Laut niedersächsischem Innenministerium bestand akute terroristische Anschlagsgefahr
Mutmaßlicher Islamist: Polizei durchsuchte Wohnung in Drochtersen

In diesem Gebäude in Drochtersen erfolgte der Zugriff der Polizei
  • In diesem Gebäude in Drochtersen erfolgte der Zugriff der Polizei
  • Foto: ig
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd/ig. Stade/Lüneburg. Die Polizei wurde am vergangenen Freitag in den Landkreisen Stade und Lüneburg aktiv, um einen islamistischen Terroranschlag zu vereiteln. Das niedersächsische Innenministerium sprach von "einer akuten terroristischen Anschlagsgefahr", die dank des Polizeieinsatzes gebannt werden konnte. Im Landkreis Stade durchsuchten die Einsatzkräfte eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Drochtersen, zu der sie sich mit Gewalt Zutritt verschafften. Die Beamten hatten die Wohnungstür aufgebrochen.

Der Einsatz in Drochtersen stand im Zusammenhang mit der Festnahme eines 19-Jährigen im Landkreis Lüneburg. Der junge Mann, der am Freitag im Rahmen der Polizeiaktion festgenommen wurde, soll ein mutmaßlicher Islamist sein. Er hatte zuvor in der von der Polizei gestürmten Wohnung in Drochtersen bei seinen Eltern gewohnt und war dann zu seinem Onkel nach Barum im Landkreis Lüneburg gezogen, weil er in der Nähe einen Job angenommen hatte. Er soll an seinem Arbeitsplatz festgenommen worden sein.

Bei den Behörden sollen zuvor laut Polizeiangaben konkrete Hinweise eingegangen sein, dass möglicherweise ein Anschlag geplant sei. In Internet-Chats ging es wohl um Pläne, Attentate auf Polizeidienststellen zu verüben. Die Polizei sprach "von ernstzunehmenden Hinweisen auf unmittelbar bevorstehende schwere Straftaten".

Der festgenommene 19-Jährige - es handelt sich nach WOCHENBLATT-Informationen um einen gebürtigen Tschetschenen - wird von den Sicherheitsbehörden der islamistischen Szene zugerechnet. Er ist dem Amtsgericht Lüneburg vorgeführt worden und befindet sich nun in einem sogenannten Langzeitgewahrsam. Diese Form der Haft ist zur Gefahrenabwehr auf richterlichen Beschluss möglich und kann bis zu 14 Tage andauern.

Bei der Erstürmung der Wohnung in der Drochtersener Grefenstraße waren neben Streifenpolizisten auch Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos vor Ort. An der Adresse leben noch die Eltern des 19-Jährigen mit dessen Geschwistern. Die Familie soll vor drei Jahren über Georgien nach Deutschland gekommen sein. Einige Mitbewohner aus dem Mehrfamilienhaus hatten den Einsatz mitbekommen, ahnten aber nicht, dass es sich um eine Anti-Terror-Aktion handele. "Ich dachte, das geht um eine Abschiebung", erklärte ein Nachbar gegenüber dem WOCHENBLATT. Nach seinen Angaben habe es bei der Familie häufiger Ärger gegeben. Die Polizei sei öfter vor Ort gewesen.

Von dem Einsatz existiert ein Video auf Facebook. Ein Bewohner aus dem Nachbarhaus hatte davon Szenen gepostet. Auf diesen ist zu sehen, wie sich vermummte Polizisten auf die Wohnung zubewegten. In Drochtersen brodelte kurz darauf die Gerüchteküche: Es war u.a. von einer wilden Schießerei und einer Verfolgungsjagd auf die benachbarte Elbinsel Krautsand die Rede, wo sich die Flüchtigen angeblich auf einem Bauernhof verbarrikadiert hatten.

Nach WOCHENBLATT-Informationen sollen der Onkel sowie der Vater und ein Bruder des 19-Jährigen mit auf die Wache genommen worden sein, um dort zum Teil stundenlang verhört zu werden. Auf WOCHENBLATT-Anfrage erklärte ein Polizeisprecher aus Lüneburg, dass bei den Durchsuchungen in Drochtersen und Barum verschiedene "elektronische Medien" sichergestellt worden seien. Diese werte man nun aus. Ansonsten heißt es seitens der Polizei nur, dass die Ermittlungen weiter andauern. Weitere Einzelheiten wolle man aus taktischen Gründen nicht nennen. Nach Angaben der Polizei soll derzeit kein Bezug zu der kürzlich begangenen Tat in Wien ersichtlich sein.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) zeigte sich zufrieden mit dem raschen Handeln seitens der Sicherheitsbehörden: "Ich bin dankbar, dass diese sehr schnell und konsequent auf aktuelle Erkenntnisse reagiert und alle Maßnahmen getroffen haben, um einen möglichen islamistisch motivierten Anschlag zu verhindern. Mein ausdrücklicher Dank gilt hier auch den Bundesbehörden." Die Zusammenarbeit auf Bundes- und Landesebene habe gut funktioniert. "Die akute Gefahrenlage ist entschärft."

