Solidaritätswelle
Wie sich in der Corona-Krise Nachbarn gegenseitig unterstützen

Michael Wildemann (v. li.), Bianka Stapelfeldt und Stefan Frommann von der Nachbarschaftshilfe Fleestedt bieten ihre Unterstützung und erledigen zum Beispiel für Senioren den Einkauf
  • Michael Wildemann (v. li.), Bianka Stapelfeldt und Stefan Frommann von der Nachbarschaftshilfe Fleestedt bieten ihre Unterstützung und erledigen zum Beispiel für Senioren den Einkauf
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(ts/thl/bim/mum/as).Hunderte organisieren sich während der Corona-Krise in den Landkreisen Harburg und Stade, um für Nachbarn da zu sein - vor allem für diejenigen, die zur Risikogruppe gehören. Ein Beispiel dieser Solidaritätswelle ist die Nachbarschaftshilfe Fleestedt. In der 4.800-Einwohner-Ortschaft in der Gemeinde Seevetal haben sich innerhalb weniger Tage spontan 166 Menschen bereit erklärt, für andere Einkäufe zu erledigen, Gassi zu gehen oder Nachbarskinder zu betreuen, weil deren Mütter und Väter arbeiten müssen.
Bianka Stapelfeldt hat zusammen mit Nils Engelhard die Gruppe gegründet. Die selbstständige Unternehmerin, ehrenamtliche Trainerin im örtlichen Turn- und Sportverein und Mutter von zwei Töchtern (13 und 17 Jahre alt) hatte bereits vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie die Idee zu einer Nachbarschaftshilfe. Ihr Aufruf bei Facebook löste eine Solidaritätswelle aus, die sie nicht erwartet hat: Innerhalb von 18 Stunden hatten sich 100 freiwillige Helfer gemeldet. Inzwischen sind es 166 Nachbarn, die andere unterstützen wollen. "Darunter sind viele, die im Homeoffice arbeiten, eine Krankenschwester aus dem Ort und viele Mütter, die zu Hause sind", sagt Bianka Stapelfeldt.
1.000 Flyer hat die Nachbarschaftshilfe in den Umlauf gebracht. Noch sei die Zahl der Helfer größer als die der Hilfesuchenden. "Ältere Menschen müssen nicht das Gefühl haben zu betteln. Wir helfen gerne", betont Bianka Stapelfeldt.
Stefan Frommann appelliert an die älteren Mitbürger, die Nachbarschaftshilfe anzunehmen: "Die Experten sagen, wir müssen soziale Kontakte vermeiden. Da ist es doch wichtig, dass die, die wir schützen wollen, nicht in die Supermärkte gehen", sagt er. Stefan Frommann bietet seine Dienste an. Bekannt im Ort ist er als Vorstandsmitglied im TuS Fleestedt.
Viele, die sich bei der Nachbarschaftsgruppe melden, haben das Bedürfnis, mit jemandem zu sprechen. "Weil Seniorengruppen und Tanzcafés geschlossen sind, fühlen sich viele Senioren isoliert und einsam", erklärt Michael Wildemann. Er engagiert sich in der Nachbarschaftshilfe. Der Öffentlichkeit bekannt ist er als Wahlkreismitarbeiter des stellvertretenden niedersächsischen Ministerpräsidenten und Landtagsabgeordneten Bernd Althusmann (CDU). Ältere Menschen sorgen sich, dass dringend benötigte Medikamente knapp werden, sagt Bianka Stapelfeldt.
Nach den ersten Erfahrungen beschäftigt die Helfenden ein Problem: Dass einige Supermärkte damit begonnen haben, Waren nur in begrenzter Stückzahl zu verkaufen, um Hamsterkäufe zu verhindern, baut der Nachbarschaftsgruppe eine Hürde auf, für andere einzukaufen. "Wir überlegen, in Absprache mit den Marktleitern einen Ausweis oder einen Button zu entwickeln, an denen die Helfer zu erkennen sind. Es kann nicht sein, dass Leute helfen wollen, aber nicht dürfen", sagt Bianka Stapelfeldt.
Was nach den ersten Tagen Nachbarschaftshilfe überwiege, sei die Dankbarkeit der Menschen im Ort. "Viele bedanken sich bei uns. Da bekomme ich immer noch Gänsehaut", sagt Bianka Stapelfeldt. Michael Wildemann hofft, dass die Gruppe auch nach dem Ende der Pandemie weiterbestehen wird.
Diese Mitglieder helfen in Fleestedt ehrenamtlich selbst oder vermitteln die passende Unterstützung:
Bianka Stapelfeldt, Telefon 0157-88209759
Jennifer Brockmann, Telefon 0176-21525319
Natalie Döring, Telefon 0176-60973044
Michael Wildemann, Telefon 0173-1985074

