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Postbank-Filiale in Meckelfeld dicht: Senioren sind sauer

Postbank-Kunde Jürgen Möller steht vor der geschlossen Postbank-Filiale in Meckelfeld Fotos: ts
 
Ein Unbekannter hat auf dem Aushang seinen Unmut zum Ausdruck gebracht
Kunden müssen längere Wege in Kauf nehmen. Senioren fühlen sich benachteiligt. Jürgen Möller (81) fordert einen Bankautomaten in Meckelfeld.

ts. Meckelfeld. Die Postbank hat vor einem Monat ihre Filiale in Meckelfeld geschlossen. Seinen Unmut darüber hat ein Unbekannter auf dem Aushang, mit dem das Geldinstitut an der Glastür der nun leer stehenden Geschäftsräume am Kürbsweg 9 um Verständnis für längere Wege bittet, zum Ausdruck gebracht: "Vielen Dank Schweine-Post", hat jemand wütend darauf gekritzelt.
Kunden der Postbank in Meckelfeld (9.665 Einwohner) hatten bisher kurze Wege, wenn sie Geld abheben, einen Kontoauszug ausdrucken, eine Überweisung tätigen oder Erspartes anlegen wollten. Seit dem 15. Mai müssen sie auf den Service verzichten. Ihr Bargeld sollen sich die Kunden nun an der Tankstelle in der Glüsinger Straße 44 besorgen und zur Beratung in den benachbarten Hamburger Stadtteil Harburg fahren, empfiehlt die Postbank.
Für ältere Menschen, vor allem, wenn sie kein Auto besitzen, sei das unzumutbar, sagt Jürgen Möller. Der 81 Jahre alte Postbank-Kunde will sich mit dem jetzigen Service seines Geldinstituts nicht zufrieden geben. Er setzt sich für einen Bankautomaten ein, an dem sich Ausdrucke und Überweisungen tätigen lassen. Standort solle die neue Partnerfiliale der Deutschen Post in der Mattenmoorstraße 17 sein.
Im Senioren-Skatklub war der Rückzug der Postbank aus Meckelfeld das Gesprächsthema. Ob Möller nicht etwas unternehmen könne, wollten Mitspieler wissen. Möller hat den Skatklub gegründet. Der frühere Messebauer ist bei den Skatsenioren bekannt dafür, sich zu engagieren. "Ein Bankautomat muss für ältere Menschen hierher", sagt Jürgen Möller, "Menschen über 80 Jahre können doch nicht zur Post nach Harburg reisen."
25 bis 28 Minuten dauert die Fahrt mit dem Linienbus von Meckelfeld nach Harburg. 4,40 Euro koste die Hin- und Rückfahrt - viel Geld, um Bankgeschäfte zu erledigen. Jürgen Möller selbst fährt mit dem eigenen Auto dreimal im Monat gut vier Kilometer in den Nachbarort Maschen zu einem für Postbank-Kunden kostenlosen Geldautomaten. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei der Weg zu umständlich und älteren Menschen nicht zuzumuten, sagt der 81-Jährige.
Die Postbank sei sich ihrer Verantwortung für eine flächendeckende Grundversorgung mit Finanzdienstleistungen sehr bewusst, sagt dazu Postbank-Sprecher Ralf Palm. Wie alle Banken beobachte auch die Postbank, dass sich der Markt sowie das Verhalten der Kunden in Zeiten der Digitalisierung veränderten.
Die Postbank werde bis Mitte 2019 bundesweit 50 Vertriebscentern eröffnen, in denen Kunden ganzheitliche Dienstleistungen rund ums Konto, zur Wertpapierberatung oder der Baufinanzierung erhalten. Auch in die flächendeckende Bargeldversorgung für ihre Kunden werde die Postbank weiter investieren, etwa durch die Kooperation mit dem Mineralölunternehmen Shell und großen Einzelhandelsketten.
Der Postbank-Sprecher gibt aber zu, dass als Teil einer langfristig angelegten Strategie zur wirtschaftlichen Gestaltung ihres Filial- und Kontaktpunktnetzes die Postbank im Verlauf des Jahres 2018 in Deutschland mehr als 100 Filialen schließen wird.
Online-Banking ist für Jürgen Möller und andere Senioren des Meckelfelder Skatklub keine Alternative: "Ich habe kein Vertrauen dazu", sagt Möller. Seit 40 Jahren sei er Kunde der damals noch Deutschen Post und Postbank. Jetzt überlegt er, das Geldinstitut zu wechseln: "Wenn die Postbank so lahm ist, dann brauchen die auch mein Geld nicht mehr."