Interview
Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann: "Wir sind aktuell täglich im Gespräch mit unserer Repräsentanz in Teheran"

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU)
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(ts). Nichts hält zurzeit die Welt mehr in Atem als der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Was nur wenige wissen: Das Land Niedersachsen unterhält seit 2016 eine Repräsentanz in der iranischen Hauptstadt Teheran. Sie soll Unternehmen aus Niedersachsen beim Einstieg in den iranischen Markt unterstützen. Im Interview mit dem WOCHENBLATT spricht Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) über die niedersächsisch-iranische Wirtschaftsbeziehung in Zeiten der Krise. Ob Unternehmen aus den Landkreisen Harburg und Stade Handel mit dem Iran betreiben, lässt er aus Datenschutzgründen unbeantwortet.
WOCHENBLATT: Ist die Repräsentanz des Landes Niedersachsen in Teheran zurzeit noch geöffnet? Wenn ja, welche Aufgaben kann sie während der USA-Iran-Krise noch erfüllen?
Bernd Althusmann: Die Repräsentanz des Landes ist nach wie vor geöffnet. Allerdings ist sie seit November 2019 nur noch mit einer halben, anstatt einer Vollzeitstelle besetzt – die US-Sanktionen haben zu einem Einbruch auch der niedersächsisch-iranischen Handelsbeziehungen geführt. Das spiegeln die deutlich zurückgegangenen Handelszahlen wider. Mittlerweile haben sich nahezu alle größeren Unternehmen und auch viele kleine und mittlere Firmen aus dem Iran zurückgezogen. Die meisten noch tätigen niedersächsischen Unternehmen sind vor allem daran interessiert, die bestehenden Geschäfte abzuwickeln. Es gibt aber durchaus Firmen, die schon vor dem Atomabkommen in den Iran nicht sanktionierte Produkte wie etwa pharmazeutische Produkte geliefert haben und diese jahrelangen Geschäftsbeziehungen auch in diesen schwierigen Zeiten aufrechterhalten.
WOCHENBLATT: Haben Sie als Wirtschaftsminister den Iran schon einmal besucht?
Althusmann: Nein. Der Schwerpunkt meiner Delegationsreisen als Wirtschaftsminister lag bisher in Ost-Asien, wo ich für Zukunftsthemen wie künstliche Intelligenz, Digitalisierung und innovative Energieformen sehr großes Potential sehe. Zuletzt habe ich Ende 2019 mit niedersächsischen Unternehmern Ostafrika besucht.
WOCHENBLATT: Wie oft stehen Sie in Kontakt mit dem Repräsentanten des Landes Niedersachsen in Teheran? Was besprechen Sie miteinander?
Althusmann: Meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Außenwirtschaftsreferat tauschen sich in der Regel wöchentlich, aktuell sogar täglich, mit dem Niedersachsen-Repräsentanten in Teheran aus. In diesen Telefonaten berichtet unser Repräsentant über die allgemeine Lage und über seine aktuellen Aktivitäten und Anfragen aus Niedersachsen. Auch wenn dem Repräsentanten natürlich nicht alle Aktivitäten niedersächsischer Unternehmen in Iran bekannt sein können, kann er sich aufgrund seiner eigenen Kontakte und der Nähe zur Deutsch-Iranischen Auslandshandelskammer ein gutes Bild zur Lage und den niedersächsisch-iranischen Handelsbeziehungen und deren Problemen machen. Ende November 2019 war unser Repräsentant anlässlich unserer jährlich stattfindenden Internationalen Beratertage in Hannover und hat dort Beratungsgespräche mit einigen Unternehmen geführt.
WOCHENBLATT: Wie entwickelt sich der Handel zwischen Niedersachsen und dem Iran?
Althusmann: Das Wiedereinsetzen der US-Sanktionen 2018 gegenüber Iran hat den Wirtschaftsbeziehungen nachhaltig geschadet. Nach einem zweistelligen Zuwachs in 2017 nahmen die Exporte Niedersachsens in den Iran in 2018 nur noch um gerade einmal 8,8 Prozent zu. Wurden 2018 noch Waren im Wert von gut 197 Millionen Euro aus Niedersachsen in den Iran exportiert, schrumpften die Exporte zwischen November 2018 bis Oktober 2019 auf 81,14 Millionen Euro. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den iranischen Importen nach Niedersachsen: Während 2018 Waren von rund 40 Millionen Euro in Niedersachsen eingeführt wurden, hatte der Import zwischen November 2018 und Oktober 2019 nur noch ein Volumen von 20,91 Millionen Euro. Durch politische Krisen wie den USA-Iran-Konflikt wächst nachvollziehbarer Weise die Verunsicherung - und das ist Gift für die Außenwirtschaft.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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