• Die Macher der Facebook-Gruppe "Corona Care Winsen", Janine und Kai Herzberger, haben jetzt eine Hotline geschaltet. Unter Tel. 0170 - 1906683 können sich täglich zwischen 9 und 17 Uhr Menschen melden, die derzeit Hilfe benötigen, sowie Menschen, die gerne helfen wollen. Unterstützt wird das Projekt von der Stadt, die unter Tel. 04171 - 657333 auch Anrufe von Hilfesuchenden entgegennimmt. Um auch die Hilfesuchenden zu erreichen, die nicht bei Facebook sind, werden ab sofort in Winsen und den Ortsteilen Flyer verteilt, auf denen alle notwendigen Informationen zu finden. Weitere Infos gibt es aber auch unter www.corona-care-winsen.de.
• In der Samtgemeinde Tostedt wollen junge Menschen auf Initiative des Jugendzentrums Tostedt (JuzT) Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen und für Menschen der sogenannten „Risikogruppe“ Einkäufe in Supermarkt, Drogerie, Apotheke oder andere Besorgungen übernehmen. Der Ablauf ist ganz einfach: Auf die Hilfe Angewiesene melden sich telefonisch oder per E-Mail im JuzT und geben ihre persönlichen Daten und ihren Wunsch an. Das Team koordiniert das Netzwerk der Helfer. Einer der Nachbarschaftshelfer wird dann Kontakt aufnehmen, Geld und Einkaufszettel annehmen und einkaufen. „Um unsere Nachbarschaftshelfer und Menschen der Risikogruppe bestmöglich zu schützen, haben wir Regeln entwickelt, die vorab mitgeteilt werden“, so JuzT-Leiter Lennard Weiß.
Wer bei der Nachbarschaftshilfe mitmachen oder als Betroffener der Risikogruppe die Hilfe in Anspruch nehmen will, meldet sich unter Tel. 0160 - 944 34 645 oder per E-Mail an b.gaum@reso-fabrik.de.
• Das ist löbliches Engagement: Die evangelische Jugend der St. Martins-Kirchengemeinde Jesteburg nimmt die Corona-Krise zum Anlass, Verantwortung für Mitmenschen zu übernehmen. Konkret machen die Jungen und Mädchen Besorgungen für diejenigen, die wegen ihres Alters oder möglicher Vorerkrankungen das Haus nicht verlassen möchten. Im Wesentlichen geht es dabei um lebensnotwendige Dinge des täglichen Bedarfs.
Wer Hilfe wünscht, kann sich ab Montag, 23. März, via E-Mail an Diakon Rüdiger Sawatzki wenden. Telefonisch ist Sawatzki dienstags und mittwochs zwischen 10 und 12 Uhr unter Tel. 0157-33883346 zu erreichen. "Während des Gesprächs klären wir den genauen Ablauf", sagt Sawatzki. "Im Anschluss wird koordiniert, eingekauft, geliefert und der Einkauf abgerechnet."
• Auch die Kleckener wollen ihren Mitmenschen in dieser Ausnahmesituation helfen. Die neu gegründete Nachbarschaftshilfe besorgt deshalb für gesundheitlich vorgeschwächte Personen oder ältere Personen den Lebensmitteleinkauf oder den Apothekenbesuch. Wer Hilfe benötigt oder mithelfen möchte, meldet sich bei Kleckens Ortsbürgermeisterin Anke Grabe, unter Tel. 0176-40103462 oder per E-Mail an anke.grabe@gmx.de.

Wir veröffentlichen Ihre Initiativen
Haben auch Sie eine Initiative zur Nachbarschaftshilfe gegründet und suchen noch Unterstützer oder möchten ihr Hilfsangebot im Ort bekannt machen? Wir veröffentlichen Ihr Hilfsangebot. Schicken Sie uns dazu gerne eine E-Mail an red-buch@kreiszeitung.net (Stichwort: "Wir helfen"). Bitte geben Sie an, für welchen Ort die Initiative gilt, welche Hilfe Sie übernehmen und wie Hilfesuchende Sie kontaktieren können.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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