Regionalklassen für die Kfz-Haftpflicht: Kreis Stade erneut trauriger Rekordhalter
Viele Unfälle - hohe Beiträge

Bei diesem Unfall in Ahlerstedt hatte eine Autofahrerin die Vorfahrt eines Kradfahrers missachtet. Sie starb noch an der Unfallstelle  Foto: Polizei
  • Bei diesem Unfall in Ahlerstedt hatte eine Autofahrerin die Vorfahrt eines Kradfahrers missachtet. Sie starb noch an der Unfallstelle Foto: Polizei
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Stade. Die neuen Regionalklassen für die Kfz-Haftpflichtversicherung sind kürzlich veröffentlicht worden. Die gute Nachricht: Der Kreis Stade wurde nicht - im Gegensatz zu manch anderen Jahren - hochgestuft. Die schlechte: Stade ist nach wie vor trauriger Spitzenreiter bei den ländlichen Regionen in Niedersachsen, was Schadenshäufigkeit und -höhe angeht. Besser sieht es für den Landkreis Harburg aus.
Mit der Regionalklasse 7 befindet sich der Landkreis Stade im Niedersachsen-Vergleich in bester (oder eher: schlechter) Gesellschaft mit Städten wie Oldenburg, Wolfsburg und Salzgitter. Nur Wilhelmshaven und Hannover liegen mit den Klassen 8 bzw. 9 noch darüber. Dass sich in diesen Großstädten mehr Unfälle ereignen, liegt auf der Hand. Im Stadtverkehr ist die Verkehrsdichte deutlich höher und damit steigt das Unfallrisiko.

Doch was ist nur mit dem Landkreis Stade los? Diese Frage drängt sich auf, wenn man einen Blick auf die aktuelle Liste mit den Regionalklassen in Niedersachsen wirft. Die Nachbarkreise Cuxhaven und Rotenburg sind in die wesentlich günstigere Klasse 2 eingestuft. Und auch der Landkreis Harburg liegt mit Klasse 4 deutlich niedriger. An diesen Regionalklassen orientieren sich die Versicherungen neben anderen Faktoren mit ihren Beitragshöhen. Im Prinzip gilt: Je niedriger die Klasse, umso geringer der Beitrag. Die Einstufung der Regionalklassen erfolgt von 1 bis 12.

Wer im Landkreis Stade wohnt und sich nun darüber ärgert, für seine Auto-Haftpflicht mehr als seine Bekannten oder Verwandten aus anderen Gegenden Niedersachsens zahlen zu müssen, darf sich vor allem bei denjenigen bedanken, die zu schnell rasen, drängeln oder an Stoppschildern nicht anhalten.
Überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Abstand und Missachtung der Vorfahrt sind im Landkreis Stade mit zusammen 46 Prozent die Hauptursache für Verkehrsunfälle mit Personenschäden. Bei jungen Fahrern unter 25 Jahren machen diese drei Delikte sogar 60 Prozent aus. Aus Harburg liegen nur Daten vor, die sich auf die Gesamtzahl aller Unfälle - im Jahr 2018 waren es 6.496 - beziehen. Diese lassen aber den Schluss zu, dass dort umsichtiger gefahren wird. Denn überhöhtes Tempo, zu dichtes Auffahren und Missachtung der Vorfahrt machen nicht mal ein Drittel der Unfallursachen aus.

Immerhin 4.673 Unfälle registrierte die Polizei 2018 im Landkreis Stade. Dabei steigen die Unfallzahlen seit Jahren an - und zwar überproportional im Verhältnis zum Verkehrsaufkommen. Seit 2006 haben sich die Unfallzahlen um knapp 29 Prozent erhöht, wie die Zahlen zeigen, die kürzlich von der Polizei im Verkehrsausschuss des Landkreises Stade präsentiert wurden. Dass Harburg trotz höherer Unfallzahlen - bedingt auch durch die Autobahnen - bei den Regionalklassen niedriger eingestuft ist, liegt vermutlich an der geringeren Schwere der Unfälle: Im Kreis Stade werden offenbar größere Schäden verursacht, was bei Unfallursachen wie überhöhte Geschwindigkeit oder zu dichtes Auffahren nicht verwundert. Im Kreis Harburg werden es wohl mehr "Parkplatzrempler" oder ähnlich leichte Unfälle sein, die nur geringe Blechschäden verursachen.

Wenn Stade bei den Regionalklassen den schlechtesten Wert aller Landkreise in Niedersachsen hat, bedeutet das mit Blick auf die Unfallstatistik, dass offenbar besonders viele Autofahrer zwischen Oste und Este einen aggressiven und risikoreichen Fahrstil pflegen und daher im landesweiten Vergleich überdurchschnittlich viele und schwere Unfälle verursachen.
Im Verkehrsausschuss zerbrachen sich die Politiker die Köpfe über die Gründe für dieses Verhalten. Eine mögliche Erklärung könnte nach Ansicht von Matthias Steffen (CDU) sein, dass die Fahrzeuge mit immer aufwendigeren Assistenz- und Sicherheitssystemen ausgestattet sind. Das verleite manche Fahrer wohl dazu, im Straßenverkehr mehr auf Risiko zu gehen, mutmaßt Steffen. Würde dieser Grund zutreffen, wäre das ein schrecklicher Gedanke. Das besagt nämlich im Umkehrschluss, dass diese Autofahrer keinerlei Gedanken an diejenigen verschwenden, die nicht so gut geschützt wie sie unterwegs sind.

Geringe Quote bei Mobil-Blitzern

Wer risikoreich fährt, hält sich auch nicht an Tempolimits. Hier setzt der Landkreis mit seinen Kontrollen an. Mit zwölf stationären Blitzern geht es Temposündern derzeit an den Kragen. Zwei davon arbeiten bereits mit Lasertechnik und müssen nicht kostenaufwendig nachjustiert werden. Zwei weitere Lasertower sollen noch dieses Jahr die Anlage in Grefenmoor ersetzen. In den kommenden Jahren erfolgt der Austausch an weiteren Strecken. Zusätzlich lauern bis zu drei Fahrzeuge mit mobilen Blitzern auf die Raser. Insgesamt sind neun Mitarbeiter an sieben Tagen in der Woche in zwei Schichten im Einsatz.

Die Bilanz: Im Jahr 2018 passierten rund 12,5 Millionen Fahrzeuge die stationären Blitzer im Landkreis. Etwas mehr als 23.000 Raser wurden geknipst. Das ist eine Verstoßquote von nicht einmal 0,2 Prozent, was wiederum bedeutet, dass wahrscheinlich nur Ortsunkundige in die Falle tappen. Dennoch hält Gerhard Timm, Leiter des Straßenverkehrsamtes, die Blitzer für sinnvoll: "Würden sie dort nicht stehen, wäre das für viele Autofahrer eine Verlockung, wieder erheblich schneller zu fahren."

Eine bessere "Fangquote" ist bei den mobilen Blitzern zu verzeichnen: Von rund einer halben Million Autofahrer gingen mehr als 26.000 wegen überhöhten Tempos ins Netz, was einem Anteil von 4,8 Prozent entspricht.

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