Bänke abgebaut im Höpen-Wald
Keine Verschnaufpause für Senioren

Ute Wegener verbringt bereits seit ihrer Kindheit viel Zeit im Höpen. Normalerweise ist sie dabei zu zweit unterwegs. Ihre Cousine könne ohne Bänke nicht mehr mit ihr mitkommen, da sie auf Ruhepausen angewiesen sei. | Foto: sra
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  • Ute Wegener verbringt bereits seit ihrer Kindheit viel Zeit im Höpen. Normalerweise ist sie dabei zu zweit unterwegs. Ihre Cousine könne ohne Bänke nicht mehr mit ihr mitkommen, da sie auf Ruhepausen angewiesen sei.
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Was der Buchwedel für Ohlendorfer, Holtorfsloher und Ramelsloher ist, ist der Höpen-Wald für die Nord-Seevetaler: Ein Ort der Erholung. Das Wäldchen erstreckt sich auf einer Fläche von rund einem Quadratkilometer zwischen den Ortschaften Meckelfeld, Glüsingen und Fleestedt.

Anfang März gab die Gemeinde Seevetal bekannt, dass die Bänke im Höpen-Wald zwischen Meckelfeld, Glüsingen und Fleestedt abgebaut werden. Einige der Sitzgelegenheiten sind im Laufe der Jahre nahezu unbenutzbar geworden und bedurften dringend Pflege, andere hingegen waren noch in einem guten Zustand.

Nicht gerade einladend: Vor dem Abbau sahen einige Bänke aus wie auf diesem Bild | Foto: sra
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Da sich die Bänke auf privaten Flächen befinden, seien der Gemeinde aufgrund "neuer Vorgaben zur Verkehrssicherungspflicht" die Hände gebunden und könnten nicht einfach ersetzt werden, so Pressesprecherin Anne Strauch. Als Ausgleich gab die Gemeinde neue Bank-Plätze um den Höpen herum bekannt.

Anwohner beschweren sich zurzeit über diese Maßnahme. Eine Leserin des WOCHENBLATT beschreibt die Aktion als: "Zustand der Altersdiskriminierung, Einschränkung der Inklusion sowie rücksichtsloser Umgang mit unserer Umwelt" und bittet, dass dies "schnellstmöglich behoben wird". Eine weitere Meckelfelderin weist darauf hin, dass sich "im Wald bewegen zu können, doch der Gesundheit aller dienen würde" und versteht nicht, wer so etwas veranlasse.

Gegenüber den nachfragenden Anwohnern stellt die Gemeinde vor allen Dingen den Zustand der morschen Bänke als Grund des Abbaus in den Vordergrund und gibt an, dass die Gemeinde die Bänke nicht ersetzen könne, da sie nicht auf gemeindeeigenen Flächen stehen.

Der Meckelfelder Senioren-Lauftreff wandte sich jetzt mit einem offenen Brief an den Meckelfelder Ortsbürgermeister Peter Langenbeck. Die sportlichen Seevetaler weisen darauf hin, dass sie sich bereits seit rund 50 Jahren im Höpen zum Waldlauf treffen. Live mussten sie mit ansehen, wie "ihre" Ruhe- und Wartebank von Mitarbeitern der Gemeinde entfernt wurde. In ihrem Brief erklären sie, dass ihr ältestes Mitglied mittlerweile 91 Jahre alt sei und dass die Bänke für viele Mitglieder eine willkommene Möglichkeit zu einer benötigten Pause seien.

Der Höpenwald zwischen Meckelfeld und Fleestedt wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern als Erholungsort genutzt | Foto: sra
  • Der Höpenwald zwischen Meckelfeld und Fleestedt wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern als Erholungsort genutzt
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Langenbeck: "Ich kann den Unmut bzw. das Unverständnis der Bürger nachvollziehen." Von ihrem Brief erhoffen sich die Seevetaler Unterstützung aus der Politik. Auch abseits des Lauftreffs wollen engagierte Bürgerinnen und Bürger jetzt eine Unterschriftenaktion starten. Mehrere dieser Unterschriften erreichten den Meckelfelder Bürgermeister bereits. "Ich bekomme momentan täglich Anrufe und Briefe", sagt Langenbeck, welcher ebenfalls etliche Stunden seiner Kindheit im Höpen verbrachte.

Die Gemeinde verwies auf Nachfrage einiger Lauftreff-Mitglieder und weiterer Waldnutzer ebenfalls darauf, dass die Bänke nicht sicher vor herabstürzenden Ästen seien und sie daher demontiert werden müssen. Was denn nun? Können sie nicht ersetzt werden, da es rechtliche Hindernisse gibt, oder sind Bänke im Wald aus Sicht der Gemeinde zu gefährlich?

