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Gemeinde Seevetal: Kämmerer Jenzen zieht BIlanz
"Wir stehen ganz gut da"

Herr der Zahlen im Rathaus: Thomas Jenzen wurde gerade offiziell als Kämmerer bestätigt | Foto: pöp
  • Herr der Zahlen im Rathaus: Thomas Jenzen wurde gerade offiziell als Kämmerer bestätigt
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Er verkörpert Beständigkeit in einer dynamischen Zeit, hat sein ganzes berufliches Leben seit der Ausbildung 1992 in den Dienst der Gemeinde gestellt, kennt die Abteilungen aus dem Effeff und alle Mitarbeiter: Gemeindekämmerer Thomas Jenzen wurde vom Gemeinderat jetzt auch offiziell ins Amt eingesetzt, nachdem er es nach dem Weggang des vorigen Kämmerers Josef Brand seit 2024 schon kommissarisch übernommen hatte. Seine Startbilanz: "Wir stehen gar nicht so schlecht da."

Das kann man vor allem an einer Zahl ablesen: der Verschuldung pro Kopf. Denn bisher hat die Gemeinde es offenbar geschafft, die meisten größeren Investitionen aus eigener Kraft oder mit nur geringer Kreditaufnahme zu finanzieren. In Seevetal betrug die rechnerische Pro-Kopf-Verschuldung der Bürger 2024 nur 463 Euro, stieg 2025 um 19 Prozent auf 551 Euro. Der Durchschnittswert aller niedersächsischen Kommunen liegt da bemerkenswert viel höher: 2024 waren die Bürger niedersächsischer Kommunen durchschnittlich mit rechnerisch 2.323 Euro verschuldet, 2025 sogar mit 2.874 Euro.

„Wir haben eine gute Einnahmenseite mit Gewerbesteuer und Einkommenssteueranteil. Und wir planen unseren Haushalt sehr akribisch und betrachten dabei realistisch den Zeitplan von Projekten mit zum Beispiel Genehmigungs- und Vergabeverfahren und Bauzeiten", erklärt Verwaltungschefin Emily Weede dazu. Die Bürgermeisterin ist zufrieden. Auch damit, dass Gewerbesteuer und Grundsteuer seit Jahren stabil gehalten werden konnten. Der Gewerbesteuer-Hebesatz liegt mit 390 Prozent unter dem von zum Beispiel Winsen (400 Prozent), Buchholz (400 Prozent), Rosengarten (420 Prozent) oder Neu Wulmstorf (420 Prozent).

Zurücklehnen kann sich der "Herr der Zahlen" aber nicht, das ist Jenzen bewusst: Bisher sei es ganz gut gelaufen. Ursächlich dafür ist nicht zuletzt eine gute Basis an Gewerbe in Seevetal: 37,5 Millionen Euro spülte die Gewerbesteuer in die Seevetaler Kasse, 34 Millionen Euro der Anteil der Gemeinde an der Einkommenssteuer. Die Großgemeinde umfasst Gewerbegebiete in Beckedorf (Beckedorfer Bogen), Glüsingen (Glüsinger Straße), Hittfeld (Bosteler Feld), Maschen (Unner de Bult, Brunskamp), Meckelfeld (Rehmendamm), Ramelsloh (Ramelsloh Nord, Ramelsloh Am Osterberg), Ohlendorf (Brackeler Straße). Der Standort am Hamburger Stadtrand mit vielen Autobahnanschlüssen ist für Gewerbetreibende attraktiv. Früher profitierte die Gemeinde außerdem von der Spielbankabgabe. "Diese Zeiten sind wirklich schon lange vorbei", zeigt sich Jenzen eher amüsiert.

Aktuell stehen zahlreiche Großprojekte an, welche Seevetal aber durch meist erhebliche Förderungen von Land und Bund nicht allein stemmen muss: Die Sanierung der Decatur-Brücke in Maschen (54 Millionen Euro Investitionsbedarf einschließlich Förderungen), Sanierung und Erweiterung der Grundschule Fleestedt (9,6 Millionen Euro), die Erweiterung der Grundschule Maschen um eine Mensa ab 2027 (8 Millionen Euro), ein neues Sporthaus in Meckelfeld (Appenstedter Weg, 5,7 Millionen Euro), der Neubau eines Gerätehauses für die Feuerwehr Helmstorf (2,7 Millionen Euro), die Kitas Maschen Moorweidendamm (4,5 Millionen Euro) und Emmelndorf (3,6 Millionen Euro), im Bereich Tiefbau die Renaturierung des Göhlenbaches (3,2 Millionen Euro) und die Erschließung des Neubaugebietes Göhlenbach (2,3 Millionen Euro). Mittelfristig stehen außerdem ein neues Sporthaus in Ramelsloh und die Erneuerung der Feuerwachen Meckelfeld und Beckedorf auf der To-Do-Liste.

"Auch wir konnten nicht alles aus eigener Kraft finanzieren, aber wir konnten immerhin die Infrastruktur, Kitas, Schulen und Brücken erhalten und dabei sogar außergewöhnliche drei Schwimmbäder, in Hittfeld, Over und das Lehrschwimmbecken in Maschen, erhalten", freut sich Jenzen.

Tatsächlich haben andere Gemeinden im Landkreis, zum Beispiel Jesteburg, damit Schwierigkeiten: Seit Jahren steht es jedes Jahr auf der Kippe, ob das Jesteburger Freibad öffnen kann, Sanierungen wurden lange aufgeschoben, bis jetzt eine ordentliche Finanzspritze vom Bund kam (das WOCHENBLATT berichtete). Der Sportverein muss hingegen wohl noch auf die überfällige Laufbahn warten.

Viele Gemeinden fangen beim Sparen bei solchen freiwilligen Leistungen für die Bürger an. Trotz Förderungen und Zuschüssen wird trotz allseits anerkanntem Bedarf in Jesteburg noch immer diskutiert, ob die Gemeinde sich einen Neubau des Grundschulgebäudes leisten kann. Das lange überfällige Feuerwehrgerätehaus in Bendestorf ist ebenfalls noch nicht in die Planungsphase eingetreten.

Tatsächlich gibt es durch aktuell sinkende Zahlen an Geflüchteten wohl Entlastung bei den - vom Bund verordneten - Kostenübernahmen. Mittelfristig sinken voraussichtlich auch die Zahlen an Kindern, die in Kitas und Grundschulen betreut und versorgt werden müssen. In Seevetal werden schon jetzt Geflüchtetenunterkünfte für andere Zwecke genutzt. Man habe gern eine Unterbringungsmöglichkeit in Reserve, für unvorhergesehene Unglücksfälle und um nicht zu viel Wertverlust einzustecken, da sei man sich mit der Politik einig, erklärt Jenzen.

So könne eine gute Infrastruktur das Leben in Seevetal lebenswert machen. Und er blickt trotz aller Unsicherheiten positiv in die Zukunft: "Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass sich die Lage dramatisch verschlechtert. Wenn wir hier weiter wie bisher mit Augenmaß vorgehen, könnte das klappen."

Kreisumlage belastet kommunale Finanzen
Redakteur:

Gabriele Poepleu aus Seevetal

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