Haftstrafe für Aayas Bruder

Ahmed A. sagte nur einen einzigen Satz am letzten Prozesstag: „Ich war es nicht“
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bc. Stade. Der große Bruder, zur Tatzeit 18 Jahre alt, hat seine kleine, elfjährige Schwester erstickt. Zu dieser Überzeugung gelangte das Landgericht Stade. Das Urteil: sieben Jahre Jugendhaft wegen Totschlags für Ahmed A., exakt so viel, wie die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Denn warum Aaya sterben musste, ist weiter unklar. Das Motiv bleibt ein Rätsel. Ahmed A. sagte am Mittwoch im Gerichtssaal nur einen Satz: „Ich war es nicht.“

Für Richter Berend Appelkamp ist die Indizienlage trotzdem eindeutig. Die Ermittler fanden Fingerabdrücke von Ahmed an dem Müllsack, in dem die Leiche von Aaya am 22. März dieses Jahres in einem Gartenschuppen auf dem elterlichen Grundstück in Neu Wulmstorf gefunden wurde. Am Körper von Aaya stellten sie ausschließlich DNA-Spuren von Ahmed fest sowie Fasern seiner Kleidung. In Aayas Blut ließ sich ein Antidepressivum nachweisen, das sich Ahmed zuvor von einem Freund besorgt hatte und das möglicherweise eine betäubende Wirkung auf das Mädchen gehabt haben könnte. Das würde erklären, warum die Polizei keine Kampfspuren feststellen konnte.

Zudem soll Ahmed seinen Vater auf eine falsche Fährte nach Neugraben gelockt haben, indem er ihm Whatsapp-Nachrichten von Aayas Handy schickte. Ihr Handy verließ aber nie den Bereich Neu Wulmstorf. „Auch wenn es einige Unklarheiten gibt, ändert das in der Massivität der Spuren nichts daran, dass Ahmed seine Schwester getötet hat. Ein Unglücksfall ist auszuschließen“, sagte Richter Appelkamp.

Auch Ahmeds Verteidigung geht davon aus, dass der Täter im familiären Umfeld zu finden ist: „Der große Unbekannte ist auszuschließen“, so Rechtsanwältin Annette Voges. Für sie kommt aber auch der Vater als möglicher Täter in Betracht. Zeugen beschreiben ihn als aufbrausend, dominant und aggressiv gegenüber den Kindern. Voges sagte: „Wenn man Vater und Sohn vergleicht, fragt man sich, wieso der Angeklagte Aaya getötet haben soll.“ Ahmed habe Aaya, die zweitjüngste seiner vier Schwestern, geliebt.

So liebevoll die Eltern im Gerichtssaal mit ihrem einzigen Sohn Ahmed umgingen - sie trösteten ihn nach dem Urteil, streichelten seinen Arm - so konfliktbeladen war das Verhältnis früher. Ahmed litt nach Angaben des Gerichts unter extremem Leistungsdruck. Der Vater ein erfolgreicher Ingenieur, die Mutter Ärztin in einem Krankenhaus, schickten ihn aufs Gymnasium, parallel sollte er einen arabischen Schulabschluss per Fernstudium absolvieren. Offenbar zu viel für Ahmed. Er schwänzte die Schule, schaffte nur die Realschule, zog mit 17 Jahren zu Hause aus, kam bei Freunden unter und konsumierte harte Drogen. Nach der Versöhnung im Sommer 2013 gab es wieder Stress. Der Vater lehnte Ahmeds nicht-muslimische Verlobte ab, ohnehin passte ihm der westliche Lebensstil seines Sohnes laut Richter Appelkamp nicht.

Von all den Problemen und dem vorbelasteten Verhältnis war im Gerichtssaal nichts zu spüren. Ahmed wirkte äußerlich gefasst bei der Verkündung des Urteils.
Nach Ende der Verhandlung brach der Vater der Familie gegenüber der Presse sein Schweigen: „Wir sind alle schockiert. Mein Sohn ist zum zweiten Opfer geworden. Er hat mit diesem Tötungsdelikt nichts zu tun.“ Stattdessen kritisierte er, der gerade von der Verteidigung als ein möglicher Täter ins Spiel gebracht wurde, die Polizei, die von Anfang an seinem Sohn die Tat haben anlasten wollen.

Die Verteidigung hat bereits Revision angekündigt.

Auf ein Wort

Eine unfassbare Tragödie

Was auch immer an diesem 21. März 2014 passiert ist. Fest steht nur: Hier hat sich eine unfassbare Tragödie abgespielt. Gericht und Staatsanwaltschaft sind davon überzeugt: Ahmed A. hat seine Schwester umgebracht, zu erdrückend ist die Indizienlast. Da der Angeklagte schweigt und die Eltern von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machten, musste sich das Gericht ausschließlich auf Indizien stützen. Die Eltern hingegen sind von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt. Der Vater appellierte an die deutsche Regierung und fragte, warum seine Tochter sterben musste. Er wittert ein perfekt geplantes Verbrechen. Richter Berend Appelkamp sagte vermutlich nicht umsonst in Richtung des Angeklagten, aber auch in Richtung der Eltern: Nur das Zulassen der Wahrheit kann Halt geben. Björn Carstens
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Ahmed A. sagte nur einen einzigen Satz am letzten Prozesstag: „Ich war es nicht“
Die Rechtsanwälte Annette Voges und Robert Funk deuteten an, dass auch der Vater als möglicher Täter in Betracht kommen könnte
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Björn Carstens aus Buxtehude

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