Interview
Die Corona-Krise erreicht schleichend die Bauwirtschaft

Andreas Baier, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft des Kreises Harburg
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(ts). Bauunternehmen spüren erste Auswirkungen der Coronakrise, aber noch wird in Deutschland gebaut. Auf den meisten Baustellen ist es möglich, die Hygienevorschriften einzuhalten. Nach Schätzung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie können etwa drei Viertel aller Unternehmen ihren Arbeiten weitestgehend nachgehen. Warum die Sorgen der Branche dennoch wachsen, erklärt Andreas Baier, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft des Kreises Harburg, in einem Interview per E-Mail.
WOCHENBLATT: Laufen die Baustellen in unserer Region trotz der Einschränkungen im öffentlichen Leben weiter?
Andreas Baier: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden die Baustellen in unserer Region weiterbetrieben. Vereinzelt kommt es jedoch zu kurzfristigen Absagen, weil bei den Bauherren Unsicherheit über die weitere Entwicklung herrscht.
WOCHENBLATT: Wo zum Beispiel sind zurzeit Baustellen in Betrieb?
Andreas Baier: Die aktuellen Baustellen sind überwiegend im Großraum Hamburg.
WOCHENBLATT: Welche Auflagen zur Eindämmung der Epidemie machen sich im Arbeitsalltag der Bauarbeiter bemerkbar?
Andreas Baier: Zur Eindämmung der Pandemie und zum Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmer im Baugewerbe wurden die Vorsichtsmaßnahmen und Verhaltensregeln überprüft und angepasst. Diese Maßnahmen orientieren sich an den Vorgaben der zuständigen Bauberufsgenossenschaft. Zum Beispiel soll bei Sammelfahrten die Zahl der Insassen in Firmenbussen reduziert werden und mehr Arbeitnehmer mit dem Privatauto zur Baustelle fahren. Auf der Baustelle versuchen die Beschäftigten, möglichst eine enge Zusammenarbeit zu vermeiden. Wenn das nicht möglich ist, bilden sie Teams mit festen Besetzungen, um Kontakte auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
WOCHENBLATT: Viele Mitarbeiter auf Baustellen stammen aus Osteuropa. Befürchten Sie wegen der Grenzschließungen personelle Engpässe auf den Baustellen?
Andreas Baier: Arbeitnehmer aus Osteuropa werden in der Regel von Subunternehmen unserer Baubetriebe eingesetzt. Aufgrund der Einschränkungen im länderübergreifenden Verkehr ist damit zu rechnen, dass viele Subunternehmer in Zukunft weniger Arbeitnehmer aus Osteuropa einsetzen können.
WOCHENBLATT: Wird es wegen Lücken in den Lieferketten zu Engpässen bei Materiallieferungen kommen?
Andreas Baier: Wegen der aktuellen Situation wird es voraussichtlich auch zu Lieferengpässen bei Materialanlieferungen kommen. Beispielhaft wird hier darauf hingewiesen, dass bestimmte Materialien teilweise aus Südeuropa, also Ländern wie Italien oder Spanien, und auch aus China bezogen werden. Aufgrund der dortigen Situation und aufgrund der Einschränkungen des Güterverkehrs ist hier mit Engpässen zu rechnen.
WOCHENBLATT: Sind die Auftragsbücher noch voll oder beantragen Baubetriebe bereits jetzt Kurzarbeit für Mitarbeiter?
Andreas Baier: Eine Umfrage bei unseren Innungsunternehmen ergab Anfang Februar eine gute Auslastung für die nächsten Monate. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie und der weiterhin bestehenden Ungewissheit bereiten die Bauunternehmen die Einführung von Kurzarbeit vor. Entsprechende vorsorgliche Anzeigen sind bereits erfolgt und sollten auch weiterhin getätigt werden, um auf eine negative Entwicklung in Zukunft vorbereitet zu sein.

Andreas Baier, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft des Kreises Harburg
Trotz Coronakrise wird in der Region weiter gebaut, wie hier zum Beispiel Wohnungen in der Schützenstraße in Buchholz
Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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