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Panorama
Am Samstag ist der internationale Tag des Ehrenamts

31 Millionen Ehrenämtler in Deutschland
Was wären wir ohne Ehrenamt?

(tk). Diese Zahl ist beeindruckend: In Deutschland engagieren sich 31 Millionen Menschen ehrenamtlich. Viele, das zeigt diese hohe Zahl, sind sogar in mehr als einem Ehrenamt aktiv. Am heutigen Samstag, dem Internationalen Tag des Ehrenamts, soll das Wirken dieser Menschen im Mittelpunkt stehen. Das WOCHENBLATT porträtiert stellvertretend für diese Engagierten einige Ehrenämtler (dazu die Links unter diesem Artikel). Natürlich ist das nur ein unvollständiges Abbild - doch diese...

Blaulicht
So sieht er aus, der neue Blitzeranhänger, der ab sofort in Betrieb ist   Foto: Landkreis Harburg

Landkreis Harburg kontrolliert noch stärker den Verkehr
Teure Fotos aus dem Anhänger

Landkreis Harburg setzt ab sofort einen Anhänger für die mobile Geschwindigkeitsüberwachung ein thl. Winsen. Autofahrer aufgepasst! Der Landkreis Harburg setzt ab sofort einen Anhänger für die mobile Geschwindigkeitsüberwachung ein. Die Anlage soll vorrangig an den Ortseingängen eingesetzt werden. Der neue Anhänger sei in Abstimmung mit den Bürgermeistern der Kommunen beschafft worden, heißt es. Ziel der Geschwindigkeitskon-trollen ist mehr Verkehrssicherheit und Unfallprävention im...

Service

Besser vernünftig sein und trotzdem Maske tragen
Inzidenzwert im Landkreis Stade am 4. Dezember knapp unter 50

jd. Stade. Zum ersten Mal seit zehn Tagen ist der Inzidenzwert im Landkreis Stade wieder unter 50 gefallen. Die Sieben-Tages-Inzidenz beträgt 49,9 und liegt damit nur ganz knapp unter dem Grenzwert von 50 (Stand Freitag, 4. Dezember). Damit steht die Corona-Ampel für den Landkreis Stade erstmals seit einigen Tagen wieder auf Gelb. Für einige Straßen und öffentliche Plätze gilt laut Allgemeinverfügung des Landkreises gilt damit die dringende Empfehlung, eine Maske (Mund-Nasen-Schutz) zu...

Panorama
Im Johannisheim in Stade gab es während der ersten Corona-Welle fünf Todesfälle
2 Bilder

Tödliche Gefahr
Wenn sich das Virus in Altenheimen ausbreitet

wei. Jork/Stade. Besonders die Alten- und Pflegeheime stehen angesichts der Corona-Pandemie vor einer Herausforderung. Dort sind Menschen aus einer Risikogruppe auf relativ engem Raum zusammen. Gerade diese älteren Menschen sind einer recht hohen Infektionsgefahr ausgesetzt, wenn das Coronavirus in eine solche Wohneinrichtung eingeschleppt wird. Ein Beispiel dafür ist das Seniorenwohnheim CMS Pflegewohnstift in Jork, das wegen eines Corona-Ausbruches immer noch für Besucher geschlossen ist...

Panorama

Aktuelle Corona-Zahlen vom 4. Dezember
Inzidenzwert im Landkreis Harburg liegt bei glatt 60

lm. Winsen. Seit Ausbruch der Pandemie sind im Landkreis Harburg wurden insgesamt 2.153 Corona-Fälle bestätigt worden, ein Plus von 30 im Vergleich zum Vortag. Diese Zahlen nannte Landkreissprecher Andres Wulfes am Freitag, 4. Dezember. Die Zahl der Genesenen lag bei 1.882, ein Anstieg von 39. Zurzeit sind damit 230 Personen aktiv erkrankt. 615 Personen befinden sich in Quarantäne. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert sank auf 60,0 - nach 64,1 am Donnerstag. Die Corona-Zahlen der vergangenen...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen