Kunsthandwerk
Holzschnitzer aus Meckelfeld bringt das Reh in die Nuss

Eine Geschenkidee zu Weihnachten, die es mittlerweile auf mehrere Kontinente geschafft hat: ausgehöhlte Walnussschalen mit einen winzigen geschnitzten Reh darin Fotos: ts
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ts. Meckelfeld. Johannes Melitzki aus Meckelfeld widmet sich seit den 1970er-Jahren der Holzschnitzerei. Eine Spezialität des 86-Jährigen ist ein beliebtes Weihnachtsgeschenk: ein kaum daumennagelgroßes Reh, das er in der halboffenen Schale einer ausgehöhlten Walnuss platziert. Rund 1.200 dieser Miniaturen, hübsch als Nest dekoriert, hat er inzwischen in der Welt verteilt. Entweder verschickt der frühere Seemann sie selbst an Bekannte. Oder Menschen, die ihn kennen, bringen sie als Geschenk zu Freunden und Verwandten mit. "Sogar in Australien stehen die Walnüsse", sagt Johannes Melitzki stolz.
Zwölf Arbeitsgänge seien notwendig, um das winzige geschnitzte Reh in die Nussschale zu bringen. Um in der Adventszeit 100 dieser Miniaturen in filigraner Handarbeit zu fertigen, ist Johannes Melitzki vier bis fünf Wochen lang täglich beschäftigt.
Eine seiner Lieblingsskulpturen: ein etwa ein Meter langer Ast, um den sich eine Schlange windet und den Zaunkönige bevölkern. Aus Lindenholz hat er sie gefertigt. Viel Lob von Holzschnitzern hat ihm diese Arbeit eingebracht.
An den Wänden, in Regalen, Vitrinen und auf dem Boden - kaum ein Platz in der Wohnung, an dem keine Schnitzarbeit steht. Motive aus allen Kontinenten zeigen sie. Der NDR hat seine Arbeiten im Fernsehen gezeigt, nennt Johannes Melitzki poetisch den "Mann, der die Welt in die Bäume schnitzt".
Seinen "Mund der Wahrheit" hat er sich geschnitzt. Vorbild ist die Bocca della Verità, ein scheibenförmiges Relief, das in der Säulenvorhalle der römischen Kirche Santa Maria in Cosmedin angebracht ist. Wer seine Aufrichtigkeit beweisen will, muss die Hand in den Mund dieser Riesenmaske einfügen. Der Legende nach würde die Skulptur die Lügner kräftig beißen.
Seit 40 Jahren ist Johannes Melitzki mit seiner Frau Martina verheiratet. Warum die beiden so gut miteinander auskommen, erklärt er so: "Wir hatten nie Zeit zu streiten."
So beständig ist sein Leben nicht immer gewesen. In Sachsen geboren, hat er das Land nach nur 24 Stunden verlassen. Sein Vater, ein Postbeamter, sei nach Breslau versetzt worden, erzählt Johannes Melitzki. Über Bayern und Hamburg ist er vor 60 Jahren nach Meckelfeld gekommen. In dem Mehrfamilienhaus, in das er damals einzog, lebt er heute noch. Der erste Mieter sei er gewesen, die Treppengeländer hätten noch gefehlt. Er kannte jeden Fahrgast, der am Bahnhof Meckelfeld auf den Zug wartete.
In den 1950er-Jahren ist Johannes Melitzki zur See gefahren. Die halbe Welt hat der Schiffskoch gesehen: die Karibik, den Pazifik, das Mittelmeer. Gelernter Schlachter ist er, der später zum Fachmann für Registratur und Archive umsattelte.
Das Schnitzen begann Johannes Melitzki, als er an Stimmbandkrebs erkrankte. Sein Arzt empfahl ihm, sich ein Hobby zu suchen. "Jeder Mensch hat ein Talent und das muss er entdecken", sagt Johannes Melitzki. Bei einem Fleischermeister liege das Messer nahe. Gedankenverloren habe er einmal am Pulvermühlenteich in Meckelfeld gesessen und einen Knüppel mit dem Messer bearbeitet. Ein Bekannter sah ihn dabei und staunte: In der Schnitzarbeit erkannte er das Gesicht des iranischen Revolutionsführers Khomeni. "Und ich dachte, Mensch, ich kann ja schnitzen", erzählt Johannes Melitzki und lacht. Mittlerweile hat der 86-Jährige ein zusätzliches Talent entdeckt: Er zeichnet - erst Gebäude und jetzt auch Porträts.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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