in Deutsch und Mathematik an.
Am Samstag, 16. Juni, wird die Realschule endgültig Geschichte sein. Am letzten Tag der Realschule Hittfeld erhalten die 26 verbliebenen Schüler ihre Zeugnisse. Bei einem Festakt ab 11 Uhr werden die Schulleiter der Nachbarschulen Ansprachen halten. Mitglieder der alten Schulband, heute jeweils um die 40 Jahre alt, werden dazu zusammenkommen und ein Konzert geben. 150 Gäste erwartet die Realschule in der ehemaligen Aula.
Die Unterrichtscontainer, in denen das Realschulprovisorium zurzeit untergebracht ist, wird die Integrierte Gesamtschule übernehmen, bis der Neubau errichtet ist. Während die Zukunft der Gebäude also geregelt ist, ist die Rolle des kommissarischen Schulleiters Ulf Gerkensmeyer im nächsten Schuljahr noch ungewiss: "Ich habe mich als Schulleiter beworben", sagt er, "noch ist alles offen."

Der kommissarische Schulleiter Ulf Gerkensmeyer vor dem Schulcontainer der Realschule
Schlaghosen und üppige Haarpracht: Die Aufnahme zeigt das Kollegium der Realschule im Jahr 1977 Fotos: ts / Realschule
Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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