Interview
So bringt die Behr AG weiterhin feldfrisches Gemüse in den Handel

Eine Erntemaschine im Eisbergsalatfeld
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  • Eine Erntemaschine im Eisbergsalatfeld
  • Foto: Behr AG
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ts. Ohlendorf. Um drohende Ernteausfälle zu verhindern, durften im April 40.000 Saisonarbeiter aus Osteuropa nach Deutschland einreisen. Im Mai folgen zusätzliche 40.000.  Normalerweise kommen jedes Jahr rund 300.000 Saisonarbeiter auf Deutschlands Felder. Wie sich die Reisebeschränkungen während der Coronavirus-Pandemie auf den Gemüsegiganten Behr AG mit Sitz in Seevetal auswirken, sagt der Marketingleiter Birger Exner im Interview per E-Mail mit dem WOCHENBLATT.
WOCHENBLATT: Wie ist die Behr AG davon betroffen, dass wegen der Corona-Pandemie weniger Saisonarbeiter aus Osteuropa als normalerweise üblich bei der Ernte helfen dürfen?
Birger Exner: Das Konsumverhalten ist leider nicht linear. Schwankungen gibt es bis zu 60 Prozent, sodass der Arbeitsanfall in der Ernte zur gleichen Höhe schwankt. Die Saisonarbeiter wohnen im Betrieb und sind deshalb jederzeit kurzfristig einsetzbar. Die angebotene Lösung, die Ernte mit Kurzarbeitern, Studenten und weiteren Personen durchzuführen, wird schwierig. Der gute Wille ist bemerkenswert und wird auch von uns gewürdigt. Es zeigt eine seit langem nicht gekannte Wertschätzung unserer Arbeit. Wir befürchten allerdings, dass die Besonderheiten unserer Arbeit nicht generell auf Gegenliebe stoßen.
In dieser Situation tritt zu Tage, was sich in der gesamten Ernährungsbranche eingebürgert hat. Hohe Anforderungen, schwere körperliche Arbeit, aber günstige Produkte. Dass passt nicht zusammen. Unsere Erntesaison beginnt Anfang Mai. Zu diesem Zeitpunkt haben wir den größten Bedarf an Saisonarbeitskräften, da 80 Prozent der Arbeit in den Kulturen bei der Ernte anfällt. Die Ernte ist bei den meisten Kulturen Handarbeit und kann daher nicht durch Maschinen erledigt werden.
WOCHENBLATT: Wie will das Unternehmen die niedrigere Zahl an Erntehelfern aus dem Ausland kompensieren?
Birger Exner: Wir haben seit dem 26. März eine eigene Webseite eingerichtet, auf der sich interessierte Personen, die sich derzeit beispielsweise in Kurzarbeit befinden, bei uns um einen Kurzzeitjob bewerben können. Wer daran interessiert ist, kann sich über unser Internetformular bei uns melden. Dabei ist es hilfreich, wenn Angaben zum Ausbildungs- und Berufsstand (Schüler, Student, Kurzarbeit etc.) gemacht werden und auch Fähigkeiten und Vorkenntnisse (Führerschein für Pkw, Stapler und/oder Trecker, Vorkenntnisse im Gemüsebau, Sprachkenntnisse etc.) mit angegeben werden. So können wir schnell die Bewerbungen den anfallenden Tätigkeiten zuordnen. Wir werden auch ein Anforderungsprofil den Bewerbern zusenden.
Wir sind überwältigt, wie viele uns unterstützen möchten. Jedoch erfordert jede Tätigkeit eine Einarbeitung. Leider sind zurzeit unsere zur Verfügung stehenden Kapazitäten absolut ausgeschöpft, sodass wir momentan keine neuen Bewerber aufnehmen können. Wenn sich daran etwas ändert, informieren wir die Öffentlichkeit.
WOCHENBLATT: Welche Arbeiten auf den Feldern im Landkreis Harburg laufen bereits und welche stehen bevor?
Birger Exner: Derzeit befinden wir uns in der Aussaat und Pflanzung von Salat und Gemüse. Zudem fallen jetzt auch schon einige Kulturarbeiten an, für die wir gegebenenfalls mehr Saisonarbeitskräfte benötigen.
WOCHENBLATT: Wieviel Hektar Fläche bewirtschaftet die Behr AG im Landkreis Harburg?
Birger Exner: Zirka 1.000 Hektar.
WOCHENBLATT: Wie lassen sich die Infektionsschutz-Vorschriften bei der Feldarbeit einhalten?
Birger Exner: Wir haben die einzelnen Abteilungen in Gruppen aufgeteilt, sodass sich innerhalb der Abteilungen die Teams nicht treffen. Dieses gilt auch für die Gruppen, die derzeit mit der Aussaat und Pflanzung beschäftigt sind. Wir haben unsere Arbeitskräfte, auch schon vor der Corona-Pandemie, insbesondere auf Hygienemaßnahmen rund um die Arbeit und Unterkunft geschult. Zusätzlich haben wir die Arbeitsgruppen in den Unterkünften getrennt, so dass es für den Fall einer Erkrankung nur eine Gruppe betrifft. Unsere Saisonkräfte sind im Vergleich zur übrigen Bevölkerung besser geschützt, da sie zum Einkauf von Lebensmitteln nicht in den Supermarkt gehen müssen. Wir haben an den Unterkünften einen Kiosk, an dem sie sich mit allen Lebensmitteln eindecken können, die wir zum Selbstkostenpreis dort anbieten.
WOCHENBLATT: "Das ganze Jahr erntefrisches Gemüse", heißt es auf der Website der Behr AG. Gilt das auch für die Dauer der Coronakrise?
Birger Exner: Derzeit sind wir sehr zuversichtlich, dass wir weiterhin unser feldfrisches Gemüse in den Handel bringen können. Da die Landwirtschaft ja, wie es heißt, als systemrelevanter Beruf eingestuft worden ist, schauen wir optimistisch in die Zukunft.

Eine Erntemaschine im Eisbergsalatfeld
Marketingleiter Birger Exner
Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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