Das WOCHENBLATT hat bei dem Waldeigentümer - den Niedersächsischen Landesforsten - nachgefragt, und diese sehen die dargestellte Sachlage etwas differenzierter.

"Die Gemeinde kam auf uns zu und hat dem Forstamt eine Schenkung der teilweise maroden Bänke angeboten. Mit dieser Schenkung wären allerdings die Übernahme der Verkehrssicherung sowie die Unterhaltung der Bänke verbunden gewesen, die bisher bei der Gemeinde liegt. Das Forstamt sah keinen Grund, die Verkehrssicherungspflicht von der Gemeinde zu übernehmen. Das Forstamt Sellhorn hat der Gemeinde zu keinem Zeitpunkt untersagt, die Bänke dort weiterzubetreiben oder gar abzubauen", so Peter Wendt, Leiter des Forstamtes Sellhorn.

Das Forstamt Sellhorn ist für rund 13.000 Hektar Wald verantwortlich und betreut zusätzlich rund 500 Hektar Genossenschaftswälder.

"Das Forstamt Sellhorn ist weiterhin gerne bereit, gemeinsam mit der Gemeinde Seevetal eine Vereinbarung zu treffen, um im Höpen wieder Erholungseinrichtungen für Spaziergängerinnen und Spaziergänger aufzustellen. Wichtig ist dabei nur, dass diejenigen, die solche Einrichtungen wünschen, auch die Verantwortung für die Verkehrssicherheit und Unterhaltung übernehmen - diese liegt dann weiterhin bei der Gemeinde, dem Aufsteller der Einrichtungen", so Wendt.

Eine vom NLF betriebene Eichenbank im Höpen. Sie bleibt stehen. Insgesamt betreibt der NLF nach eigenen Angaben noch fünf Bänke in diesem Wald | Foto: sra
  • Eine vom NLF betriebene Eichenbank im Höpen. Sie bleibt stehen. Insgesamt betreibt der NLF nach eigenen Angaben noch fünf Bänke in diesem Wald
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Denn anders, als es die Gemeinde darstellt, ist es viel weniger eine rechtliche Frage, sondern eine Frage der Umsetzung, ob sie die Verkehrssicherung in Wäldern, die nicht Eigentum der Gemeinde sind, übernehmen kann. "Das lässt den Schluss vermuten, dass es der Gemeinde schlicht zu viel Arbeit sei, sich um die von ihr aufgestellten Bänke und Mülleimer im Höpen weiter zu kümmern", sagt eine Erholungssuchende.

Ebenfalls unverständlich für die Waldnutzer: Auch die Mülleimer mussten dran glauben. Um den Höpen herum stehen zwar Müllbehälter (und weitere sollen in naher Zukunft folgen), ob diese den gleichen Effekt erzielen, ist allerdings fraglich. Selbstverständlich darf Müll niemals im Wald landen, jedoch unterscheiden sich hier wohl Theorie und Praxis. Besser wären zweifellos, wie bisher, Mülleimer entlang der Wege im Wald, nicht außerhalb.

INFORMATION - RICHTIGSTELLUNG:

In der Printausgabe wurde die Ortsratsitzung, in der das Thema "Höpen" besprochen werden konnte, für Meckelfeld / Klein-Moor fälschlicherweise für den 20. Mai angekündigt. 

Die Ortsratsitzung hat bereits am 13. Mai. stattgefunden.

Ute Wegener verbringt bereits seit ihrer Kindheit viel Zeit im Höpen. Normalerweise ist sie dabei zu zweit unterwegs. Ihre Cousine könne ohne Bänke nicht mehr mit ihr mitkommen, da sie auf Ruhepausen angewiesen sei. | Foto: sra
Dieses Schild erinnert daran, dass Müll nicht in den Wald gehört. Unverständlich, warum jetzt nahezu alle Mülleimer aus dem Erholungsgebiet verschwunden sind | Foto: sra
Nicht gerade einladend: Vor dem Abbau sahen einige Bänke aus wie auf diesem Bild | Foto: sra
An der gleichen Stelle herrscht nun Leere. Bankersatz: Fehlanzeige | Foto: sra
Der Höpenwald zwischen Meckelfeld und Fleestedt wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern als Erholungsort genutzt | Foto: sra
Eine vom NLF betriebene Eichenbank im Höpen. Sie bleibt stehen. Insgesamt betreibt der NLF nach eigenen Angaben noch fünf Bänke in diesem Wald | Foto: sra
Redakteur:

Sven Rathert aus Seevetal

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